Fresse, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fresse · Nominativ Plural: Fressen
Aussprache
WorttrennungFres-se
Wortbildung mit ›Fresse‹ als Letztglied: ↗Großfresse · ↗Hackfresse
eWDG, 1967

Bedeutung

vulgär
1.
Mund
Beispiele:
halt die Fresse! (= sei still!)
die große Fresse haben (= sich wichtig machen, angeben)
meine Fresse! (= nein, so etwas!) (= Ausruf des Erstaunens)
immer die Fresse aufreißen (= immer großtun) und dicken Mann markieren! [GrassBlechtrommel144]
2.
Gesicht
Beispiele:
jmdm. die Fresse einschlagen, einhauen
jmdn., jmdm. in die Fresse schlagen, hauen
jmdm. eins in die Fresse geben, knallen
er hat von mir ein paar in die Fresse gekriegt
bildlich
Beispiele:
jmdm. die Fresse polieren (= jmdm. ins Gesicht schlagen)
ich lackier dir die Fresse [FalladaJeder stirbt25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fressen · Fresser · Fresserei · Fraß · gefräßig · Gefräßigkeit · Fresse · Fressalien · Freßsack
fressen Vb. ‘Nahrung aufnehmen’ (von Tieren), ‘unmäßig, unkultiviert essen’, ahd. freʒʒan (8. Jh.), mhd. v(e)reʒʒen, asächs. fretan, mnd. mnl. vrēten, nl. vreten, aengl. fretan, engl. to fret (‘zerfressen’), got. fraïtan, mit dem unter ↗ver- (s. d.) behandelten Präfix gebildet zu dem unter ↗essen (s. d.) angeführten Verb (vgl. got. fra-itan), eigentlich ‘vollständig aufessen’. In diesem Sinne gilt das Verb in alter Zeit für jede Form der Nahrungsaufnahme; die oben genannte Bedeutung wird erst im Nhd. üblich. Fresser m. ‘Schlemmer, Prasser’, mhd. vreʒʒer; vgl. gleichbed. ahd. freʒʒo (Hs. 12. Jh.), filufreʒʒo (10. Jh.) und frāʒ (10. Jh.), filufrāʒ (11. Jh.), s. ↗Vielfraß. Fresserei f. ‘üppige, schwelgerische Mahlzeit’ (15. Jh.). Fraß m. ‘unschmackhaftes Essen’ (dafür auch die Substantivierung das Fressen), mhd. vrāʒ ‘das Essen, Fressen’, auch ‘Fresser, Gefräßigkeit’. gefräßig Adj. ‘mit übermäßiger Eßlust behaftet, gierig’ (16. Jh.); vgl. ahd. frāʒīg (Hs. 12. Jh.), mhd. vræʒec. Gefräßigkeit f. (16. Jh.), vgl. mhd. vræʒecheit. Fresse f. derb für ‘Mund’ (16. Jh.), nach der elementaren Funktion dieses Gesichtsteils. Fressalien Plur. ‘Lebensmittel, Eßwaren’ (19. Jh.), latinisierende Bildung der Studentensprache (vgl. Viktualien). Freßsack m. ‘Vielfraß’ (19. Jh.), zuvor ‘Speise-, Futtersack’ (Adelung).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Angesicht · ↗Antlitz  ●  ↗Gesicht  Hauptform · ↗Fratze  derb · Fresse  derb · ↗Visage  derb
Unterbegriffe
Assoziationen
Anatomie
Synonymgruppe
Mund  Hauptform · Fresse  derb · Fressluke  ugs. · Gosch  ugs. · ↗Gosche  ugs. · ↗Gusche  ugs. · ↗Klappe  ugs. · ↗Maul  derb · Omme  derb · Pappen  ugs., österr., bair. · ↗Schnauze  derb · ↗Schnute  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • reden · ↗sagen · ↗sprechen
  • halt dich (gefälligst) geschlossen!  ●  du redest zu viel  variabel · Maul halten!  derb · Schnauze!  derb · einfach mal die Fresse halten ...  derb · halt (mal) die Luft an!  ugs., veraltend · halt dein Maul!  derb · halt den Mund!  ugs., variabel · halt den Rand!  ugs. · halt den Schnabel!  derb · halt die Backen!  derb · halt die Fresse!  vulg. · halt die Klappe!  derb, variabel · ich würde (an deiner Stelle) jetzt lieber (mal) den Mund halten  ugs., variabel · sag (jetzt) nichts  ugs., variabel · sag einfach nichts  ugs. · sei still!  ugs., variabel · wer hat dich denn gefragt?  ugs., variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Faust Fresse Gefressenwerden Moral Saufen Schlafen Schlag aufmachen aufreißen bekommen einschlagen fliegen gefallen halten hauen hausen kriegen polieren schlagen spucken wischen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fresse‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein paar Jahre sind okay, dann kann man unsere Fresse nicht mehr sehen.
Die Welt, 25.04.2005
Wenn ich so rumlaufe, kriege ich wenigstens nicht ständig auf die Fresse.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 279
Aber die anderen, die noch in den Ämtern sind, haben die große Fresse.
Bild, 21.11.1997
Niemand hat ein Problem, einem anderen auf die Fresse zu hauen.
Der Spiegel, 03.11.1997
Niemand hat eine so große Fresse wie die preußische Presse.
Tucholsky, Kurt: Preußische Presse. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 6471
Zitationshilfe
„Fresse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fresse>, abgerufen am 25.06.2019.

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