Fehde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fehde · Nominativ Plural: Fehden
Aussprache
WorttrennungFeh-de
Wortbildung mit ›Fehde‹ als Erstglied: ↗Fehdebrief · ↗Fehdehandschuh  ·  mit ›Fehde‹ als Letztglied: ↗Blutfehde · ↗Stammesfehde · ↗Urfehde
 ·  mit ›Fehde‹ als Grundform: ↗befehden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
historisch rechtlich zugelassene Form der bewaffneten Selbsthilfe zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen einzelner Städte oder Feudalherren im Mittelalter
Beispiele:
erbitterte, hartnäckige Fehden
jmdm. Fehde ansagen
gegen jmdn. Fehde führen
2.
gehoben Streit
Beispiele:
eine literarische, politische, persönliche Fehde
eine Fehde ausfechten, beenden
wiewohl eigentlich einer kaum ohne den andern auskommen konnte, lebten sie in ununterbrochener Fehde [Feuchtw.Teufel214]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fehde · Fehdebrief · Fehdehandschuh · Urfehde · befehden
Fehde f. ‘Zwist, (kriegerische) Auseinandersetzung, Feindseligkeit’, ahd. gifēhida ‘Feindseligkeit’ (9./10. Jh.), mhd. vēhede, vēde ‘Feindseligkeit, Haß, Streit’, mnd. mnl. vēde, aengl. fǣhþ ‘Feindschaft, Gewalt, Rache’ sind Abstraktbildungen zu einem Adjektiv, das in ahd. gifēh ‘feindlich, geächtet’ (10. Jh.), mhd. gevēch ‘feindlich, feindselig’, mnl. ghevee, aengl. fāh ‘feindlich’, (ge)fāh ‘geächtet’ erhalten ist. Verwandt sind ferner mhd. fēhe ‘Feindseligkeit, Haß, Streit’, ahd. fēhen (11. Jh.), mhd. vēhen ‘beneiden, feindlich behandeln’, asächs. āfēhian ‘verurteilen’, engl. foe ‘Feind’. Sie führen mit aind. píśunaḥ ‘verleumderisch, böse’, lit. peĩkti ‘tadeln, schmähen’, peĩkštis ‘zanken, hadern, streiten’, pìktas ‘böse, zänkisch, zornig’, lat. piget ‘es ist verdrießlich’ auf die Wurzelvarianten ie. *peig-, *peik̑-, *peik- ‘feindselig gesinnt’ (s. auch ↗feige). Aus germanischem Rechtsbrauch stammend, ist die Fehde als Mittel der Selbsthilfe (auch als Rache für Totschlag) zwischen Sippen bzw. Familien rechtlich zulässig. Im Mittelalter wird der Ausdruck (vgl. besonders mnd. vēde) auch auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Fürsten, Adel und Städten zur Austragung von Rechtsstreitigkeiten bezogen. Nach überhandnehmendem Mißbrauch werden Fehden im Ewigen Landfrieden (1495) endgültig verboten. Das zum Archaismus gewordene Wort wird im 18. Jh. neu belebt und hat die oben genannte abgeschwächte, allgemeinere Bedeutung. Fehdebrief m. ‘schriftliche Ankündigung einer Fehde an die gegnerische Partei’, spätmhd. vēhedebrief. Fehdehandschuh m. ‘als Zeichen der Herausforderung hingeworfener Handschuh’. Die symbolische Geste ist bereits in der Ritterzeit üblich, das Kompositum jedoch wohl erst im 18. Jh. nach dem Vorbild von frz. jeter le gant ‘den Handschuh (hin)werfen’ gebildet. Urfehde f. ‘feierlich geleistetes Friedensversprechen, erklärter Verzicht auf Rache’. Mhd. urvēde ist wie gleichbed. mhd. urvēhe Abstraktbildung zu einem Adjektiv (mit negierendem ur-, aus *uz ‘aus’) spätmhd. urvēch, frühnhd. urfech ‘frei von Feindseligkeit’, eigentlich ‘der, dessen Feindseligkeit aus ist’. befehden Vb. ‘bekämpfen, anfeinden’ (15. Jh.), vgl. spätmhd. vēheden.

