Fährnis, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fährnis · Nominativ Plural: Fährnisse
Aussprache
WorttrennungFähr-nis (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Gefahr
Beispiele:
die Fährnisse einer Reise
jmdn. durch alle Fährnisse geleiten, führen
die Mutter half dem Kind in allen Fährnissen
jmdn. aus drohenden, aus den äußersten Fährnissen retten
ohne weitere Fährnisse gelangten sie an das Ziel
alle Fährnisse auf sich nehmen
er war in schwere Fährnis geraten
die Fährnisse des Daseins [JahnnHolzschiff159]
doch schlängelt er sich durch alle Fährnisse unserer Zeit hindurch [Weiskopf8,154]
Diotima war doch schon so weit ... die Fährnis des Ehebruchs der groben Katastrophe einer Zerschmetterung von Lebensläufen vorzuziehen [MusilMann516]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gefahr · gefährden · gefährlich · Fährnis
Gefahr f. ‘drohendes Unheil’, mhd. gevāre ‘Hinterlist, Betrug’ ist eine verstärkende Präfixbildung zu ahd. fāra ‘Hinterhalt, Versuchung, Nachstellung, Aufstand, Hinterlist’ (9. Jh.), mhd. vāre ‘Nachstellung, Hinterlist, Falschheit, Betrug, Gefahr, Begierde, Furcht’, nhd. Fahr (noch bis ins 18. Jh.), asächs. fār, fāra ‘Nachstellung, Aufruhr’, mnd. vāre, mnl. vāre, vaer, aengl. fǣr, engl. fear ‘Furcht, zu befürchtende Gefahr’, anord. fār ‘Feindschaft, Gefahr, Schaden, Falschheit’; vgl. dazu got. fērja ‘Aufpasser’ sowie (vom Substantiv abgeleitet) ahd. fārēn ‘auflauern, nachstellen, streben, trachten’ (8. Jh.), mhd. vāren ‘feindlich trachten, nachstellen, streben, fürchten’, das noch in nhd. willfahren (s. ↗Wille) weiterlebt. Alle Formen lassen sich wohl mit griech. pé͞ira (πεῖρα) ‘Erfahrung, Versuch’, peirā́n (πειρᾶν) ‘versuchen’, lat. experīrī ‘versuchen, prüfen’, perīculum ‘Versuch, Probe, Gefahr, Prozeß, Anklage’ auf die Wurzel ie. *per- in der Bedeutung ‘versuchen, probieren, riskieren, Gefahr’ zurückführen, wobei eine Bedeutungsentwicklung von ‘hinterlistiger Versuch’ über ‘Nachstellung’ zu ‘drohendes Unheil’ anzunehmen ist. gefährden Vb. ‘in Gefahr bringen’, spätmhd. geværden, zu mhd. geværde ‘Hinterlist, Betrug’, nhd. Gefährde (bis 18. Jh.), mit Dentalsuffix abgeleitet von ahd. gifārēn (9. Jh.), mhd. gevāren ‘nachstellen, streben’, eine durch Präfix verstärkte Weiterbildung von ahd. fārēn, mhd. vāren (s. oben). Vgl. auch (im Nhd. kaum noch übliches) mhd. gevære ‘Betrug, Hinterlist, böse Absicht’ (s. ↗ungefähr). gefährlich Adj. ‘unheilbringend, gefahrvoll’, mhd. geværlich; daneben auch mhd. værlich, vgl. ahd. fārlihho Adv. ‘hinterlistig, verfänglich’ (8. Jh.). Eine altertümelnde Neubildung gehobener Sprache zum Wortstamm fahr- ist Fährnis f. ‘Gefährlichkeit, Bedrohung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedrohung · ↗Gefahr · ↗Gefährdung · ↗Risiko · ↗Unsicherheit · drohendes Unheil  ●  ↗Pulverfass  fig. · ↗Fährde  geh., poetisch · Fährnis  geh., poetisch · ↗Stolperfalle  ugs. · potentielle Schadeinwirkung  fachspr., Jargon
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese haben, man merkt es schon, allerhand Fährnisse zu bestehen.
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2001
Fährnisse im ganzen Reich hetzen den kranken Mann durch alle Länder.
Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11
So läßt der griechische Dichter Homer seinen Helden Odysseus unheimliche Fährnisse bestehen.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 110
Die Mutter gönnte es der Tochter, den Fährnissen des Liebeskampfes billig entronnen zu sein.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 20
Das deutsche Recht rechnete das Haus noch später nicht zu den Immobilien, sondern zur Fährnis.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1921], S. 6434
Zitationshilfe
„Fährnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Fährnis>, abgerufen am 22.10.2019.

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