Gasse, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gasse · Nominativ Plural: Gassen
Aussprache
WorttrennungGas-se (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Gasse‹ als Erstglied: ↗Gassenhauer · ↗Gassenjunge · ↗Gassenlied · ↗Gassenschenke · ↗Gassenschänke · ↗Gässchen · ↗gassenseitig
 ·  mit ›Gasse‹ als Letztglied: ↗Altstadtgasse · ↗Bootsgasse · ↗Boxengasse · ↗Brandgasse · ↗Dorfgasse · ↗Ehrengasse · ↗Hafengasse · ↗Hauptgasse · ↗Holmengasse · ↗Kirchgasse · ↗Nebengasse · ↗Quergasse · ↗Rettungsgasse · ↗Sackgasse · ↗Schustergasse · ↗Seitengasse · ↗Stadtgasse · ↗Stufengasse · ↗Treppengasse · ↗Vorstadtgasse · ↗Zugangsgasse
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
von Häusern eingefasste, sehr schmale Straße
Beispiele:
eine enge, winklige, krumme, steile Gasse
die Gassen der Altstadt sind holprig und finster
sie wohnte in einer kleinen Gasse
auf der abgelegenen Gasse war kein Mensch zu sehen
österreichisch Straße
Beispiel:
Speisen und Getränke auch über die Gasse
schmaler Weg zwischen Zäunen, Mauern, Bergwänden
Beispiel:
Durch diese hohle Gasse muß er kommen [SchillerTellIV 3]
Durchgang durch ein von Menschen gebildetes Spalier
Beispiel:
der Trauerzug durchschritt die Gasse der Männer und Frauen
übertragen
Beispiele:
der Sturm reißt oft Gassen in den Waldbestand (= der Sturm knickt oft die Bäume, sodass ein freier Streifen entsteht)
umgangssprachlich das kann man auf allen Gassen (= überall) hören
sprichwörtlich er ist Hansdampf in allen Gassen (= kennt sich überall aus)
gehoben Der Freiheit eine Gasse! [BüchnerDantonII]
2.
umgangssprachlich die Bewohner von 1
Beispiel:
Fuhr sie durch die Stadt / Im Hemd, um den Hals ein Schild, das Haar geschoren. / Die Gasse johlte [BrechtGedichte94]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gasse · Gassenhauer
Gasse f. ‘von Häusern eingefaßte enge Straße, schmaler Durchgang’, ahd. gaʒʒa ‘Gasse’, auch ‘Quartier, Stadtviertel’ (10. Jh.), mhd. gaʒʒe, mnd. gāte, anord. schwed. gata, got. gatwō. Herkunft unbekannt. Aus den ingwäon. Sprachen sind Entsprechungen aus früher Zeit nicht überliefert (engl. gate ‘Tor, Weg, Zugang’ ist aus den nord. Sprachen entlehnt). Außergerm. Verwandte fehlen. Gasse steht ursprünglich für den ‘ungepflasterten Weg’ innerhalb des Dorfes oder der Stadt, dagegen bezeichnet ↗Straße (s. d.) zunächst den ‘gepflasterten Verkehrsweg zwischen Ortschaften bzw. innerhalb einer Ortschaft’. Gasse ist jetzt weitgehend durch Straße verdrängt, weil besonders das Nordd. damit den Begriff des Engen, Kleinen, Gedrückten verbindet; dem Südd. ist Gasse im Sinne von ‘Straße’ noch geläufig. Gassenhauer m. ‘abgeleiertes, volkstümlich- derbes Lied’, im 16. Jh. ‘auf der Gasse gesungenes Lied’ (noch ohne abschätzigen Nebensinn). Eigentl. (ebenfalls 16. Jh.) ‘auf der Straße umherziehender Mensch, Gassengänger, Pflastertreter’ (zu obd. hauen, Kraftausdruck für ‘gehen, laufen, treten’, vgl. umgangssprachlich ↗abhauen ‘weggehen’, s. d.), dann auch ‘von Nachtbummlern aufgeführter (gestampfter) Tanz mit seiner Melodie’ und ‘auf der Gasse gesungenes Lied’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Altstadtgasse · Gasse · ↗Gässchen · Gässlein · Sträßchen · ↗Weg  ●  ↗Twiete  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Durchgang · Gasse · ↗Lücke · ↗Spalier
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altstadt Fachwerkhaus Gasse Gewirr Hansdampf Hinterhof Kopfsteinpflaster Labyrinth Treppe bahnen bummeln dunkel eng freudlos gepflastert gewunden hohl kopfsteingepflastert krumm malerisch menschenleer mittelalterlich schlendern schmal staubig steil streifen verwinkelt winkelig winklig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gasse‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Große Worte dröhnen leicht, besonders in den engen Gassen kleiner Städte.
Süddeutsche Zeitung, 16.04.1997
Die Gassen führen in engen Bögen um die vielen Kirchen herum.
Der Tagesspiegel, 16.11.1996
In den Städten waren die Gebäude durch enge Gassen schachbrettartig gruppiert.
o. A.: Lexikon der Kunst - I. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 6561
So war es in der Schule, in den Gassen, bei den Spielen.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 67
So sah man die beiden auffallenden Gestalten häufig am Abend durch die Gassen wandeln.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 154
Zitationshilfe
„Gasse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gasse>, abgerufen am 20.10.2019.

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