Gefühl, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gefühl(e)s · Nominativ Plural: Gefühle
Aussprache
WorttrennungGe-fühl (computergeneriert)
Grundformfühlen
Wortbildung mit ›Gefühl‹ als Erstglied: ↗Gefühlsarmut · ↗Gefühlsaufwallung · ↗Gefühlsausbruch · ↗Gefühlsausdruck · ↗Gefühlsbewegung · ↗Gefühlsblindheit · ↗Gefühlsdinge · ↗Gefühlseindruck · ↗Gefühlsgehalt · ↗Gefühlskino · ↗Gefühlskitsch · ↗Gefühlskälte · ↗Gefühlsleben · ↗Gefühlsleere · ↗Gefühlsmensch · ↗Gefühlsreaktion · ↗Gefühlsregung · ↗Gefühlsrohheit · ↗Gefühlssache · ↗Gefühlsschwelgerei · ↗Gefühlssinn · ↗Gefühlsskala · ↗Gefühlsstau · ↗Gefühlsstrom · ↗Gefühlstiefe · ↗Gefühlstube · ↗Gefühlswallung · ↗Gefühlswelt · ↗Gefühlswert · ↗Gefühlsäußerung · ↗Gefühlsüberschwang · ↗gefühlerfüllt · ↗gefühllos · ↗gefühlsarm · ↗gefühlsbedingt · ↗gefühlsbetont · ↗gefühlsduselig · ↗gefühlsduslig · ↗gefühlserregend · ↗gefühlsgeladen · ↗gefühlshaft · ↗gefühlskalt · ↗gefühlslos · ↗gefühlsmäßig · ↗gefühlsselig · ↗gefühlsstark · ↗gefühlvoll
 ·  mit ›Gefühl‹ als Letztglied: ↗Abhängigkeitsgefühl · ↗Abstandsgefühl · ↗Angstgefühl · ↗Anstandsgefühl · ↗Ballgefühl · ↗Bauchgefühl · ↗Bedrohungsgefühl · ↗Begleitgefühl · ↗Billigkeitsgefühl · ↗Dankbarkeitsgefühl · ↗Dankgefühl · ↗Daseinsgefühl · ↗Distanzgefühl · ↗Druckgefühl · ↗Durstgefühl · ↗Ehrgefühl · ↗Einsamkeitsgefühl · ↗Ekelgefühl · ↗Feingefühl · ↗Fingerspitzengefühl · ↗Formgefühl · ↗Freiheitsgefühl · ↗Frühlingsgefühl · ↗Gemeinschaftsgefühl · ↗Gerechtigkeitsgefühl · ↗Gleichgewichtsgefühl · ↗Glücksgefühl · ↗Grundgefühl · ↗Hassgefühl · ↗Heimatgefühl · ↗Hitzegefühl · ↗Hochgefühl · ↗Hungergefühl · ↗Identitätsgefühl · ↗Inferioritätsgefühl · ↗Kraftgefühl · ↗Körpergefühl · ↗Lebensgefühl · ↗Liebesgefühl · ↗Lustgefühl · ↗Machtgefühl · ↗Minderwertigkeitsgefühl · ↗Mitgefühl · ↗Muttergefühl · ↗Nationalgefühl · ↗Naturgefühl · ↗Ohnmachtsgefühl · ↗Pflichtgefühl · ↗Rachegefühl · ↗Raumgefühl · ↗Schamgefühl · ↗Schuldgefühl · ↗Schwindelgefühl · ↗Schwächegefühl · ↗Selbstgefühl · ↗Sicherheitsgefühl · ↗Solidaritätsgefühl · ↗Sprachgefühl · ↗Stilgefühl · ↗Sympathiegefühl · ↗Taktgefühl1 · ↗Triumphgefühl · ↗Unlustgefühl · ↗Verantwortungsgefühl · ↗Vorgefühl · ↗Völlegefühl · ↗Wehgefühl · ↗Wir-Gefühl · ↗Wohlgefühl · ↗Wonnegefühl · ↗Zartgefühl · ↗Zeitgefühl · ↗Zugehörigkeitsgefühl · ↗Zusammengehörigkeitsgefühl · ↗Überlegenheitsgefühl
