Gefüge, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gefüges · Nominativ Plural: Gefüge
Aussprache
WorttrennungGe-fü-ge
Grundformfügen
Wortbildung mit ›Gefüge‹ als Erstglied: ↗Gefügekunde  ·  mit ›Gefüge‹ als Letztglied: ↗Bedingungsgefüge · ↗Fluidalgefüge · ↗Gesamtgefüge · ↗Institutionengefüge · ↗Kristallgefüge · ↗Lautgefüge · ↗Lohngefüge · ↗Machtgefüge · ↗Ordnungsgefüge · ↗Sinngefüge · ↗Sozialgefüge · ↗Staatsgefüge · ↗Wirkungsgefüge · ↗Wirtschaftsgefüge
eWDG, 1967

Bedeutung

Aufbau, Struktur
Beispiele:
das architektonische Gefüge eines Bauwerkes
das innere, politische, soziale, wirtschaftliche Gefüge eines Landes, Staates
das Gefüge der modernen Gesellschaft
das Ganze bildet ein geordnetes, lockeres Gefüge
mein Einblick in das vielfältige Gefüge menschlicher Beziehungen begann sich zu erweitern [HildesheimerParadies23]
Technik kristalliner Aufbau metallischer Werkstoffe
Beispiel:
das Gefüge des Eisens, Kupfers untersuchen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anordnung · ↗Aufbau · ↗Beschaffenheit · ↗Form · ↗Geflecht · Gefüge · ↗Gerippe · ↗Gerüst · ↗Konsistenz · ↗Organisation · ↗Qualität · ↗Struktur · ↗Zustand
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Gefüge · ↗Gitter · ↗Matrix · ↗Mikrostruktur · ↗Struktur
Unterbegriffe
  • gespiegelte Matrix · gestürzte Matrix · transponierte Matrix
Synonymgruppe
Gefüge · ↗Rahmen · ↗Rand
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Gefüge · ↗Nabe · ↗Verbindung  ●  ↗Nexus  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Riß Zweckmäßigkeit architektonisch austariert bundesstaatlich durcheinanderbringen durcheinandergeraten dynamisch einpassen erschüttern fragil föderal gesellschaftlich gewachsen harmonisch herauslösen hierarchisch inner institutionell intakt komplex kompliziert kontrapunktisch labil mannschaftlich metrisch sozial spannungsreich starr urban

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gefüge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was läßt sich hinter den gebauten Formen erkennen, und was bewirken sie im gesellschaftlichen Gefüge?
Der Tagesspiegel, 05.02.1999
Wieder sorgt das Team durch sein soziales Gefüge eigenverantwortlich für das richtige Engagement.
Süddeutsche Zeitung, 18.03.1995
Das soziale Gefüge war weit davon entfernt, unbeweglich zu sein.
Tapié, Victor-Lucien: Das Zeitalter Ludwigs XIV. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 1929
Das Gefüge ist einfach, die Phrasen ruhen ausgewogen in sich.
DiChiera, David: Sacchini. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 42280
Die G. ist Funktion des geistlichen Amtes im hierarchischen Gefüge der Kirche.
Wendt, G.: Gesetzgebung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16087
Zitationshilfe
„Gefüge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gefüge>, abgerufen am 21.04.2019.

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