Frevel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Frevels · Nominativ Plural: Frevel
Aussprache
WorttrennungFre-vel
Wortbildung mit ›Frevel‹ als Erstglied: ↗Frevelmut · ↗Freveltat · ↗Frevelwort · ↗frevelhaft
 ·  mit ›Frevel‹ als Letztglied: ↗Bahnfrevel · ↗Fischereifrevel · ↗Holzfrevel · ↗Jagdfrevel · ↗Wildfrevel
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben verwerfliche, gewaltsame Handlung gegen Ordnung und Gesetz, Missetat
Beispiele:
ein kühner, blutiger, unerhörter Frevel
ein Frevel am, gegen das Gesetz
einen Frevel begehen, verüben, rächen
[die Dienstmagd] entdeckte entsetzt den Frevel [Hesse1,640]
Forstwesen Vergehen, besonders gegen die Forstgesetze und Jagdgesetze
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Frevel · frevel · frevelhaft · freventlich · freveln · Frevler · Frevelmut · Freveltat
Frevel m. ‘bewußter schwerer Verstoß gegen eine Ordnung, ein Gesetz, Missetat’, ahd. frevil m. (9. Jh.; auch fravalī f., um 800) ‘Verwegenheit, Frechheit, Übeltat, Vergehen’, mhd. vrevel(e) m. f. ‘Mut, Unerschrockenheit, Verwegenheit’, rechtssprachlich ‘Vergehen, Geldstrafe’, frühnhd. frefel m. ‘geringeres Vergehen, Geldstrafe’, aengl. fræfel (n.?) ‘Arglist, Schlauheit’ (germ. *frafla-, *fraflja-). Zur Konkurrenz mit Strafe, Buße, Pön im 15. bis 18. Jh. vgl. U. Schröter in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 224 ff. Das in der Gegenwart nur noch in gehobener Sprache, sonst im Forstwesen im Sinne von ‘Vergehen’ (vgl. Baum-, Holz-, Jagdfrevel) gebräuchliche Substantiv ist eine Abstraktbildung zu dem im 19. Jh. untergehenden frevel Adj. ‘verwerflich, schändlich’, ahd. fravali ‘böse, vermessen, stolz’ (9. Jh.), mhd. vrevel(e) ‘mutig, kühn, mutwillig, frech’, asächs. fraƀol ‘trotzig, hartnäckig’, aengl. fræfel ‘schlau, frech’. Man sieht darin eine alte Präfixbildung (germ. *fra-, s. ↗ver-) zu einem Nomen (germ. *afla-), das in aengl. afol, anord. afl ‘Kraft’ erhalten ist und dem abgeleiteten Verb ahd. avalōn ‘auf dem Acker arbeiten, mit Eifer etw. bewerkstelligen’ (8. Jh.) zugrunde liegt. Die germ. Wörter werden entweder zusammen mit griech. Komposita wie oligēpelḗs (ὀλιγηπελής) ‘schwach, ohne Kraft’ und griech. illyr. gall. Eigennamen auf einen Ansatz ie. *apelo- ‘Kraft’ (Pokorny 1, 52) oder mit aind. ápaḥ ‘Werk, Handlung’, lat. opus ‘Arbeit, Werk’, ops ‘Reichtum’ auf die Wurzel ie. *op- ‘arbeiten, zustande bringen; Ertrag der Arbeit, Reichtum’ (wozu auch ↗üben, s. d.) zurückgeführt. frevelhaft Adj. ‘verwerflich, schändlich’, mhd. vrevelhaft ‘vermessen, verwegen, kühn’, allmählich das Adjektiv frevel (s. oben) verdrängend. freventlich Adj. spätmhd. vrevenlich, durch Dissimilation aus mhd. vrevellich ‘mutig, verwegen, rücksichtslos’ (vgl. ahd. fravallīhho Adv. ‘unverschämt, widerspenstig, hartnäckig’, 9. Jh.) entstanden und im 16. Jh. mit Gleitlaut -t- zwischen n und l versehen. freveln Vb. ‘Frevel begehen’, ahd. fravalen ‘entweihen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vrevelen ‘vermessen sein, gewalttätig, gegen das Gesetz handeln’. Frevler m. ‘wer gegen eine Ordnung, ein Gesetz bewußt verstößt, Missetäter’, mhd. vreveler. Frevelmut m. ‘frevelhafte Gesinnung’ (16. Jh.). Freveltat f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Frevel · ↗Kirchenschändung · ↗Sakrileg  ●  Religionsvergehen  fachspr.
Synonymgruppe
Bruch (göttlicher Gesetze) · Frevel · ↗Missetat · ↗Tabubruch · ↗Verfehlung · frevlerisches Handeln · ↗Übertretung  ●  ↗Sünde  religiös
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Todsünde · nichtlässliche Sünde · schwere Sünde
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erde Gott Natur Schöpfung Strafe Sünde Umwelt Verletzung Zerstörung architektonisch arg begangen begehen beklagen bestrafen brandmarken empfinden erscheinen gleichkommen grenzen menschlich religiös rächen schlimm solch sühnen unerhört unverzeihlich verdammen ökologisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Frevel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber allein dies ist wohl schon zu viel des Frevels.
Die Zeit, 23.12.2013, Nr. 51
Wer aber, Bürger, ist für solchen frechen Frevel zu verdammen?
konkret, 1981
An rationelle Nutzung und abstrakte Technik zu denken, wäre Frevel gewesen.
Jahn, Janheinz: Afrika. Der neue Partner in der Weltgeschichte. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 36442
Schon Traditionen von hohem Alter zeigen ihn in gewaltigem Zorn nicht nur wegen ritueller, sondern auch wegen ethischer Frevel.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. III, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 139
Zu guter Letzt fügte er diesem Frevel noch einen weiteren Frevel hinzu.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 73
Zitationshilfe
„Frevel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Frevel>, abgerufen am 17.10.2019.

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