 ·  mit ›Gefühl‹ als Grundform: ↗gefühlig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
meist im Singular
Wahrnehmung durch die Sinnesorgane
a)
besonders durch den Tastsinn
Beispiele:
seit dem Unglück, der Verletzung hat er in seinen Füßen kein Gefühl für warm und kalt mehr
das Gefühl ist in seinen Händen abgestorben
das Gefühl für glatt und rau, fein und grob
ein Gefühl des Schmerzes, der Kälte, Wärme
ein prickelndes Gefühl in der Haut
er hatte ein unbehagliches Gefühl in der Magengegend, ein würgendes Gefühl in der Kehle
in dem warmen Pelzmantel überkam sie ein wohliges Gefühl
er hat das Gefühl für Raum und Zeit verloren
sie hatte beim Kauf immer die richtige Menge, die richtigen Maße im Gefühl
b)
undeutliche Wahrnehmung, Ahnung
Beispiele:
sie hatte das dumpfe, unbestimmte, ungute, unheimliche Gefühl, dass jmd. im Dunkel hinter ihr stand
ich werde das Gefühl nicht los, habe das Gefühl, dass heute noch etw. passiert
er hatte das Gefühl, dass seine Frau ihn betrog
ihn überkam, beschlich das Gefühl, dass dies nicht gut gehen könne
sein Gefühl täuschte ihn nur selten
2.
psychische Regung, Empfindung
Beispiele:
ein Gefühl der Freude, Liebe, Dankbarkeit, Beglückung, Erleichterung, Genugtuung
ein starkes, tiefes, gutes, beglückendes Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit überkam ihn
ein Gefühl der Unsicherheit, Angst kam, wallte in ihm auf, bemächtigte sich seiner
er empfand ein Gefühl der Leere, Verlassenheit, Einsamkeit
ihn quälte ein Gefühl von Schuld
die widersprechendsten Gefühle bewegten ihn, stürmten auf ihn ein
der Widerstreit der Gefühle
der Film weckte, entfachte wirre, bittere Gefühle in ihm
das Buch verletzt, beleidigt die religiösen, patriotischen Gefühle
gehoben er hegt für sie die zärtlichsten Gefühle (= er liebt sie)
sie erwiderte seine Gefühle
er konnte sich seines Gefühls nicht erwehren, ließ seinen Gefühlen freien Lauf
in einem Brief machte er seinen Gefühlen Luft
die Gefühle gingen mit ihm durch
er ließ sich von seinen Gefühlen hinreißen
sich seiner Gefühle schämen
seine Gefühle zügeln, ersticken
seine heimlichsten Gefühle zu verbergen suchen
er nahm die Mitteilung mit gemischten Gefühlen auf
spöttisch sie spielt mit viel Gefühl (= sentimental)
umgangssprachlich das ist das höchste der Gefühle! (= das ist das Äußerste!)
