Fürsorge, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fürsorge · Nominativ Plural: Fürsorgen
Aussprache
WorttrennungFür-sor-ge
Wortzerlegungfür-Sorge
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Sorge um jmdn., jmdn. umsorgende Hilfe, Pflege
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
jmds. freundschaftliche, wohlwollende, vorausschauende, zarte Fürsorge
die väterliche, menschliche, öffentliche, kirchliche, gesundheitliche, wirtschaftliche, soziale, sittliche Fürsorge für jmdn.
die Fürsorge der Eltern für ihre Kinder
die Fürsorge des Menschen für die Tiere des Waldes
die besondere Fürsorge des Staates gilt den Alten und Kranken
die Liebe und Fürsorge der Kollegen umgab sie
gehobenjmdm. seine Fürsorge angedeihen lassen
jmdn., etw. der Fürsorge einer Person anvertrauen, empfehlen
das verwaiste Kind wurde der Fürsorge einer Tante übergeben
umgangssprachlich Fürsorge (= Fürsorgeunterstützung) bekommen
veraltet Vorsorge
Beispiel:
[mein Vater schickte mich] auf zwei Semester nach Greifswald, wo er allerdings Fürsorge traf, daß ich nicht wieder aktiv wurde [SchleichVergangenheit161]
2.
historisch öffentliche Einrichtung zur Hilfe, Betreuung wirtschaftlich, gesundheitlich, sittlich in Not oder Gefahr befindlicher Personen
Beispiele:
Alte, Kranke, schwererziehbare Jugendliche werden von der Fürsorge betreut
das elternlose Kind wurde der Fürsorge übergeben
jmdm. Unterhalt aus den Mitteln der staatlichen Fürsorge gewähren
der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen
die Mutter geht mit dem Säugling zur Fürsorge
in allen Kreisen gibt es Fürsorgen für Tuberkulosekranke
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sorge · sorgen · besorgen · besorgt · Besorgnis · entsorgen1 · entsorgen2 · versorgen · Vorsorge · Fürsorge · Fürsorgerin · sorglich · sorgsam · sorgfältig · Sorgfalt · sorgenfrei · sorgenvoll
Sorge f. ‘Befürchtung, Unruhe, Kummer, Bemühung um Abhilfe, Fürsorge’, ahd. sorga (8. Jh.), sworga (9. Jh.), mhd. sorge ‘Besorgnis, Kummer, Furcht, Gefahr’, asächs. sorga, mnd. sorge, mnl. sorghe, surghe, nl. zorg, afries. sorge, aengl. sorh, sorg, engl. sorrow, anord. schwed. sorg, got. saúrga (germ. *surgō). Herkunft ungewiß. Falls w in ahd. sworga (Tatian, Otfrid, germ. *swurgō) und sworgēn (s. unten) als ursprünglich anzusehen ist (mit nachfolgendem Ausfall vor o), ist eine Verbindung mit aind. sū́rkṣati ‘kümmert sich um’ möglich und ie. *su̯ergh- ‘sorgen, sich worum kümmern’ ansetzbar. Ist dieses w hingegen sekundär, kann auch air. serg ‘Krankheit’, lit. sir̃gti ‘krank sein’, russ.-kslaw. sragъ ‘furchtbar drohend’, russ. (älter) soróga (сорога) ‘mürrischer, schwer zugänglicher Mensch’ verglichen werden, so daß von ie. *sergh- ‘sorgen, sich worum kümmern, krank sein’ ausgegangen werden kann. Nimmt man an, daß su̯- und s- im Anlaut wechseln, so lassen sich alle Formen vereinigen unter einem gemeinsamen Bedeutungskern ‘körperliche oder seelische Gedrücktheit, mürrisches Wesen, auch infolge von Krankheit’. Mayrhofer 3, 495 möchte dagegen die germ. Formen und das aind. Verb mit lit. sérgėti ‘behüten, bewahren’ verbinden unter einem Ansatz ie. *serəgh-, *sṝgh-, was freilich voraussetzen würde, daß germ. w sekundär ist. Zugrunde läge dann die Wurzel ie. *ser- bzw. *ser(ə)- ‘sorgend Obacht geben, schützen, bewahren’, vgl. awest. har- ‘achthaben, wachen über, behüten’, lat. servāre ‘bewahren, unversehrt erhalten’. Im Germ. entwickelt Sorge die Bedeutungen ‘Furcht vor Bedrohung’ und ‘Bemühung um Beseitigung der Bedrohungen’. sorgen Vb. ‘sich in Befürchtungen quälen, sich kümmern um’, ahd. sorgēn (8. Jh.), sworgēn (9. Jh.), mhd. mnd. sorgen, asächs. sorgon, mnl. sorghen, surghen, nl. zorgen, aengl. sorgian, engl. to sorrow, anord. syrgja, schwed. sörja, got. saúrgan. besorgen