Gaukelspiel, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungGau-kel-spiel
WortzerlegunggaukelnSpiel
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend Vorspiegelung, Vortäuschung
Beispiele:
ein sinnloses, trügerisches, grausames Gaukelspiel
alles, was er vorgab, war Trug und Gaukelspiel
sie halfen sich durch ein klägliches Gaukelspiel
sie forderten, in der Politik Schluss zu machen mit diesem Gaukelspiel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gaukeln · gokeln · kokeln · Gaukler · Gaukelei · Gaukelspiel
gaukeln Vb. ‘flattern, schwankend fliegen, auf spielerische Art täuschen, Zauberei treiben’, ahd. gougalōn (10. Jh.), mhd. gougeln, jünger goukeln ‘Zauberei, Taschenspielerkünste, Possen treiben’, mnd. gȫkelen, nl. goochelen gehören zu einem Substantiv, das in ahd. gougal (11. Jh.), mhd. gougel, goukel ‘Zauberei, Taschenspielerei, närrisches Treiben’ belegt ist. Nebenformen begegnen in omd. nordd. gokeln, kokeln Vb. ‘unvorsichtig mit Licht und Feuer spielen’. Die Herkunft ist unbekannt. Als wahrscheinlich verwandte Formen (teilsweise ablautend) können verglichen werden mnl. gūchelen, nl. guichelen ‘spotten’, guich ‘Grimasse’, ferner ahd. gougarōn (um 800), mhd. gougern ‘umherschweifen’, mhd. gogel Adj. ‘ausgelassen, lustig’, Subst. ‘ausgelassener Scherz, Possen’, gogen, gogelen ‘sich ausgelassen gebärden, hin und her gaukeln, flattern’, giege(l) ‘Narr, Betörter’ (öst. Gigerl ‘Kleidernarr’). Gaukler m. ‘Taschenspieler, Zauberkünstler, wer einem anderen etw. vormacht’, ahd. gougalāri (9. Jh.), mhd. gougelære, goukelære; vgl. auch aengl. gēog(e)lere, das allerdings von afrz. jogleor ‘Spaßmacher’ (s. ↗Jongleur) beeinflußt sein kann. Gaukelei f. ‘Taschenspielerei, Vorspiegelung, Vortäuschung’ (Anfang 16. Jh.), vgl. mnd. gōkelīe (1. Hälfte 14. Jh.). Gaukelspiel n. ‘Vorspiegelung, Vortäuschung’, mhd. gougel-, goukelspil.

Thesaurus

Synonymgruppe
Blendwerk · Gaukelspiel · fauler Zauber  ●  blauer Dunst  fig.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er mag aber durchaus nicht, und so setzen sie ein gräßliches Gaukelspiel in Szene.
Die Zeit, 02.12.1954, Nr. 48
Aber auch die weltliche Obrigkeit versuchte immer wieder, die Further zu bewegen, "das Gaukelspiel des sogenannten Drachenstechens" zu unterlassen.
Der Tagesspiegel, 17.07.1998
Er arrangiert, dieser gedrückte Kleinbürger, das Gaukelspiel, um den Dollaronkel einzuschüchtern.
Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 02.03.1927
Die Verfolgungen unserer Partei nahmen nach dem kurzen Gaukelspiel der »milden Praxis« wieder an Gehässigkeit und Heftigkeit zu.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 1445
Mit Sport habe das Gaukelspiel von Deutschen und Polen nichts zu tun gehabt, sagt Augenzeuge André Meyer, Chef des Europaverbands CEV.
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2004
Zitationshilfe
„Gaukelspiel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gaukelspiel>, abgerufen am 18.10.2019.

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