Warum soll's nicht auch Geschöpfe geben, die mehr Verstand haben als Gefühl? [FrischAndorra7]
ein Gefühl für etw. habenSinn, Verständnis für etw. haben
Beispiel:
sie hat ein ausgeprägtes Gefühl für Musik, Literatur, Kunst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fühlen · Fühler · Fühlung · Gefühl · fühllos · gefühllos
fühlen Vb. ‘mit dem Tastsinn wahrnehmen, empfinden’, ahd. fuolen ‘befühlen, betasten, empfinden’ (um 800), mhd. vüelen (mit Erweiterung auf seelisches Erleben) ‘wahrnehmen, empfinden’, asächs. gifōlian, mnd. vȫlen, vǖlen, mnl. nl. voelen, aengl. fēlan, engl. to feel. Herkunft unsicher. Verwandt sind vielleicht lat. pollex ‘Daumen, große Zehe’, pollēre ‘stark sein, vermögen’ und bulg. pálam (палам) ‘suche’, aruss. palьcь ‘Daumen’, russ. pálex (палец) ‘Finger, Zehe’, so daß ie. *pō̌l- ‘geschwollen, dick, groß’ angenommen werden kann. Als Ausgangsbedeutung für fühlen wäre dann ‘mit dem Daumen, Finger betasten’ anzusetzen. Erwogen wird andererseits Zusammenhang des Verbs mit lat. palma ‘Hand’, griech. palámē (παλάμη) ‘flache Hand’, ahd. folma ‘flache Hand’ (8. Jh.) und Anschluß an die Wurzel ie. *pelə-, *plā- ‘breit und flach’ (s. ↗Feld); doch stößt die Verknüpfung mit den dazugehörigen Wörtern auf erhebliche lautliche und semantische Bedenken. Anstelle von fühlen bevorzugt das Obd. in gesprochener Sprache empfinden (bair.-öst.) und spüren, merken (schwäb.-alem.). Fühler m. mit Sinnesorganen versehene paarige Antennen bei Insekten, Krebsen, Borstenwürmern, Schnecken (als Verdeutschung von lat. antemna, s. ↗Antenne), älter allgemein ‘wer mit den Fingern prüfend abtastet’ (17. Jh.). Fühlung f. ‘Berührung’ (16. Jh.), ‘Empfindung’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. vielfach in militärsprachlichen Wendungen wie Fühlung haben, (be)halten, in Fühlung bleiben, stehen, Fühlung nehmen ‘Verbindung, Berührung haben’ u. dgl. Gefühl n. ‘Empfindung, Tastsinn’, im 17. Jh. wohl nach Vorbildern wie Gehör, Geschmack, Gesicht entstanden, älteres gleichbed. Fühle f., mhd. vüele ablösend. fühllos Adj. ‘empfindungslos’ (17. Jh.), zu Fühle (s. oben) gebildet, dafür heute gefühllos Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Affekt · ↗Emotion · ↗Empfindung · Gefühl · ↗Gefühlsaufwallung · ↗Gefühlsbewegung · ↗Gefühlserregung · ↗Gefühlsregung · ↗Gefühlswallung · ↗Gemütsbewegung · ↗Gespür · ↗Regung · ↗Sentiment · ↗Stimmungslage · menschliche Regung
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ahnung · ↗Befürchtung · ↗Besorgnis · Gefühl · ↗Vorahnung · ↗Vorgefühl
Assoziationen
  • Menetekel · Vorboten kommenden Unheils · ↗Warnzeichen · Zeichen an der Wand · Zeichen drohenden Unheils · böses Omen · mahnendes Zeichen  ●  ↗Memento  geh.
  • Was wird daraus? · Wohin soll das führen?  ●  Quo vadis?  lat.
Synonymgruppe
Ahnung · ↗Bauchgefühl · ↗Eingebung · Gefühl · ↗Gespür · ↗Instinkt · ↗Intuition · ↗Vorahnung · innere Stimme  ●  (das) zweite Gesicht (haben)  ugs. · sechster Sinn  ugs. · siebter Sinn  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geborgenheit Gedanke Ohnmacht Sicherheit Unsicherheit Verstand Wechselbad Zusammengehörigkeit angenehm ausdrücken beschleichen echt entgegensehen erzeugen flau gehaben gemischt gut komisch mulmig religiös schön seltsam tief toll ungut verletzen vermitteln wecken zwiespältig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefühl‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gab ihm ein Gefühl von realem Raum, er fühlte sich geborgen.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 366
Zu seinem größten Entzücken erwidert sie seine Gefühle, vertröstet ihn aber auf morgen.
Fath, Rolf: Werke - F. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 757
Doch in Frankreich bleibt das Gefühl, von den Deutschen wieder an die Wand gedrückt worden zu sein.
Die Zeit, 07.05.1998, Nr. 20
Dadurch entwickelte sich früh das Gefühl für die naturwissenschaftliche Arbeitsweise.
Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 45
Aber es gibt trotzdem Gefühle, die nur durch diese beiden Begriffe schlecht genug ausgedrückt werden.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26339
Zitationshilfe
„Gefühl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gefühl>, abgerufen am 20.03.2019.

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