Gaul, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gaul(e)s · Nominativ Plural: Gäule
Aussprache
Wortbildung mit ›Gaul‹ als Letztglied: ↗Kriegsgaul · ↗Mietgaul
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend minderwertiges Pferd
Beispiele:
der Gaul will nicht ziehen
ein störrischer, abgetriebener, alter Gaul
veraltend, westmitteldeutsch Pferd
Beispiele:
die Gäule einspannen
ein stattlicher, stolzer, kräftiger Gaul
zu Schanden fast / Hat er den Gaul geritten [Hebbel6,193]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich das wirft einen Gaul, den stärksten Gaul um (= das ist zuviel zugemutet)
den Gaul am, beim Schwanze aufzäumen (= eine Sache von der verkehrten Seite in Angriff nehmen)
sprichwörtlich einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul (= eine geschenkte Sache muss man, auch wenn sie Mängel hat, nehmen, wie sie ist)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gaul m. ‘minderwertiges Pferd, Mähre’; früher wie noch heute im Nordd. und Md. auch ohne geringschätzigen Sinn. Das Wort kommt nur im Dt. und Nl. vor (schwed. mundartlich gula ‘altes Pferd’ beruht auf Entlehnung aus dem Mnd.). Die ursprüngliche Bedeutung ist schwer zu ermitteln. Mhd. gūl bedeutet ‘Pferd’, zugleich ‘Eber’ (mhd. urgūl ‘alter Eber’) und ‘männliches Tier’, auch ‘Ungeheuer’; vgl. mnd. gūl, gūle ‘Pferd, Gaul, Hengst’, mnl. gūle, guul ‘(schlechtes) Pferd’, nl. (veraltet) guil ‘altes, schlechtes Pferd’. Nimmt man als Ausgangsbedeutung ‘geschlechtsreifes männliches Tier’ an, so kann an die Wurzel ie. *g̑heu- (s. ↗gießen) angeknüpft und Gaul, ähnlich wie ↗Ochse (s. d.), als ‘Samengießer’ gedeutet werden. Der heute vorherrschende verächtliche Sinn läßt sich neben positivem Gebrauch schon im 14./15. Jh. nachweisen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einhufer · Gaul · ↗Ross  ●  ↗Pferd  Hauptform · ↗Rössel  regional · Rössli  schweiz. · (der) Zosse(n)  ugs. · ↗Hottehü  ugs., Kindersprache · Hottemax  ugs., Kindersprache
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Wallach · kastrierter Hengst
  • Stute · weibliches Pferd  ●  Tööt (nordniedersächsisch)  ugs.
  • Hengst · männliches Pferd
  • Vollblut · ↗Vollblüter
  • Reitpferd · reisiges Pferd
  • Füllen  ●  ↗Enter  norddeutsch · ↗Fohlen  Hauptform · Wutsch  ugs., pfälzisch, elsässisch
  • Pony
  • Rappe
  • Haflinger
  • Kampfross · ↗Schlachtross · ↗Streitross
  • Falbe (Pferdefarbe)
  • Armeepferd · Militärpferd
  • Gangpferd · ↗Zelter
  • Asiatisches Wildpferd · Mongolisches Wildpferd · Przewalski-Pferd
  • Brauner · braunes Pferd
  • schlechtes Pferd  Hauptform · Brauereigaul  derb, abwertend · Gaul  ugs., abwertend · ↗Klepper  derb, abwertend · ↗Kracke  ugs., abwertend · ↗Mähre  derb, abwertend · ↗Schabracke  ugs., abwertend · ↗Schindmähre  ugs., abwertend
  • Friese · Friesenpferd
  • Gipsy Horse · Irish Cob · Tinker · Traveller Horse · Vanner
Assoziationen
  • Gestüt  ●  Stuterei  veraltet
  • Pferdekoppel · Pferdeweide
  • Blendklappen · Blinkers · Scheuklappen · ↗Scheuleder  ●  ↗Augendeckel  veraltet · Augenklappen  veraltet · Schauleder  veraltet
  • Berittener · ↗Reiter · ↗Reitersmann
  • Pferdeangst · Pferdephobie  ●  Equinophobie  fachspr.
  • Pferdebahn · ↗Pferdeeisenbahn · Pferdestraßenbahn · Pferdetram  ●  Rösslitram  schweiz.
  • Fourragierung · ↗Furage · Futter und Streu (mil., Kavallerie) · ↗Pferdefutter  ●  ↗Fourage  franz.
  • Sachsenross · Westfalenpferd
Synonymgruppe
schlechtes Pferd  Hauptform · Brauereigaul  derb, abwertend · Gaul  ugs., abwertend · ↗Klepper  derb, abwertend · ↗Kracke  ugs., abwertend · ↗Mähre  derb, abwertend · ↗Schabracke  ugs., abwertend · ↗Schindmähre  ugs., abwertend
Oberbegriffe
  • Einhufer · Gaul · ↗Ross  ●  ↗Pferd  Hauptform · ↗Rössel  regional · Rössli  schweiz. · (der) Zosse(n)  ugs. · ↗Hottehü  ugs., Kindersprache · Hottemax  ugs., Kindersprache

Typische Verbindungen
computergeneriert

Deichsel Esel Huf Maul Pferd Rücken arm aufzäumen braun brav durchgegangen durchgehen edel galoppieren geschenkt gucken klapprig krank lahm müd reiten ruhig schauen schnauben störrisch tot traben treu wiehern wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gaul‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul - so schien die Devise.
Die Welt, 10.01.2003
Aber vielleicht sollte man auch einem geschenkten Gaul ins Maul schauen.
Süddeutsche Zeitung, 19.06.1997
Also kurz und gut Papa sind eben die Gäule durchgegangen und so weit hätte er sich nicht vergessen dürfen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 21.03.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Unter seinen unbewußten Hilfen drehte sich der Gaul wieder stadtwärts.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 948
Am Nachmittage oder Abend kam einer geritten auf ausgemergeltem Gaule.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 6231
Zitationshilfe
„Gaul“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gaul>, abgerufen am 19.10.2019.

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