Vb. ‘sich um etw. oder jmdn. kümmern, betreuen, beschaffen’, ahd. bisorgēn, -sworgēn (9. Jh.), mhd. besorgen ‘befürchten, sorgen für, versorgen mit, beschützen vor etw.’; besorgt Part.adj. ‘ängstlich, vorsorglich’, mhd. besorget. Besorgnis f. ‘Befürchtung’, spätmhd. besorgnis ‘Sorge, Befürchtung, Fürsorge’. Abgeleitet vom Substantiv Sorge entsorgen1 Vb. ‘von Sorgen befreien’, mhd. entsorgen; als Gegenbildung zu be-, versorgen entsorgen2 Vb. ‘Abfall, Müll beseitigen’ (2. Hälfte 20. Jh.). versorgen Vb. ‘jmdn. betreuen, etw. beschaffen’, mhd. versorgen ‘aufhören zu sorgen, sicherstellen, besorgen’, bis ins 17. Jh. auch ‘zuviel sorgen’; vgl. ahd. forasorgēn ‘ein Amt ausüben, Verwaltertätigkeit leisten’ (9. Jh.), Übersetzung von lat. prōcūrāre ‘für etw. Sorge tragen’. Vorsorge f. ‘auf Zukünftiges gerichtete Bemühung’ (16. Jh.). Fürsorge f. ‘das Sichkümmern um jmdn. oder etw., Unterstützung, Beistand’ (auch in staatlich organisierter Form), mhd. vürsorge ‘sich auf die Zukunft erstreckende Besorgnis’. Fürsorgerin f. ‘wer (berufsmäßig) Fürsorge leistet’ (Anfang 19. Jh.); vgl. älteres Fürsorger m. ‘wer für eine Sache (auch für deren Vorhandensein) Sorge trägt’ (16. Jh.). sorglich Adj. ‘Sorge tragend, Beistand leistend, sich kümmernd, achtsam’, ahd. sorglīh, sworglīh (9. Jh.), mhd. sorc-, sorgelich ‘Sorge erregend, gefährlich, bedenklich, bekümmert, ängstlich’. sorgsam Adj. ‘achtsam, vorsichtig, genau, fleißig’, ahd. sorgsam ‘wachsam, argwöhnisch’ (9. Jh.), mhd. sorc-, sorgesam ‘Sorge erregend, empfindend, tragend’. sorgfältig Adj. ‘achtsam, vorsichtig, genau’, mhd. sorc-, sorgeveltic ‘sorgend, besorgt, bekümmert, Besorgnis erregend, gefährlich’; Sorgfalt f. ‘Achtsamkeit, Vorsichtigkeit, Genauigkeit, Verantwortungsbewußtheit’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Adjektiv. sorgenfrei Adj. ‘ohne Sorgen, frei von Kummer, unbeschwert’ (17. Jh.), vgl. mhd. der sorgen vrī. sorgenvoll Adj. ‘bedrückt von Sorgen, Befürchtungen, Kummer’ (17. Jh.); vgl. ahd. sorgfol (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufsicht · Fürsorge · ↗Fürsorglichkeit · ↗Geborgenheit · Geborgensein · ↗Gewahrsam · ↗Obhut · ↗Schutz · ↗Sorge · ↗Verantwortung · ↗Verfügungsgewalt  ●  Schutz und Schirm (formelhaft)  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Armenpflege · ↗Diakonie · Fürsorge · ↗Sozialfürsorge · ↗Wohlfahrt
Synonymgruppe
Sozialarbeit · Sozialhelfer  ●  Fürsorge  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dienstherr Gesundheitspflege Kriegsbeschädigte Leibesübung Mitleid Obhut Schwache Selbstbestimmung Vorsorge Zuneigung Zuwendung Zärtlichkeit allumfassend angedeihen besonder elterlich familiär gesundheitlich liebend liebevoll mangelnd mütterlich paternalistisch patriarchalisch rührend sozial staatlich väterlich ärztlich übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fürsorge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch das süße Baby hatte die beste Fürsorge, die man sich wünschen kann.
Bild, 27.02.1998
Es ist dies ein Akt der Fürsorge für das faktisch herrenlose Vermögen.
o. A. [pra]: Nachlaßpfleger. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1996]
Erst wo sie gestört ist, setzt die Arbeit der Fürsorge ein.
Die Zeit, 27.05.1954, Nr. 21
Die Fürsorge für die Arbeiterschaft lag ihm besonders am Herzen.
o. A.: Siebenundsiebzigster Tag. Freitag, 8. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1147
Man kann manchen Rat geben und meine Fürsorge kann man annehmen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 24.01.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„Fürsorge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fürsorge>, abgerufen am 13.11.2019.

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