Fron, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fron · Nominativ Plural: Fronen
Nebenform Frone · Substantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungFron · Fro-ne
Wortbildung mit ›Fron‹ als Erstglied: ↗Fronarbeit · ↗Fronarbeiter · ↗Fronbauer · ↗Frondienst · ↗Fronfeste · ↗Fronherr · ↗Fronherrschaft · ↗Fronvogt
eWDG, 1967

Bedeutung

historisch Dienst, den der Leibeigene dem Feudalherrn leisten musste, Frondienst
Beispiele:
eine harte, schwere Fron
jmdm. eine Fron auferlegen
in der Fron sein
die Bauern sollten aller Fron ledig sein [WeismantelRiemenschneider111]
übertragen aufgezwungene schwere Mühsal, Plage
Beispiele:
diese Arbeit ist eine Fron
sich gegen die unerträgliche Fron empören
sich von der Fron befreien
ihn zu erretten aus der vergeblichen Fron [St. ZweigBalzac407]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fron · ↗Fronarbeit · ↗Frondienst  ●  Robath  bair. · ↗Robot  österr. · Robote  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bürde · ↗Crux · Fron · ↗Joch · ↗Knechtschaft · ↗Kreuz · ↗Krux · ↗Last · ↗Plage  ●  ↗Mühlstein (an jemandes Hals)  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Freude Hunger Lohn Training befreien empfinden hart körperlich täglich unterziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fron‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und nicht immer sind solche Zeiten die reine Fron gewesen.
Der Spiegel, 21.12.1981
In vielen dieser Betriebe blieben diese jüngsten Arbeiter genauso freiwillig, wie sie gekommen waren, schon nach vierzehn Tagen der harten Fron fern.
Die Zeit, 27.07.1962, Nr. 30
So groß war die Nachfrage, daß sie die infame Lösung nach sich zog, afrikanische Neger zur ewigen Fron in die Neue Welt zu bringen.
Morgan, Edmund S.: Die Amerikanische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 15927
Plötzlich brach da, nach überlanger Fron, ein Mensch zusammen, konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, nein, wollte nicht mehr!
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 241
Am Ende wird er von der Fron verschluckt oder im Zerrbild konserviert.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 148
Zitationshilfe
„Fron“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fron#1>, abgerufen am 18.09.2019.

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Fron, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fron(e)s/Fronen · Nominativ Plural: Frone(n)
eWDG, 1967

Bedeutung

historisch Gerichtsdiener, Büttel
Beispiel:
Zwar war die junge Person […] vom Frone tot in ihrem Kerker aufgefunden worden [StormAquis submersus3,272]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fron · ↗Fronarbeit · ↗Frondienst  ●  Robath  bair. · ↗Robot  österr. · Robote  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bürde · ↗Crux · Fron · ↗Joch · ↗Knechtschaft · ↗Kreuz · ↗Krux · ↗Last · ↗Plage  ●  ↗Mühlstein (an jemandes Hals)  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Freude Hunger Lohn Training befreien empfinden hart körperlich täglich unterziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fron‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und nicht immer sind solche Zeiten die reine Fron gewesen.
Der Spiegel, 21.12.1981
In vielen dieser Betriebe blieben diese jüngsten Arbeiter genauso freiwillig, wie sie gekommen waren, schon nach vierzehn Tagen der harten Fron fern.
Die Zeit, 27.07.1962, Nr. 30
So groß war die Nachfrage, daß sie die infame Lösung nach sich zog, afrikanische Neger zur ewigen Fron in die Neue Welt zu bringen.
Morgan, Edmund S.: Die Amerikanische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 15927
Plötzlich brach da, nach überlanger Fron, ein Mensch zusammen, konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, nein, wollte nicht mehr!
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 241
Am Ende wird er von der Fron verschluckt oder im Zerrbild konserviert.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 148
Zitationshilfe
„Fron“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fron#2>, abgerufen am 18.09.2019.

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