Filz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Filzes · Nominativ Plural: Filze
Aussprache
Wortbildung mit ›Filz‹ als Erstglied: ↗Filzdecke · ↗Filzdeckel · ↗Filzhut · ↗Filzkappe · ↗Filzlatsch · ↗Filzlatschen · ↗Filzlaus · ↗Filzmatte · ↗Filzokratie · ↗Filzpantoffel · ↗Filzpariser · ↗Filzpatschen · ↗Filzschuh · ↗Filzsohle · ↗Filzstiefel · ↗Filzstift · ↗Filzunterlage · ↗filzartig
 ·  mit ›Filz‹ als Letztglied: ↗Bierfilz · ↗Haarfilz  ·  mit ›Filz‹ als Grundform: ↗filzen2
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
1.
wirrer Faserstoff, der aus nicht gesponnenen Haaren, Tierhaaren oder Wolle durch Walken oder Zusammenpressen hergestellt wird
Beispiele:
dicker, warmer Filz
ein Hut, eine Mütze aus Filz
eine Unterlage aus Filz
der Filz saugt das Wasser auf
das Fenster mit Filz abdichten
einen Filz (= Stück aus Filz) unterlegen
Der Boden ... ist mit besonders festen Filzen ausgelegt [Urania1960]
2.
Dinge, die dem Filz äußerlich ähnlich sind
a)
filziger Überzug auf der Oberfläche von Blättern, Pflanzen, Steinen
Beispiele:
die Blätter sind mit, von einem weißen Filz bedeckt
Der Grund war mit dem grüngrauen Filze bedeckt, den ich oft auf Steinen angetroffen hatte [Stifter2,385]
b)
umgangssprachlich wirre, dichte Masse
Beispiele:
Sein Haupthaar ist durch Schweiß und Harz zu einem unlöslichen Filz verworren gewesen [RoseggerWaldschulmeister1,76]
Jetzt erst beim Mähen merkte man, was das [Getreide] für ein Fitz und Filz geworden war [PolenzBüttnerbauer1,131]
3.
umgangssprachlich Filzhut
Beispiele:
ein weicher, breitkrempiger, schwarzer, alter Filz
seinen Filz in der Hand halten, aufsetzen
Er hatte ... einen schon zertragenen braunen Filz auf dem Kopf [ZahnDie da kommen152]
II.
salopp, abwertend geiziger Mensch
Beispiele:
ein raffgieriger, schäbiger Filz
einen Filz schröpfen
Und hat der alte Filz in seiner Grube / die größre Menge seines Guts versteckt [G. Hauptm.Winterballade4]
bäurischer, ungeschliffener Mensch
Beispiel:
Einem groben Filz im Stehen schöne Reden zu halten, das war Gerber nicht gewöhnt [LöscherAlles Getrennte99]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Filz · filzig · filzen · verfilzen
Filz m. ‘aus Fasern, Haaren gepreßter Stoff’, ahd. filz ‘Umwurf, Lumpen, grobes Tuch’ (um 800), mhd. vilz, asächs. filt, mnd. vilt, mnl. vilt(e), velt, nl. vilt, aengl. engl. felt. Germ. *filta bezeichnet eine ‘fest geschlagene, gestampfte Wollmasse’ (vgl. ahd. falzan ‘festschlagen’, 8. Jh.) und geht daher vielleicht auf ie. *peld-, einen mit -d- (germ. -t-) gebildeten Präsensstamm zur Wurzel ie. *pel- ‘stoßend oder schlagend in Bewegung setzen, treiben’ zurück, wozu auch lat. pellere ‘stoßend, schlagend treiben’. Oder ist besser ein Zusammenhang mit lat. pilus ‘Haar’ bzw. den s-Stämmen griech. pī́los (πῖλος) ‘Filz’, lat. pilleus ‘Filzmütze’ und Anschluß an ie. *pilo- bzw. *pils- ‘Haar’ anzunehmen? Filz ‘geiziger, grober Mensch’ (15. Jh.) ist ursprünglich der in Filz, Loden gekleidete, übermäßig sparsame Bauer (vgl. mhd. vilzgebūr(e) ‘grober Bauer’). filzig Adj. ‘filzähnlich, verfilzt’, vilzeht (15. Jh.); dann auch ‘geizig’ (16. Jh.). filzen Vb. ‘zu Filz werden, verarbeiten’, mhd. vilzen ‘zu, von Filz machen’. Dagegen entstammt filzen ‘durchsuchen (nach verbotenen Sachen)’ der Gaunersprache, ist zu rotw. Filtzer ‘Kamm’ gebildet und bedeutet eigentlich ‘durchkämmen’ (19. Jh.). verfilzen Vb. ‘zu Filz werden’, heute üblicher als das Simplex, mhd. vervilzen.

