Geläut, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geläut(e)s · Nominativ Plural: Geläute
Nebenform Geläute · Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Geläutes · Nominativ Plural: Geläute
WorttrennungGe-läut · Ge-läu-te
Grundformläuten
Wortbildung mit ›Geläut‹ als Letztglied: ↗Abendgeläut · ↗Abendgeläute · ↗Glockengeläut · ↗Glockengeläute · ↗Grabgeläut · ↗Grabgeläute · ↗Schellengeläut · ↗Schellengeläute · ↗Schlittengeläut · ↗Schlittengeläute · ↗Sterbegeläut · ↗Sterbegeläute · ↗Stundengeläut · ↗Stundengeläute · ↗Sturmgeläut · ↗Sturmgeläute · ↗Totengeläut · ↗Totengeläute · ↗Vespergeläut · ↗Vespergeläute
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
das (fortwährende) Läuten
Beispiele:
aus der Ferne, von den Kirchen der Stadt hörten wir Geläute/Geläut
das Geläute/Geläut verstummte langsam
Vom Ufer des Sees herauf kam durch die Abendstille das Geläute der Herdenglocken [StormImmensee1,30]
Wenn das Geläut bis zum Speicher herüberkommt, schlägt das Wetter um [BobrowskiBoehlendorff27]
2.
mehrere Glocken, die aufeinander abgestimmt sind und zusammen einen bestimmten Akkord, Klang ergeben
Beispiele:
ein helles, tiefes Geläute/Geläut
durch die neue Glocke wurde das Geläute/Geläut der Kirche wieder vervollständigt
eine Glocke des Geläutes war im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden
das Dorf hat das schönste Geläute/Geläut der ganzen Gegend
3.
nur im Singular
Jägersprache das Bellen, der Laut jagender Hunde
Beispiel:
die beiden Jagdhunde empfingen ihn mit freudigem Geläute/Geläut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

