Freistaat, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungFrei-staat
WortzerlegungfreiStaat1
Wortbildung mit ›Freistaat‹ als Erstglied: ↗freistaatlich
eWDG, 1967

Bedeutung

deutsche Bezeichnung für »Republik«, die sich nur noch in wenigen Verbindungen gehalten hat
Beispiel:
der Freistaat Bayern, Sachsen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie ↗freien, ↗Freitag, ↗Freund, ↗Friede, ↗Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. ↗Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. ↗Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Freistaat · ↗Republik
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Raurachische Republik · Raurakische Republik
  • Löwenrepublik · Republik Venedig
  • Burenfreistaat · Burenrepublik · südafrikanische Republik
  • Pontische Republik · Republik Pontos
  • Demokratische Republik Taiwan · Republik Formosa
  • Neapolitanische Republik · Parthenopäische Republik
  • Lombardische Republik · Transpadanische Republik
  • Volksdemokratie · ↗Volksrepublik
Synonymgruppe
Bayern · Bayernland · Freistaat Bayern  ●  Freistaat  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Bayern-Ingolstadt · Oberbayern-Ingolstadt
  • Bayern-München · Oberbayern-München
Assoziationen
  • Christlich Soziale Union  ●  ↗CSU  Abkürzung · ↗Konservative  ugs. · ↗Schwarze  ugs.
  • Inn-Salzach-Bauweise · Inn-Salzach-Stil
  • Alpen
  • Befreiungskriege · Freiheitskriege
  • Bayerischer Rupertiwinkel · Rupertiwinkel
  • Dirndl · ↗Dirndlkleid · ↗Frauentracht · ↗Trachtenkleid
  • Niederbayerisches Bäderdreieck · Rottaler Bäderdreieck
  • Deutsche Alpenstraße · Queralpenstraße
  • Hallertau · Holledau · Hollerdau
  • Bayern-Straubing · Bayern-Straubing-Holland · Niederbayern-Straubing · Niederbayern-Straubing-Holland · Straubing-Holland
  • Bayerische Patriotenpartei · Bayerische Patriotische Partei
  • Ludwig-Donau-Main-Kanal · Ludwigskanal  ●  Alter Kanal  regional
  • Bayerisches Landesmuseum für Geschichte · Museum der Bayerischen Geschichte · Museum für bayerische Geschichte
  • Bayerisches Chemiedreieck · Südostbayerisches Chemiedreieck
  • Bayrische Fehde · Landshuter Erbfolgekrieg · bayrisch-pfälzischer Erbfolgekrieg
  • Preßburger Schied · Preßburger Schiedsspruch · Preßburger Spruch
  • Abgeordnetenaffäre · Beschäftigungsaffäre · Familienaffäre · Gehaltsaffäre · Verwandtenaffäre
  • Franken · Frankenland

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bund Eigentümer Fördermittel Gesellschafter Kommune Kulturstiftung Landeshauptstadt Landeszentralbank Landkreis Partnerstadt Privatisierungserlös Sparkasse Sparkassenverband Stadt Verfassung Verfassungsgerichtshof Vertretung Zuschuß assoziiert beisteuern beklagt bereitstellen beteiligen bezuschussen finanzieren fördern irisch verklagen weiß-blau weißblau

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Freistaat‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bis dahin wird der Freistaat mindestens 335 Millionen Euro verbaut haben.
Der Tagesspiegel, 12.09.2003
Da nimmt die Stadt dem Freistaat Kosten von 150 Millionen Euro pro Jahr ab.
Süddeutsche Zeitung, 28.12.2002
Im Freistaate soll für deutsche Handwerker leichter Arbeit zu finden sein.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 404
Im benachbarten Freistaat Sachsen ist die Wissenschaft des Spatens noch nicht so lange und so weit ausgebaut.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 158
Mit 60 Millionen Mark Mehrkosten pro Jahr rechnet allein der Freistaat Bayern.
o. A. [cw]: Ballungsraumzulage. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1990]
Zitationshilfe
„Freistaat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Freistaat>, abgerufen am 15.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Freispruch
Freisprechung
freisprechen
Freisprecheinrichtung
Freisprechanlage
freistaatlich
Freistatt
Freistätte
freistehen
freistehend