Feme, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Feme · Nominativ Plural: Femen
Aussprache
WorttrennungFe-me
Wortbildung mit ›Feme‹ als Erstglied: ↗Femegericht · ↗Fememord · ↗Fememörder · ↗Femgericht
 ·  mit ›Feme‹ als Grundform: ↗verfemen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
historisch königliches Sondergericht des Mittelalters, das sich mit todeswürdigen Straftaten befasste
Beispiel:
daß wie bei einem Prozeß der westfälischen Feme ... die Öffentlichkeit nicht einmal von der Erhebung der Anklage etwas wissen darf [TucholskyDeutschland157]
2.
geheimes, illegales Gericht, das besonders politische Gegner durch Fememord beseitigt
Beispiel:
die politischen Gegner wurden von der Feme bedroht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Feme · verfemen
Feme f. ‘mittelalterliches (ursprünglich westfälisches) Freigericht, bei dem von Freien unter Königsbann Recht gesprochen wird; unautorisierte gerichtliche Selbsthilfe’. Die Etymologie ist ungeklärt. Bezeugt sind mnd. vēme ‘Ächtung, Gericht, Landfriedensgericht, Freigericht’, mhd. veme ‘Verurteilung, Strafe, heimliches Freigericht’, mnl. vēme, veem, nl. veem. Versuchte Anschlüsse an ↗Fehde, ↗Feind (s. d.) oder lat. poena ‘Sühne, Strafe, Qual’ (s. ↗Pein) sind unbefriedigend. Das im Nhd. untergegangene Wort wird in nd. Lautgestalt Feme in der Literatur des 18. Jhs. (Möser, Goethe u. a.) erneuert. verfemen Vb. ‘außerhalb des Gerichtsschutzes stellen, verurteilen, ächten’, mhd. vervemen, verfeimen, mnd. vorvēmen, afries. forfema.

Thesaurus

Geschichte, Jura
Synonymgruppe
Feme · Veme
Assoziationen
  • Altes Reich · ↗Altreich · Deutsches Reich · ↗Deutschland · Erstes Reich · Heiliges Römisches Reich · Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation · römisch-deutsches Reich  ●  HRR  Abkürzung · Sacrum Imperium Romanum  lat. · Sacrum Romanum Imperium  lat.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Feme musste auf Roter Erde stattfinden, also auf freien, offenen Plätzen.
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2002
Die Terminologie seiner und ihrer Briefe ist eine anmutige Mischung von mittelalterlicher Feme und modernem Konfektionsgeschäft.
Tucholsky, Kurt: Prozeß Harden. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 28765
Aus Angst vor Bestrafung, vor "Feme", trauen sich viele nicht, an ihrem Wohnort zu bleiben und ziehen weg.
Der Tagesspiegel, 31.01.2001
Der von der nationalistischen Feme gedungene Mörder (ein naturalistisches, durchaus nicht stilisiertes Kabinettstück des gern übersehenen Hans Sternberg) erscheint wirklich.
Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 04.03.1927
Aber ich befürchte, daß die Feme unseren Martersteig kaltmacht, eine Woche nach der Veröffentlichung.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 253
Zitationshilfe
„Feme“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Feme>, abgerufen am 17.10.2019.

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