Geschiebe, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geschiebes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-schie-be (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich fortwährendes Schieben, Gedränge
Beispiele:
Beide blieben hinten, wo weniger Geschiebe und mehr Luft ist [F. WolfGrenze5,380]
das Geschiebe und Gestoße, das Gebrüll und die Unordnung sind nicht zu beschreiben [Kisch1,371]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schieben · Geschiebe · Schieber · Schiebung
schieben Vb. ‘durch Druck bewegen’. Die Herkunft der starken Verben ahd. skioban (um 800), mhd. schieben, aengl. scēofan, got. afskiuban ‘verstoßen, von sich wegstoßen’ (germ. *skeuban) und mnd. schūven, mnl. scūven, nl. schuiven, afries. skuva, aengl. scūfan, engl. to shove (germ. *skuban), ferner schwach flektierender anord. skūfa, skȳfa, norw. skyve ist ungewiß. Vielleicht sind sie verwandt mit ↗Schub, ↗Schaufel, ↗Schippe (s. d.) sowie lit. skùbti ‘anfangen, sich zu beeilen’, skubùs ‘eilig, flink, emsig’, kslaw. skubǫ, russ. (landschaftlich) skubú (скубу) ‘zause, rupfe’ und an ie. *skeub(h)- ‘(flink) dahinschießen, schieben, stoßen’, eine Labialerweiterung der unter ↗schießen (s. d.) angegebenen Wurzel anzuschließen. Die wohl aus der Gaunersprache stammende Bedeutung ‘Waren illegal an andere Besitzer bringen, vertauschen, (auf dem schwarzen Markt) unlautere Geschäfte machen’ (geläufig seit dem ersten Weltkrieg), zuvor in der Börsen- und Kaufmannssprache ‘Wechsel, Hypotheken zum Schein in andere Hände bringen’ (90er Jahre 19. Jh.), wird von Berlin aus verbreitet. Man vermutet, daß in Wendungen wie Kohldampf, Wache schieben ‘Hunger, Wachdienst haben’ nhd. schieben für rotw. schefften ‘sein, sitzen, liegen, machen, tun, arbeiten, gehen’ eingetreten sei; diesem liegt vielleicht jidd. jaschwenen ‘setzen’, hebr. jāšab ‘sitzen, bleiben’ zugrunde, doch dürfte rotw. schefften auf Grund seiner Bedeutungsbreite semantisch von schaffen beeinflußt sein; vgl. Kluge ²¹646. Geschiebe n. bergmannssprachlich ‘Gestein, Geröll’ (17. Jh.), Geschübe (16. Jh.), Kollektivbildung zum Verb. Schieber m. ‘wer schiebt’ (18. Jh.), ‘junger Student, der sich während des Semesters heimlich nach Hause absetzt’ (17. Jh.), in der Technik ‘Werkzeug, mit dem etw. geschoben wird, verschiebbarer Verschluß’ (18. Jh.), aus der Gaunersprache ‘wer unlautere Handelsgeschäfte macht’ (Ende 19. Jh.). Schiebung f. ‘das Schieben’ (17. Jh.), ‘Intrige, Betrug’ (80er Jahre 19. Jh., aus der Gaunersprache), später allgemein ‘unrechtmäßiger Handel, unlautere Geschäfte’, besonders ‘ungerechtfertigte Begünstigung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geröll · Geschiebe
Synonymgruppe
Gedränge · ↗Gemenge · ↗Getümmel · ↗Gewimmel · ↗Gewoge · ↗Gewühl  ●  Wuling  regional · Geschiebe  ugs. · ↗Gewurl  ugs., landschaftlich, süddt. · ↗Gewusel  ugs., landschaftlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gedränge Geschubse Gezerre

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geschiebe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So gibt es schon bald ein Geschiebe und Überholen und Rufen nach denen, die sich nicht trauen, ein sportliches Tempo vorzulegen.
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2000
Hilflos sieht die FDP dem Geschiebe um Posten bis heute zu.
Die Zeit, 29.02.1988, Nr. 09
Geld für einen Sitzplatz hatten wir nicht, so bummelten wir mit im Geschiebe.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 339
Dieses Gewühl und Geschiebe von tausend Menschen sieht aus wie musterhafte Ordnung.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26505
Darüber liegt ein geschichteter gelblicher Sandstein mit eingelagerten Konglomeraten als einem von den abfließenden Schmelzwässern der damaligen mächtigen Gletscher abgelagerten Geschiebe.
Reinhardt, Ludwig: Vom Nebelfleck zum Menschen, München: Reinhardt 1909, S. 339
Zitationshilfe
„Geschiebe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Geschiebe#1>, abgerufen am 14.10.2019.

