Fuge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fuge · Nominativ Plural: Fugen
Aussprache
WorttrennungFu-ge
Wortbildung mit ›Fuge‹ als Erstglied: ↗Fugenbreite · ↗Fugendichtband · ↗Fugenzeichen · ↗fugendicht · ↗fugenlos
 ·  mit ›Fuge‹ als Letztglied: ↗Bewegungsfuge · ↗Brückenfuge · ↗Dehnfuge · ↗Dehnungsfuge · ↗Dielenfuge · ↗Dilatationsfuge · ↗Kompositionsfuge · ↗Lagerfuge · ↗Mauerfuge · ↗Schambeinfuge · ↗Scheinfuge · ↗Schweißfuge · ↗Setzfuge · ↗Setzungsfuge · ↗Stoßfuge · ↗Trennfuge · ↗Trennungsfuge
eWDG, 1967

Bedeutung

Stelle, an der Teile, Bauteile aneinandergefügt werden
a)
Beispiele:
die Fuge (zwischen zwei Brettern) muss gut schließen
bei einer Mauer dürfen die Steine nicht Fuge auf Fuge liegen
der Zwischenraum zwischen den Teilen, Lücke, Ritze
Beispiele:
eine schmale, breite Fuge
die Fugen zwischen den Steinen, Großplatten, in der Mauer, Diele
den Mörtel, Schmutz aus den Fugen kratzen
bei der Bude, dem Fenster pfeift der Wind durch alle Fugen
die Fugen (ab)dichten, verschmieren
die Verbindung zwischen den Teilen
Beispiele:
der Sturm nahm zu, und das Segelschiff begann in den Fugen zu ächzen
wenn man sich in den Sessel setzt, kracht er in allen Fugen
das Regal, der Fensterrahmen geht, ist aus den Fugen (= geht, ist entzwei)
Handwerk die verzahnte Fuge
übertragen etw. gerät, geht aus den Fugenetw. gerät in Unordnung
Beispiele:
die Welt ist aus den Fugen geraten
umgangssprachlich diese Gesellschaftsordnung, dieses Wirtschaftssystem kracht in allen Fugen (= ist von inneren Widersprüchen zerrissen)
In dieser Zeit, da Millionen Obdachlose im Land umherirrten und das Leben in jeder Beziehung aus den Fugen ging [L. Frank2,190]
b)
Sprachwissenschaft Stelle, an der die Teile eines zusammengesetzten Wortes zusammenstoßen
Beispiel:
beim Wort ›Betriebsferien‹ steht ein s in der Fuge
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fuge1 f. polyphones Tonstück, dessen Themen von mehreren Stimmen nacheinander kontrapunktierend durchgeführt werden; seit Anfang des 17. Jhs. (zuerst im Plur. Fugen) in dt. Texten. Lat. fuga ‘Flucht’ erhält im 14. Jh. die Bedeutung ‘Wechselgesang, Kanon’, eigentlich ‘der sich gegenseitig fliehende Gesang’ (daher vielleicht als vereinzelte frühe Entlehnung nhd. Fugen Plur. für den kunstreichen Gesang der Vögel, 15. Jh.). Im 16. Jh. wird die dem Lat. entsprechende Bezeichnung ital. fuga in die Instrumentalmusik übernommen und gelangt im 17. Jh. in den Formen Fuga und Fuge ins Dt.