Thesaurus

Synonymgruppe
Auseinandersetzung · ↗Konflikt · ↗Kontroverse · ↗Streit  ●  Fehde  veraltend
Unterbegriffe
  • Feldzug · Kampfhandlungen · ↗Waffengang · bewaffnete Auseinandersetzung · bewaffneter Konflikt · die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln · kriegerische Auseinandersetzung · kriegsähnliche Zustände · militärisch ausgetragener Konflikt · militärische Auseinandersetzung  ●  ↗Krieg  Hauptform · ↗Orlog  veraltet · militärische Option  verhüllend
  • Kalter Krieg · ↗Ost-West-Konflikt · bipolare Welt
  • China-Taiwan-Konflikt · Taiwan-Konflikt
  • Petersilienkonflikt · Petersilienkrieg
  • Auseinandersetzung · ↗Clinch · ↗Geplänkel · ↗Gerangel · ↗Hakelei · ↗Rangelei · ↗Scharmützel · ↗Streiterei · ↗Streitigkeit · ↗Unfrieden · ↗Zank · ↗Zerwürfnis · ↗Zwist · ↗Zwistigkeit  ●  ↗Streit  Hauptform · Differenzen  geh. · ↗Hader  geh. · ↗Hickhack  ugs. · ↗Klinsch  ugs., regional · ↗Knatsch  ugs. · ↗Krach  ugs. · Querelen  geh. · ↗Stunk  ugs. · ↗Wickel  ugs., österr. · ↗Zankerei  ugs. · ↗Zoff  ugs.
  • Gerangel · ↗Gezanke · ↗Gezerre (um) · ↗Gezänk · Hakeleien · Reibereien · ↗Streiterei · Streitigkeiten  ●  ↗Kleinkrieg  ugs.
  • Konflikte · Probleme · ↗Schererei(en) · ↗Streit · ↗Stress · ↗Unmut · ↗Ärger · Ärgerlichkeiten  ●  (der) Haussegen hängt schief  ugs., fig. · (die) Kacke ist am dampfen  derb, fig. · Huddel  ugs., saarländisch · ↗Krach  ugs. · Misshelligkeiten  geh. · ↗Theater  ugs. · ↗Trouble  ugs., engl. · Verdrießlichkeiten  geh., selten
  • Konflikt · ↗Problem · ↗Streitfall · ↗Streitfrage · strittige Angelegenheit · ↗Ärger
  • Venezuela-Krise · Zweiter Venezuelakonflikt
  • Sokal-Affäre · Sokal-Debatte · Sokal-Kontroverse
  • Magdeburger Bilderstreit · Magdeburger Gebetsstreit · Sintenischer Bilderstreit
  • Bosnische Annexionskrise · Bosnische Krise
  • Luxemburger Krise · Luxemburgkrise
  • Heereskonflikt · preußischer Budgetkonflikt · preußischer Verfassungskonflikt
  • Bierboykott · Bierfehde · Bierkrawall · Bierkrieg · Bierstreik · Bierstreit
  • Sudetenkrise · sudetendeutsche Krise
  • Kongo-Krise · Kongowirren
  • Savoyer Handel · Savoyerhandel
  • Karolinenfrage · Karolinenstreit
  • Zypernfrage · Zypernkonflikt
  • Büsinger Krieg · Büsinger-Handel · Büsinger-Händel
  • Selbstdemontage · ↗Selbstzerfleischung · ↗Selbstzerstörung · erbitterte interne Auseinandersetzungen  ●  ↗Kannibalismus  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blutrache Clan Großfamilie Intrige Sippe andauernd ansagen anzetteln ausfechten ausgetragen austragen beilegen bitter blutig endlos entbrennen erbittert heftig innerparteilich jahrelang jahrhundertealt literarisch parteipolitisch publizistisch schwelen schwelend unablässig uralt verstricken während

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fehde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und sofort kam einem ihre juristische Fehde gegen den "Stern" in den Sinn.
Die Welt, 12.07.2004
Freilich geht es hier nicht bloß um eine amerikanische Fehde.
Süddeutsche Zeitung, 09.02.1998
Diese »Fehden« innerhalb des Reiches dienten dazu, Recht zu finden.
Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7110
Beide lagen vor einem halben Jahrhundert miteinander in bitterer Fehde.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 624
Wie später werden auch damals schon die einzelnen Gemeinden fortwährend in Fehde miteinander gelegen haben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 9592
Zitationshilfe
„Fehde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fehde>, abgerufen am 14.10.2019.

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