Gerade, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Geraden · Nominativ Plural: Geraden
Aussprache
WorttrennungGe-ra-de
Wortbildung mit ›Gerade‹ als Letztglied: ↗Berührungsgerade · ↗Gegengerade · ↗Regressionsgerade · ↗Zielgerade
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Mathematik ungekrümmte, beiderseits nicht begrenzte Linie
2.
Sport gerade verlaufender Teil einer Rennstrecke
Beispiel:
die Läufer bogen in die Gerade ein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gerade2 · grade2 · Gerade · geradeaus · geradezu
gerade2, auch grade2 Adj. ‘ohne Krümmung immer in der gleichen Richtung verlaufend’, übertragen ‘von aufrichtiger Gesinnung, offen’ (seit dem 16. Jh.) sowie in vielfacher adverbieller Verwendung, besonders ‘soeben, eben noch, genau, ausgerechnet’; ahd. (h)rad, gi(h)radi (8. Jh.), (h)redi (9. Jh.) Adj. ‘rasch, schnell’, (h)rado Adv. ‘schnell, gewandt’ (8. Jh.), gi(h)rado Adv. ‘plötzlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)rat Adj., gerade Adj. Adv. ‘schnell bei der Hand, rasch, gewandt’, dann auch (md.) ‘frisch aufgewachsen und lang’, mnd. (ge)rā̌t Adj., (ge)rāde Adj. Adv. ‘schnell, gewandt, sogleich’, mnl. gherat Adj., gherāde Adj. Adv. ‘schnell, tüchtig, sogleich, richtig’, nl. rad Adj. Adv., aengl. (h)ræd, hræþ Adj., (h)rade, (h)raþe, ræþe Adj. Adv., anord. hraðr Adj. ‘schnell’. Auf Grund des durch die ahd., aengl. und anord. Formen gesicherten h-Anlauts ist von ie. *kret- ‘schütteln, sich rasch bewegen’ auszugehen, das auch lit. kretė́ti ‘zittern, schlottern’, mir. crothaim ‘ich schüttle’ zugrunde liegt und als Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ aufgefaßt werden kann (s. ↗Ring, ↗Rücken, ↗Schrank, ↗schreiten). Der heute im Dt. vorherrschende Gebrauch des Adjektivs als Gegenwort von ↗krumm (s. d.) beruht auf der zuerst für das 14. Jh. bezeugten Bedeutung ‘lang aufgewachsen’, die sich vor allem im Frühnhd. reich entfaltet, wo gerade häufig Personen nicht nur hinsichtlich ihres Auftretens (im alten Sinne ‘gewandt’), sondern auch in bezug auf ihr Äußeres (‘hochgewachsen, schlank, wohlgestaltet’) charakterisiert. Gerade f. ‘ungekrümmte und beiderseits nicht begrenzte Linie’, terminologisch seit Anfang des 18. Jhs. in der Geometrie übliche Substantivierung von ↗gerade (s. oben), die aus der Verbindung gerade Linie (15. Jh.) durch Kürzung hervorgeht, vgl. gleichbed. ital. retta statt linea retta schon bei Galilei (1638). Im Sport steht Gerade jetzt für ‘gerades Teilstück einer Rennstrecke’ (Anfang 20. Jh.). Davon zu unterscheiden ist die ältere Abstraktbildung ahd. (h)radī ‘Beweglichkeit’ (8. Jh.), spätmhd. gerede ‘Länge, Geradheit’, frühnhd. Geräde, Gerade ‘Schlankheit, Geradheit, Schnelligkeit, Gewandtheit’ (vereinzelt bei Kepler 1616 Geräde ‘gerade Linie’). geradeaus, grad(e)aus Adv. ‘in gerader Richtung vorwärts’, übertragen ‘aufrichtig, ehrenhaft’ (18. Jh.); geradezu, gradezu Adv. ‘rückhaltlos offen’, häufig nur verstärkend ‘direkt, ausgesprochen’, ursprünglich wie geradeaus auch Richtungsangabe (18. Jh.); beide Zusammenrückungen gehen auf bedeutungsgleiche Fügungen aus den Adverbien ↗gerade und ↗aus bzw. ↗zu (s. d.) zurück.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gerade · ↗Linie · ↗Strecke · ↗Strich
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Anordnung in einer Linie · Ausrichten
  • gestrichelt  ●  strichliert  österr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

abgelaufen arbeiten aufhalten ausmachen beendet befinden begonnen billig drehen erleben erschienen fertig förderlich gelten kommen laufen passen passieren recht rechtzeitig reichen rosig scheinen sitzen umgekehrt versuchen vorbereiten zimperlich zurückkommen üppig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gerade‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch das hat ihn von seinem geraden Weg nicht abbringen können.
Die Welt, 14.04.2004
Wenig konnte aus der Welt der Computer auf geradem Weg in unser Bewußtsein vordringen.
Süddeutsche Zeitung, 28.04.1998
Genügen dort immer nur zwei davon, um durch Addition alle geraden Zahlen zu bilden?
Kracke, Helmut: Aus eins mach zehn und zehn ist keins, Tübingen: Wunderlich Verl. Leins 1968, S. 280
Licht breitet sich in Luft stets in gerader Linie aus.
Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 75
Das scheint mir alles nicht auf dem geraden Wege zu gehen.
Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4167
Zitationshilfe
„Gerade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gerade>, abgerufen am 16.10.2019.

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