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Geschiebe, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geschiebes · Nominativ Plural: Geschiebe
Aussprache
WorttrennungGe-schie-be (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Geschiebe‹ als Erstglied: ↗Geschiebelehm · ↗Geschiebemergel
eWDG, 1967

Bedeutung

Geologie durch Gletschereis befördertes und abgeschliffenes Gestein
Beispiel:
aus ... Granit, Gneis, Porphyr und anderen Geschieben, die die Eiszeit einst hier hinterlassen hat [Urania1958]
nur im Singular
Gesamtheit von abgeschliffenem Gestein
Beispiel:
wenn sie so unter dem Gerölle ... oder dem angeschwemmten Geschiebe herumgingen [Stifter3,101]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schieben · Geschiebe · Schieber · Schiebung
schieben Vb. ‘durch Druck bewegen’. Die Herkunft der starken Verben ahd. skioban (um 800), mhd. schieben, aengl. scēofan, got. afskiuban ‘verstoßen, von sich wegstoßen’ (germ. *skeuban) und mnd. schūven, mnl. scūven, nl. schuiven, afries. skuva, aengl. scūfan, engl. to shove (germ. *skuban), ferner schwach flektierender anord. skūfa, skȳfa, norw. skyve ist ungewiß. Vielleicht sind sie verwandt mit ↗Schub, ↗Schaufel, ↗Schippe (s. d.) sowie lit. skùbti ‘anfangen, sich zu beeilen’, skubùs ‘eilig, flink, emsig’, kslaw. skubǫ, russ. (landschaftlich) skubú (скубу) ‘zause, rupfe’ und an ie. *skeub(h)- ‘(flink) dahinschießen, schieben, stoßen’, eine Labialerweiterung der unter ↗schießen (s. d.) angegebenen Wurzel anzuschließen. Die wohl aus der Gaunersprache stammende Bedeutung ‘Waren illegal an andere Besitzer bringen, vertauschen, (auf dem schwarzen Markt) unlautere Geschäfte machen’ (geläufig seit dem ersten Weltkrieg), zuvor in der Börsen- und Kaufmannssprache ‘Wechsel, Hypotheken zum Schein in andere Hände bringen’ (90er Jahre 19. Jh.), wird von Berlin aus verbreitet. Man vermutet, daß in Wendungen wie Kohldampf, Wache schieben ‘Hunger, Wachdienst haben’ nhd. schieben für rotw. schefften ‘sein, sitzen, liegen, machen, tun, arbeiten, gehen’ eingetreten sei; diesem liegt vielleicht jidd. jaschwenen ‘setzen’, hebr. jāšab ‘sitzen, bleiben’ zugrunde, doch dürfte rotw. schefften auf Grund seiner Bedeutungsbreite semantisch von schaffen beeinflußt sein; vgl. Kluge ²¹646. Geschiebe n. bergmannssprachlich ‘Gestein, Geröll’ (17. Jh.), Geschübe (16. Jh.), Kollektivbildung zum Verb. Schieber m. ‘wer schiebt’ (18. Jh.), ‘junger Student, der sich während des Semesters heimlich nach Hause absetzt’ (17. Jh.), in der Technik ‘Werkzeug, mit dem etw. geschoben wird, verschiebbarer Verschluß’ (18. Jh.), aus der Gaunersprache ‘wer unlautere Handelsgeschäfte macht’ (Ende 19. Jh.). Schiebung f. ‘das Schieben’ (17. Jh.), ‘Intrige, Betrug’ (80er Jahre 19. Jh., aus der Gaunersprache), später allgemein ‘unrechtmäßiger Handel, unlautere Geschäfte’, besonders ‘ungerechtfertigte Begünstigung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geröll · Geschiebe
Synonymgruppe
Gedränge · ↗Gemenge · ↗Getümmel · ↗Gewimmel · ↗Gewoge · ↗Gewühl  ●  Wuling  regional · Geschiebe  ugs. · ↗Gewurl  ugs., landschaftlich, süddt. · ↗Gewusel  ugs., landschaftlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gedränge Geschubse Gezerre

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geschiebe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So gibt es schon bald ein Geschiebe und Überholen und Rufen nach denen, die sich nicht trauen, ein sportliches Tempo vorzulegen.
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2000
Hilflos sieht die FDP dem Geschiebe um Posten bis heute zu.
Die Zeit, 29.02.1988, Nr. 09
Geld für einen Sitzplatz hatten wir nicht, so bummelten wir mit im Geschiebe.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 339
Dieses Gewühl und Geschiebe von tausend Menschen sieht aus wie musterhafte Ordnung.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26505
Darüber liegt ein geschichteter gelblicher Sandstein mit eingelagerten Konglomeraten als einem von den abfließenden Schmelzwässern der damaligen mächtigen Gletscher abgelagerten Geschiebe.
Reinhardt, Ludwig: Vom Nebelfleck zum Menschen, München: Reinhardt 1909, S. 339
Zitationshilfe
„Geschiebe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Geschiebe#2>, abgerufen am 14.10.2019.

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