Gesindel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gesindels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-sin-del
Wortbildung mit ›Gesindel‹ als Letztglied: ↗Diebesgesindel · ↗Diebsgesindel · ↗Raubgesindel · ↗Verbrechergesindel
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend Pack, heruntergekommene (und verbrecherische) Menschen
Beispiele:
ein verkommenes, erbärmliches, verworfenes, lichtscheues Gesindel
eine Rotte, Horde von niedrigem Gesindel
es treibt sich viel, allerhand Gesindel herum
Viele waren nicht besser als das arme Gesindel, mit dem wir die Gefängnisse aller Art bevölkern [DürrenmattRichter23]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gesinde · Gesindel
Gesinde n. ‘Gefolgs-, Kriegsleute, Hausdienstleute, Knechte und Mägde eines Bauern-, Gutshofes’, ahd. gisindi (9. Jh.), asächs. gisīði, mhd. mnd. gesinde, (mit Assimilation) gesinne ‘Begleitung, (Kriegs)gefolge, Dienerschaft’ (germ. *ga-sinþja-) sind Kollektivbildungen zu stark flektiertem ahd. gisind (9. Jh.), mhd. gesint, asächs. gisīð, aengl. gesīþ (germ. *ga-sinþa-) und schwach flektiertem ahd. gisindo (9. Jh.), mhd. gesinde, aengl. gesīþa, got. gasinþa, anord. sinni ‘Gefährte, Weggenosse, Gefolgs-, Dienstmann, Hausgenosse’ (germ. *ga-sinþan-). Die Personenbezeichnung ist ein Präfixkompositum zu ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’, mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Gang, Fahrt’, got. sinþs ‘Gang’ (germ. *sinþa-) und meint ursprünglich den, ‘der den Weg, die Reise gemeinsam mit (einem) anderen macht’, das Kollektivum Gesinde dagegen die ‘Gesamtheit der Begleiter, Gefährten auf dem gemeinsamen Weg, auf der Reise’. Zur Bildungsweise s. ↗Bauer, ↗Genosse, ↗Geselle, ↗Gefährte; zur Etymologie des Grundworts s. ↗senden. Dazu die Deminutivbildung Gesindel n. ‘kleines Gefolge’, mhd. gesindelīn, dann ‘Hausleute, kleine Dienerschaft’, vor allem jedoch pejorativ ‘heruntergekommenes, sich herumtreibendes Volk, Pack’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · ↗Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · ↗Abschaum  derb · Asis  derb · ↗Asoziale  derb · ↗Bagage  ugs. · ↗Bodensatz  ugs. · ↗Brut  derb · ↗Gelichter (lit.)  geh., veraltet · ↗Geschmeiß  geh. · Gesindel  derb · ↗Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bair. · Gschwerl  ugs., bair. · Kanaken  derb · ↗Kroppzeug  derb, norddeutsch · ↗Lumpenpack  derb · ↗Mischpoke  derb · ↗Mob  derb · ↗Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · ↗Pöbel  derb · Volks  ugs., regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschaum Demonstrant Pack Ratte Terrorist arbeitsscheu asozial aufräumen ausländisch befreien beschimpfen bezeichnen braun faschistisch faul feig gebühren herumtreiben kriminell lichtscheu link rot sonstig säubern undankbar vaterlandslos verdammt verdächtig ähnlich übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesindel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unter den Deutschen, tönte er, habe man sich mit Gesindel solcherart nicht abgeben müssen.
Süddeutsche Zeitung, 20.03.1997
In diesen Zeiten ist viel Gesindel unterwegs, komm schnell heim, du mußt total ausgefroren sein.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 43
Ich habe nur keine Lust, mich mit dem Gesindel abzuschleppen.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 238
Und trotzdem streckten wir diesem »Gesindel« noch einmal die Hand hin.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1951. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1951], S. 203
Erneut verteidigte der Minister seine umstrittene Äußerung, die randalierenden Jugendlichen seien "Gesindel".
Die Welt, 12.11.2005
Zitationshilfe
„Gesindel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gesindel>, abgerufen am 15.10.2019.

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