Fühler, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fühlers · Nominativ Plural: Fühler
Aussprache
WorttrennungFüh-ler
Wortzerlegungfühlen-er
Wortbildung mit ›Fühler‹ als Erstglied: ↗Fühlerlehre  ·  mit ›Fühler‹ als Letztglied: ↗Kieferfühler
eWDG, 1967

Bedeutung

bei Insekten, Krebsen, Schnecken (paarig vorkommender) Träger von Sinnesorganen, der am Kopf sitzt und vorgestreckt wird, Antenne
Beispiele:
die Schnecke tastet mit den Fühlern die Umgebung ab
die Fühler ausstrecken, einziehen
[sie wagten nicht] der winzigen Hoffnung in ihrem Herzen, die sich wie ein vorsichtiger Fühler in die Stille hineintastete, nachzugeben [ApitzNackt553]
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlich seine, die Fühler ausstrecken (= sich vorsichtig erkundigen, vorsichtig Verbindung mit jmdm. aufnehmen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fühlen · Fühler · Fühlung · Gefühl · fühllos · gefühllos
fühlen Vb. ‘mit dem Tastsinn wahrnehmen, empfinden’, ahd. fuolen ‘befühlen, betasten, empfinden’ (um 800), mhd. vüelen (mit Erweiterung auf seelisches Erleben) ‘wahrnehmen, empfinden’, asächs. gifōlian, mnd. vȫlen, vǖlen, mnl. nl. voelen, aengl. fēlan, engl. to feel. Herkunft unsicher. Verwandt sind vielleicht lat. pollex ‘Daumen, große Zehe’, pollēre ‘stark sein, vermögen’ und bulg. pálam (палам) ‘suche’, aruss. palьcь ‘Daumen’, russ. pálex (палец) ‘Finger, Zehe’, so daß ie. *pō̌l- ‘geschwollen, dick, groß’ angenommen werden kann. Als Ausgangsbedeutung für fühlen wäre dann ‘mit dem Daumen, Finger betasten’ anzusetzen. Erwogen wird andererseits Zusammenhang des Verbs mit lat. palma ‘Hand’, griech. palámē (παλάμη) ‘flache Hand’, ahd. folma ‘flache Hand’ (8. Jh.) und Anschluß an die Wurzel ie. *pelə-, *plā- ‘breit und flach’ (s. ↗Feld); doch stößt die Verknüpfung mit den dazugehörigen Wörtern auf erhebliche lautliche und semantische Bedenken. Anstelle von fühlen bevorzugt das Obd. in gesprochener Sprache empfinden (bair.-öst.) und spüren, merken (schwäb.-alem.). Fühler m. mit Sinnesorganen versehene paarige Antennen bei Insekten, Krebsen, Borstenwürmern, Schnecken (als Verdeutschung von lat. antemna, s. ↗Antenne), älter allgemein ‘wer mit den Fingern prüfend abtastet’ (17. Jh.). Fühlung f. ‘Berührung’ (16. Jh.), ‘Empfindung’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. vielfach in militärsprachlichen Wendungen wie Fühlung haben, (be)halten, in Fühlung bleiben, stehen, Fühlung nehmen ‘Verbindung, Berührung haben’ u. dgl. Gefühl n. ‘Empfindung, Tastsinn’, im 17. Jh. wohl nach Vorbildern wie Gehör, Geschmack, Gesicht entstanden, älteres gleichbed. Fühle f., mhd. vüele ablösend. fühllos Adj. ‘empfindungslos’ (17. Jh.), zu Fühle (s. oben) gebildet, dafür heute gefühllos Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fühler · ↗Taster
Technik
Synonymgruppe
Detektor · Fühler · ↗Messfühler · Messwertgeber · ↗Sensor
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Drehgeber · Drehimpulsgeber · Inkrementaldrehgeber · Inkrementalgeber
  • Accelerometer · B-Messer · ↗Beschleunigungsmesser · ↗Beschleunigungssensor · G-Sensor
  • Bolometer · bolometrischer Detektor
  • Annäherungsschalter · Näherungsinitiator · Näherungsschalter
  • Magnetfeldstärkenmessgerät · ↗Magnetometer  ●  Gaußmeter  ugs. · Teslameter  ugs.
  • Fotokathode · Photokathode
  • Gyrometer · Gyrosensor
  • PMD-Sensor · Photomischdetektor
  • Hall-Sensor · Hall-Sonde · Hallgeber
  • Szintillationsdetektor · ↗Szintillationszähler
  • Abstandssensor · Distanzsensor · Wegaufnehmer
  • Kraftaufnehmer · ↗Kraftsensor
Biologie
Synonymgruppe
Fangarm · Fühler · ↗Tentakel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antenne Bein Flügel Insekt Käfer Männchen Nationalspieler Richtung Schnecke Sensor Talent Tentakel ausgestreckt ausstecken ausstrecken behaart diplomatisch einziehen elektronisch empfindlich fein lang messen missen riechen strecken tasten tastend vorsichtig zart

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fühler‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das waren zwar nicht so viele, wie letztlich behauptet wurde, aber man müsste ohne jegliche Fühler sein, wenn einen das nicht berühren würde.
Die Zeit, 28.11.2011, Nr. 48
Ende des Jahres will sie die Fühler bereits international ausstrecken.
Die Welt, 05.07.2000
Man erkennt sie sofort an den großen, buschig behaarten Fühlern.
Wiehle, Hermann u. Harm, Marie: Lebenskunde für Mittelschulen - Klasse 3, Halle u. a.: Schroedel u. a. 1941, S. 67
Er bog affektiert seinen schmalen Leib und spielte eitel mit den zarten Fühlern.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 3
Er sah überhaupt nichts mehr, er mußte sich seinen Händen anvertrauen, den Fingern als Fühlern, den Handflächen.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 143
Zitationshilfe
„Fühler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fühler>, abgerufen am 20.10.2019.

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