laut1 · Laut · Lautsprecher · Lautverschiebung · Wortlaut · vorlaut · lauten · verlauten · verlautbaren · läuten · Geläut(e)
laut1 Adj. ‘weithin hörbar, geräuschvoll’, ahd. (h)lūt ‘vernehmlich, dröhnend, schallend, bekannt’ (8. Jh.), mhd. lūt ‘helltönend, hell für das Auge, klar, deutlich’, asächs. hlūd, mnd. lūt, mnl. luut, nl. luid, aengl. hlūd, engl. loud (germ. *hlūda-) führt wie aind. śrutá- ‘gehört, genannt, berühmt’, griech. klytós (κλυτός) ‘berühmt’, lat. inclutus ‘berühmt’ auf ein mit dem Suffix ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv, gehört jedoch zu einer anderen Ablautstufe der unten genannten Wurzel als die außergerm. Formen; vgl. die zugehörigen Verben aind. śṛṇṓti ‘hört, erfährt, merkt auf’, griech. klýein (κλύειν) ‘hören’, lat. cluēre ‘heißen’. Vergleichbar sind ferner die unter ↗Leumund (s. d.) genannten Formen sowie got. hliuþ oder hliuþs ‘Stille’, anord. hljóð ‘Gehör, Schweigen, Laut, Ton’ sowie aslaw. slovo, russ. slóvo (слово) ‘Wort’, (ablautend) aslaw. slava, russ. sláva (слава) ‘Ruhm, Ehre’. Auszugehen ist von ie. *k̑lēu- ‘hören’, auch ‘wovon man viel hört, berühmt, Ruhm’. Laut m. ‘Ton, (kaum wahrnehmbares) Geräusch’, ahd. (h)lūt m. ‘Schall, Klang’ (9. Jh.), mhd. lūt m., mnd. lūt m. n., mnl. luut m. n. ist wie ahd. (h)lūta f. ‘Ton, Geräusch, Stimme’ (10. Jh.), (h)lūtī f. ‘Lautstärke’ (8. Jh.) Abstraktbildung zum Adjektiv. Es bezeichnet das dem Ohr Hörbare, Wahrnehmbare, zum Unterschied vom Adj. seit frühnhd. Zeit ohne besondere Betonung der Lautstärke. Im Vergleich zu bedeutungsnahen Wörtern wie Ton und Klang insgesamt weniger gebräuchlich, dringt Laut im 18. Jh. als Ausdruck der Sprachwissenschaft im Sinne von ‘kleinstes akustisch-artikulatorisches Element’ schnell durch; vgl. die zahlreichen Bildungen und Zusammensetzungen wie Mitlaut (s. ↗mit), Selbstlaut (s. ↗selb), ferner ↗Ablaut (s. d.), Umlaut (18. Jh.), Lautgesetz, Lautlehre, Verschlußlaut (19. Jh.). Lautsprecher m. Übersetzung (20. Jh.) von engl. loudspeaker. Lautverschiebung f. lautgesetzliche Veränderung von Konsonanten (J. Grimm 1822). Wortlaut m. ‘Klang des Wortes’ (17. Jh.), bald danach ‘wörtlicher Inhalt, wörtliche Wiedergabe eines Textes’. vorlaut Adj. vom Jagdhund ‘zu früh Laut gebend’ (16. Jh.), dann von Menschen, besonders Kindern, ‘ungefragt redend, naseweis’ (18. Jh.). lauten Vb. ‘einen bestimmten Wortlaut, Inhalt haben’, ahd. (h)lūtēn ‘ertönen, erschallen’ (8. Jh.), mhd. lūten ‘einen Laut von sich geben, ertönen, heißen, bedeuten’. Im Nhd. treten die zahlreichen alten Verwendungen zurück; in der Bedeutung ‘erklingen’ (von Glocken) wird lauten nach 1800 durch intransitives läuten abgelöst (s. unten). Seitdem nur noch übertragen: das Urteil lautet auf drei Jahre Gefängnis, der Befund lautet ungünstig. verlauten Vb. ‘bekanntwerden, verkünden’ (15. Jh.). verlautbaren Vb. ‘bekanntmachen, bekanntwerden’, mhd. verlūtbæren; zu mhd. lūtbære ‘laut, öffentlich’. läuten Vb. ‘ertönen lassen, erklingen’ (von Glocken), ahd. (h)lūten (8. Jh.), (h)liuten (9. Jh.) ‘läuten, schallen, tönen’, mhd. liuten, Faktitivum (germ. *hlūdjan) zum Adj. laut. Der Gebrauch ist im Nhd. weitgehend auf das Läuten der Glocken (intransitiv und transitiv) eingeschränkt; landschaftlich auch vom Ertönen der Türklingel und des Telefons. Geläut(e) n. ‘Glockenklang, mehrere aufeinander abgestimmte Glocken’, mhd. geliute n.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dom Domglocke Frauenkirche Freiheitsglocke Glocke Kirche Kirchenglocke Kuh Kuhglocke Stille Turm begleiten bestehend erklingen ertönen gießen hören klingen laut mischen vernehmen voll

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Geläut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Rechten brachen ihre genehmigte Versammlung wegen des lauten Geläuts schließlich ab.
Die Zeit, 17.11.2006 (online)
Da stört einen das Geläute der Kühe, folglich muß es abgeschafft werden.
Süddeutsche Zeitung, 18.08.1995
Ich höre so gern das harmonische Geläute der aneinander klingenden Gläser.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 52
Unter dem Geläut aller Glocken machten sie sich auf den Weg in die Stadt.
Matthiessen, Wilhelm: Das Mondschiff. In: ders., Das Rote U, Bayreuth: Loewes 1980 [1949], S. 219
Da hörte ich plötzlich feierliches Geläute vom alten Backsteindomturm - Aha!
Winckler, Josef: Der tolle Bomberg, Rudolstadt: Greifenverl. [1956] [1922], S. 206
Zitationshilfe
„Geläut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Geläut>, abgerufen am 25.05.2019.

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