Erblasser, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Erblassers · Nominativ Plural: Erblasser
Aussprache
WorttrennungErb-las-ser
Wortbildung mit ›Erblasser‹ als Erstglied: ↗erblasserisch
eWDG, 1967

Bedeutung

Jura jmd., der eine Erbschaft hinterlässt
Beispiel:
die letzten Verfügungen des Erblassers
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch ↗Arbeit und ↗arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkömmling Anordnung Ehegatte Eltern Erbe Erwerber Großeltern Lebzeiten Schenkende Schenker Staatsangehörigkeit Testament Testierfreiheit Todestag Vermächtnis Vermögen Verwandter Verwandtschaftsgrad Verwandtschaftsverhältnis Wille Wohnsitz anonym bedachen bedenken hinterlassen kinderlos potentiell trachten versterben vorausschauend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Erblasser‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dem zugrunde liegenden Fall hatte ein Erblasser Verluste mit seinem Hof erlitten.
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2004
Ohne Testament gehen sie leer aus; es sei denn, der Erblasser hatte keine Kinder oder diese sind bereits tot.
Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41
Die Schrift kann von dem Erblasser oder von einer anderen Person geschrieben sein.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 284
Hier kann der Erblasser den Vorerben von den meisten der gesetzlichen Beschränkungen freistellen.
o. A. [jr., M.-M.]: Vorerben - Nacherben. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1975]
So dürfen vor allem bei dem selbst verfaßten Testament weder Datum noch Unterschrift des Erblassers fehlen.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 413
Zitationshilfe
„Erblasser“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Erblasser>, abgerufen am 24.10.2019.

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