Gegenfüßler, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gegenfüßlers · Nominativ Plural: Gegenfüßler
Aussprache
WorttrennungGe-gen-füß-ler (computergeneriert)
Wortzerlegunggegen--füßler
eWDG, 1967

Bedeutung

Bewohner der entgegengesetzten Halbkugel, Antipode
Beispiel:
[das schwarzbleiche] liebliche Wesen […] das von den Gegenfüßlern zu uns gekommen war [Th. MannKönigl. Hoheit7,299]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ↗ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von ↗Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. ↗Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von ↗Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. ↗-wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für ↗Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und ↗über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn das griechische Wort Antipoden hat die schöne deutsche Entsprechung "Gegenfüßler".
Die Welt, 10.07.1999
In politischer Beziehung - ich bin sehr konservativ und werde es womöglich mit jedem Tag mehr - sind Friedrichs und ich Gegenfüßler.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8246
Die auf der Südhalbkugel lebenden Menschen müßten aber Antipoden, Gegenfüßler, sein, stünden sie doch in entgegengesetzter Richtung auf der Erde.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 250
Bei der Vorstellung des "Gegenfüßlers" Artaud durch Patrick Primavesi konnte sie nicht gehalten werden.
Der Tagesspiegel, 15.02.1999
Mail Art-Ausstellung der Fachgruppen Literatur, Musik, Darstellende Kunst, Bildende Kunst in der IG Medien, Galerie der Gegenfüßler, Schwanthalerstr.
Süddeutsche Zeitung, 22.02.1996
Zitationshilfe
„Gegenfüßler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gegenfüßler>, abgerufen am 17.06.2019.

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