Ellbogenfreiheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Nebenform Ellenbogenfreiheit · Substantiv (Femininum)
WorttrennungEll-bo-gen-frei-heit ● El-len-bo-gen-frei-heit
WortzerlegungEllbogenFreiheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
genügend Spielraum, um die Ellenbogen bewegen zu können
Beispiel:
Ellbogenfreiheit haben
2.
übertragen Bewegungsfreiheit
Beispiele:
Leistungsmöglichkeit, Ruf, Ellbogenfreiheit und am Ende Werk, Ruhm, Besitz [KlugeKortüm514]
um die umlagerte Garderobe mit sanfter Gewalt und geschickter Ellenbogenfreiheit zu stürmen [SchweickertKnigge138]
Die junge Generation schuf sich im Buchverlag und auf dem Theater Ellenbogenfreiheit [MühsamNamen53]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Elle · Ellenbogen · Ellbogen · Ell(en)bogenfreiheit · ellenlang
Elle f. ‘Unterarmknochen’, seit alters eines der gebräuchlichsten natürlichen Längenmaße. Die germ. Wortformen weisen auf einen ursprünglich kurzen Mittelvokal in ahd. (8. Jh.), asächs. elina ‘Unterarm’, mhd. el(li)ne, el(le)n, el(l)e, mnd. ēle, mnl. elle, elne, nl. el, aengl. eln, engl. ell (nur Längenmaß), anord. alin, ǫln; Länge des Vokals begegnet in got. aleina, so daß sich für das Germ. eine Ausgangsform ie. *olī̌nā erschließen läßt. Auf diese bzw. eine modifizierte Form gehen auch griech. ōlénē (ὠλένη) ‘Ellenbogen’, lat. ulna ‘Ellenbogen, der ganze Arm’, air. uilenn ‘Winkel’ zurück. Zugrunde liegt die Wurzel ie. *el- ‘gebogen, biegsam’ bzw. eine Erweiterung ie. *elē̌(i)-, *lē̌i- (s. ↗Glied), wobei der anlautende Vokalmeist der o-Stufe angehört. Hierher auch (mit anderer Bildungsweise) aind. aratníḥ ‘Ellenbogen’. Der Vergleich mit den außergerm. Sprachen erweist ‘Ellenbogen’ als die ursprüngliche Bedeutung von ie. *olī̌nā; der Unterarm ist in den germ. Sprachen also nach dem mit ihm verbundenen Gelenk benannt. In dem mit dem Sing. gleichlautenden Plur. mhd. ellen wird das auslautende -n als Pluralzeichen empfunden, so daß ein neuer Sing. mhd. elle, nhd. Elle entsteht. Die alte Form setzt sich fort in Ellenbogen neben Ellbogen m. ‘Gelenk zwischen Ober- und Unterarm’, ahd. elinbogo ‘Ellenbogen, Unterarm’ (8. Jh.), mhd. el(l)enboge, mnd. ēlenbōge, nl. elleboog, aengl. el(n)boga, engl. elbow, anord. ǫl(n)bogi, eigentlich ‘Unterarmbiegung, -krümmung’ (s. ↗Bogen). Ell(en)bogenfreiheit f. ‘genügend Spielraum, um die Ellenbogen frei bewegen zu können’ (um 1800), übertragen Ellbogenfreiheit (‘Durchsetzungsvermögen’) haben (Mitte 19. Jh.). ellenlang Adj. ‘sehr lang’, mhd. ellenlanc.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bewegungsfreiheit · Ellbogenfreiheit · ↗Freizügigkeit · ↗Raum · ↗Spielraum  ●  ↗Latitüde  fachspr.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber richtig ist, daß sie mitten in der Stadt keine sicherheitspolitische Ellenbogenfreiheit beanspruchen können.
Die Zeit, 19.06.1992, Nr. 26
Irgendwann ist dann die Idee der Freiheit auf den Hund gekommen, verkürzt zum Sozialdarwinismus, umgelogen zur Ellenbogenfreiheit.
Die Zeit, 07.12.2009, Nr. 49
Die Ellenbogenfreiheit läßt aber auch vorne zu wünschen übrig, da der Mitteltunnel - bedingt durch den permanenten Allradantrieb - sehr wuchtig ausgefallen ist.
Süddeutsche Zeitung, 28.01.1995
Nun beginnt der nicht scharf genug zu verurteilende Sturm auf die Garderobenablage mit allen menschlichen Rücksichtslosigkeiten und selbstsüchtiger Ellenbogenfreiheit.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 25632
Der Abstand zwischen den vorderen und hinteren Sitzplätzen beträgt 829 Millimeter und übertrifft damit ebenso wie die Ellenbogenfreiheit (1468 Millimeter) die Werte vergleichbarer Limousinen.
Der Tagesspiegel, 28.02.2004
Zitationshilfe
„Ellbogenfreiheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ellbogenfreiheit>, abgerufen am 22.10.2019.

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