Elfenbeinturm, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungEl-fen-bein-turm (computergeneriert)
WortzerlegungElfenbeinTurm
eWDG, 1967

Bedeutung

individualistische Abgeschlossenheit des Künstlers, fern von den Kämpfen der Gegenwart
Beispiele:
in einem Elfenbeinturm sitzen
sich in seinen Elfenbeinturm zurückziehen
im Elfenbeinturm bleiben
so wird die Literatur doch aus dem Elfenbeinturm befreit [Wirk. Wort1956/57]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Elfenbein · elfenbeinern · Elfenbeinturm
Elfenbein n. ‘Zahnbein der Stoßzähne des Elefanten’. Ahd. helfant (9. Jh.) gilt wie griech. eléphās (ἐλέφας) sowohl für ‘Elefant’ als auch für ‘Elfenbein’ (das Elfenbein ist den Germanen wie den Griechen früher bekannt als das Tier); danach verdeutlichend das Kompositum ahd. helfantbein ‘Elefantenknochen, Elfenbein’ (um 1000; s. ↗Bein), entsprechend aengl. elpen-, ylpenbān, mnd. elpenbēn, mnl. nl. elpenbeen. Seit dem 10. Jh. (mit Aufgabe des -t- in der Kompositionsfuge) ahd. helfanbein, woraus mhd. helfenbein. Dagegen hält sich anlautendes h- zum Teil bis ins 18. Jh.; Luther verwendet (in Anlehnung an lat. elephās ‘Elefant’) ausschließlich Elfenbein. elfenbeinern Adj. ‘aus Elfenbein’ (16. Jh.), älter elfenbeinen (bis 19. Jh.) nach ahd. helfantbeinīn (um 1000), mhd. helfenbeinīn. Elfenbeinturm m. auch elfenbeinerner Turm begegnet als sprachliches Bild für ‘Abgeschlossenheit des schöpferisch tätigen Menschen (besonders des Dichters, Künstlers, Wissenschaftlers) von der Gesellschaft, seine Einstellung, sich von Problemen der Gegenwart nicht berührt zu zeigen, Weltabgeschiedenheit’ seit dem 19. Jh. in mehreren europ. Sprachen, zuerst vermutlich bei dem französischen Literaturkritiker und Schriftsteller Sainte-Beuve (frz. tour d’ivoire), im Dt. seit Anfang des 20. Jhs. Dagegen stammt das Bild des elfenbeinernen Turmes als Symbol der Reinheit und Festigkeit aus der allegorischen (besonders mariologischen) Auslegung des biblischen Hohenliedes (7, 4) und ist in vielen Sprachen bekannt; vgl. Bergmann in: ZfdA 92 (1963) 292 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
elitär  ●  (im) Elfenbeinturm  fig. · ohne Bodenhaftung  fig. · ↗abgehoben  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Avantgarde Barrikade Bewohner Dasein Gelehrte Hausdurchsuchung Intellektuelle Poet Rückzug Wissenschaft Wissenschaftler akademisch berüchtigt einschließen elitär herabsteigen herausholen herauskommen heraustreten herauswollen hinabsteigen schleifen theologisch universitär verharren verkriechen verlassen verschanzen wissenschaftlich zurückziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Elfenbeinturm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die Jury erklärt sich stets für politisch-geographisch hellwach, als weit weg vom ästhetischen Elfenbeinturm.
Die Welt, 06.05.2005
Der Elfenbeinturm, in dem sich die akademische Welt gerne verschanzt hält, hat mehrere Ausgänge.
Der Tagesspiegel, 23.12.2004
Auch ich tendiere dazu, mich in so eine Art Elfenbeinturm zurückzuziehen.
Süddeutsche Zeitung, 28.06.2000
Ich rate Ihnen nicht, in den berühmten Elfenbeinturm zu steigen.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 423
Es gibt in Amerika eine starke Tradition des Schriftstellers im Elfenbeinturm.
Der Spiegel, 26.06.1995
Zitationshilfe
„Elfenbeinturm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Elfenbeinturm>, abgerufen am 23.08.2019.

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