Thesaurus

Politik, Ökonomie
Synonymgruppe
Filz · ↗Günstlingswirtschaft · ↗Klüngelei(en) · ↗Kumpanei · ↗Kungelei · ↗Mauschelei(en) · Sumpf der Korruption · ↗Vetternwirtschaft  ●  ↗Vetterleswirtschaft  schwäbisch · ↗Vetterliwirtschaft  schweiz. · Freunderlwirtschaft  ugs., österr. · ↗Gekungel  ugs. · ↗Klüngel  ugs., kölsch · ↗Nepotismus  fachspr. · Speziwirtschaft  ugs. · Spezlwirtschaft  ugs., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Klüngel · ↗Netzwerk  ●  ↗Clique  franz. · ↗Koterie  franz. · ↗Seilschaft  fig.
  • (eine) eingeschworene Gemeinschaft (bilden) · (sich) unverbrüchliche Treue geschworen haben · fest zusammenhalten · zusammenhalten wie Pech und Schwefel
  • Bande · ↗Clique · ↗Combo · ↗Freundeskreis  ●  ↗Blase  abwertend
  • Frühstückskartell · geheime Absprache(n)
  • Postengeschacher · Pöstchenschieberei
  • alte Seilschaft(en) · gute Beziehungen · nützliche Beziehungen  ●  Connections  ugs. · Vitamin B  ugs. · meine Leute  ugs.
  • (etwas für sich) herausholen · ↗(etwas für sich) herausschlagen · (sich) bereichern (an) · (sich) die eigenen Taschen füllen · in die eigene Tasche wirtschaften  ●  ↗(sich) (ordentlich) bedienen  ugs. · (sich) die Taschen vollstopfen  ugs.
  • Cliquenwirtschaft · ↗Klientelismus · ↗Patronage · ↗Protektion
  • (miteinander) verflochten · (miteinander) verschränkt · (miteinander) verwoben · ↗(untereinander) versippt · verfilzt
  • (etwas) auskungeln · Vetternwirtschaft betreiben · heimliche Absprachen treffen · ↗klüngeln · ↗kungeln · unlautere Geschäfte machen  ●  ausdealen  ugs.
  • Abgeordnetenaffäre · Beschäftigungsaffäre · Familienaffäre · Gehaltsaffäre · Verwandtenaffäre
  • Komplizenschaft · ↗Kumpanei
  • (eine) Win-win-Situation (sein) · ↗klüngeln · man hilft sich gegenseitig zu beiderseitigem Vorteil  ●  manus manum lavat  lat. · eine Hand wäscht die andere  ugs., fig. · unter einer Decke stecken  ugs., fig.
  • (alles vorher) abgesprochen · (im Vorhinein) abgestimmt · abgekartet · ausgekungelt · heimlich vereinbart · insgeheim verabredet
  • verschworene Gemeinschaft  ●  ↗Clique  ugs. · ↗Mafia  derb, abwertend, fig., variabel
  • undurchsichtiges Tauschgeschäft  ●  eine Hand wäscht die andere  sprichwörtlich, fig. · ↗Deal  ugs. · ↗Kuhhandel  ugs. · ↗Kungelei  ugs., regional · ↗Mauschelei  ugs.
  • Bevorteilung · ↗Protektion  ●  ↗Begünstigung  Hauptform · ↗Begönnerung  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Billardtisch Fett Gummi Jeton Klüngel Korruption Kumpanei Kungelei Leder Loden Mauschelei Mißwirtschaft Moos Nepotismus Parteibuchwirtschaft Pate Plüsch Schlamperei Seilschaft Selbstbedienung Sozialbehörde Stroh Sumpf Vetternwirtschaft Wolle parteipolitisch rot rot-schwarz undurchdringlich Ämterpatronage

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Filz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er nahm fingerdicken Filz, eine fast 5 Meter lange Bahn.
Bild, 10.09.2004
Jetzt stecken andauernd die Hände klamm im nassen Filz, im Winter kein Vergnügen.
Der Tagesspiegel, 06.09.2002
Wie ein grauer Filz legen sie sich über die Oberfläche des Blattes.
Die Welt, 11.08.1999
Als ihn der massige Zigeuner aus seinen Armen entließ, klopfte er verlegen lächelnd den Filz zurecht.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 10
Wer trug denn einen breitkrempigen Filz, noch dazu bei der Affenhitze und in einem geschlossenen Raum?
Bieler, Manfred: Der Bär, Hamburg: Hoffmann und Campe 1983, S. 408
Zitationshilfe
„Filz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Filz>, abgerufen am 21.05.2019.

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