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Falz · Fuge · ↗Sprung · ↗Verbindungsstelle
Synonymgruppe
Falz · Fuge · ↗Nut · ↗Spalt · ↗Spalte · Stemmloch · Zapfenloch
Synonymgruppe
Fuge · ↗Ritze · ↗Schlitz · ↗Spalt · ↗Spalte
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adagio Betonplatte Choral Fuge Gehwegplatte Harmonielehre Introduktion Kanon Klavier Kontrapunkt Kunst Mörtel Passacaglia Phantasie Präludium Ritze Sonate Toccata Tokkata Variation abdichten bachsch dreistimmig geraten krachen quellen raten undicht vierstimmig ächzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fuge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist schön, denn es sorgt für frischen Wind, bläst Staub aus mancherlei Fuge.
Die Welt, 19.01.2005
Aber das aus allen Fugen geratene Land marschiert entschieden in diese Richtung.
Der Tagesspiegel, 13.10.1999
Für mich rührt ein Teil unserer aus den Fugen geratenen Politik auch daher, daß bestimmte menschliche Formen nicht eingehalten werden.
Der Spiegel, 07.03.1988
Als »Form« im schulmäßigen Sinne ließ er nur die Fuge gelten.
Fumet, Stanislas u. Fumet, Raphael: Fumet. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 29325
Das Licht drang durch alle Fugen, sogar unter die Lider.
Seghers, Anna: Die Wellblech-Hütte. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 145
Zitationshilfe
„Fuge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fuge#1>, abgerufen am 22.10.2019.

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Fuge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fuge · Nominativ Plural: Fugen
Aussprache
WorttrennungFu-ge
Wortbildung mit ›Fuge‹ als Erstglied: ↗Fugenform · ↗Fugensatz · ↗Fugenthema · ↗fugenartig
 ·  mit ›Fuge‹ als Letztglied: ↗Chorfuge · ↗Doppelfuge · ↗Gegenfuge · ↗Orgelfuge · ↗Quadrupelfuge · ↗Spiegelfuge · ↗Tripelfuge
eWDG, 1967

Bedeutung

Musik vielstimmiger Satz, in dem das gleiche Thema in den verschiedenen Stimmen nacheinander auftritt und kunstvoll gegeneinander gesetzt wird
Beispiele:
eine freie, strenge, dreistimmige Fuge
eine Fuge komponieren
auf der Orgel eine Fuge von Bach spielen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fuge1 f. polyphones Tonstück, dessen Themen von mehreren Stimmen nacheinander kontrapunktierend durchgeführt werden; seit Anfang des 17. Jhs. (zuerst im Plur. Fugen) in dt. Texten. Lat. fuga ‘Flucht’ erhält im 14. Jh. die Bedeutung ‘Wechselgesang, Kanon’, eigentlich ‘der sich gegenseitig fliehende Gesang’ (daher vielleicht als vereinzelte frühe Entlehnung nhd. Fugen Plur. für den kunstreichen Gesang der Vögel, 15. Jh.). Im 16. Jh. wird die dem Lat. entsprechende Bezeichnung ital. fuga in die Instrumentalmusik übernommen und gelangt im 17. Jh. in den Formen Fuga und Fuge ins Dt.

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · Fuge2 · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge
fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit ↗Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). Fuge2 f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Falz · Fuge · ↗Sprung · ↗Verbindungsstelle
Synonymgruppe
Falz · Fuge · ↗Nut · ↗Spalt · ↗Spalte · Stemmloch · Zapfenloch
Synonymgruppe
Fuge · ↗Ritze · ↗Schlitz · ↗Spalt · ↗Spalte
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adagio Betonplatte Choral Fuge Gehwegplatte Harmonielehre Introduktion Kanon Klavier Kontrapunkt Kunst Mörtel Passacaglia Phantasie Präludium Ritze Sonate Toccata Tokkata Variation abdichten bachsch dreistimmig geraten krachen quellen raten undicht vierstimmig ächzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fuge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist schön, denn es sorgt für frischen Wind, bläst Staub aus mancherlei Fuge.
Die Welt, 19.01.2005
Aber das aus allen Fugen geratene Land marschiert entschieden in diese Richtung.
Der Tagesspiegel, 13.10.1999
Für mich rührt ein Teil unserer aus den Fugen geratenen Politik auch daher, daß bestimmte menschliche Formen nicht eingehalten werden.
Der Spiegel, 07.03.1988
Als »Form« im schulmäßigen Sinne ließ er nur die Fuge gelten.
Fumet, Stanislas u. Fumet, Raphael: Fumet. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 29325
Das Licht drang durch alle Fugen, sogar unter die Lider.
Seghers, Anna: Die Wellblech-Hütte. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 145
Zitationshilfe
„Fuge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fuge#2>, abgerufen am 22.10.2019.

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