Ekel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ekels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Ekel‹ als Erstglied: ↗Ekelgefühl · ↗Ekelpaket · ↗ekelerfüllt · ↗ekelerregend · ↗ekelhaft · ↗ekelig · ↗eklig
 ·  mit ›Ekel‹ als Grundform: ↗ekel · ↗ekeln
eWDG, 1967

Bedeutung

das Angewidertsein, Abgestoßensein, der Abscheu
a)
heftiger physischer Widerwille
Beispiele:
bei dem Anblick, Geruch packte sie (ein) Ekel, kam sie (ein) Ekel an, stieg (ein) Ekel in ihr hoch, wich sie mit Ekel zurück
sie musste mit dem Ekel kämpfen
diese Krankheit flößte ihr Ekel ein
etw., jmdn. mit Ekel anfassen, berühren
der Ekel vor einer Speise, einem Tier
seinen Ekel überwinden
physischer, starker, würgender Ekel
b)
heftige moralische Abneigung
Beispiele:
(einen) tiefen, maßlosen Ekel über eine Tat, jmds. Worte empfinden
von tiefstem Ekel ergriffen sein
Ekel äußern, zeigen
gehoben Ekel hegen, bekunden
etw. erfüllt jmdn. mit Abscheu und Ekel
sich mit Ekel von einer niedrigen Gesinnung abwenden
Irgendein grenzenloser Ekel muß in ihm gewesen sein vor diesem ewigen Drang seiner geistigen Arbeit [St. ZweigBalzac452]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ekel · ekeln · ekel · ekelhaft · eklig
Ekel m. ‘Abscheu, heftiger Widerwille’, im 16. Jh. vom Md. ausgehend (öfters bei Luther); wohl Substantivbildung zu ekeln (s. unten). Die Herkunft ist nicht geklärt. Bedeutungsnah stehen sich das wohl dem nd. md. Bereich entstammende Adjektiv ekel, auch eikel, und obd. ↗heikel (s. d.) gegenüber, wobei der h-Anlaut, ähnlich wie bei ↗heischen (s. d.), prothetisch hinzugetreten sein könnte, sofern man für heikel nicht eine andere Herleitung vorzieht. Nicht sicher gedeutet ist auch das Verhältnis von ekeln zu dem im Alem. neben erken bezeugten erkeln, erkelen (16. Jh.), vgl. noch schweiz. erggelen ‘physischen Widerwillen auslösen’. Hierzu gehört das vereinzelt bezeugte mhd. erklich ‘ekelhaft’. Das lange ē der Stammsilbe ist wohl im Nd. und Md. kontrahiert aus germ. ai (obd. ei). Die bis ins 18. Jh. festgehaltene Schreibung Eckel weist auf Nebenformen mit ursprünglicher Doppelkonsonanz. Ekel bezeichnet einen hohen Grad der Abneigung und wird weithin eingeengt auf die Bedeutung ‘Reiz zum Erbrechen’. Seit dem 18. Jh. wird Ekel n. umgangssprachlich für ‘widerwärtiger, ekelhafter Mensch’ gebraucht. ekeln Vb. reflexiv ‘Ekel empfinden’; vgl. mnd. (vom Ostfäl. ausgehend) ēkelen, ēchelen ‘verdrießen, nicht gefallen, widerwärtig sein’. Die Schreibung mit ch kann im Mnd. für k stehen, aber auch auf den Übergang zu spirantischer Aussprache des k nach i (und e) hinweisen. Hd. (noch lange ausschließlich md.) seit dem 16. Jh. eckeln, daneben zunächst selten ekeln. Bei Luther auch im Sinne des mnd. vorherrschenden Gebrauchs ‘verdrießen, mißfallen, zuwider sein’. ekel Adj. ‘Ekel, Abscheu erregend, Ekel empfindend’ (daneben auch eckel); wie Ekel seit dem 16. Jh. bezeugt, in jüngerer Zeit veraltend. ekelhaft Adj. ‘Ekel erregend’, landschaftlich (südd.) auch ‘Ekel empfindend’, im 17. Jh. aufkommend. eklig Adj. ‘unangenehm, widerwärtig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem ein) Gräuel · ↗(körperliche) Ablehnung · ↗(körperliche) Abneigung · ↗Abscheu · ↗Aversion · ↗Ekelgefühl(e) · Sich-Abwenden · ↗Widerwille  ●  Ekel  Hauptform · ↗Degout  geh., franz.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Pestzecke · ↗Rüpel · ↗Unsympath · ↗Widerling · widerliche Type · übler Bursche · übler Patron  ●  widerwärtige Person  Hauptform · (das) Ekel  ugs. · ↗Drecksack  derb · ↗Dreckskerl  ugs. · ↗Ekelpaket  ugs. · ↗Fiesling  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Knülch  ugs. · ↗Kotzbrocken  ugs. · ↗Sackgesicht  derb · ↗Schweinebacke  derb · ↗Schweinepriester  derb · fiese Möpp  ugs., kölsch · fieser Typ  ugs. · schlimmer Finger  ugs., fig., veraltend
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Horror (haben vor) · ↗(moralische) Abscheu · (moralischer) Ekel · ↗(starke) Antipathie · ↗Abneigung · ↗Aversion · ↗Widerstreben · ↗Widerwillen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abscheu Anflug Anziehung Begehren Ekel Entsetzen Entzücken Faszination Grauen Haß Langeweile Lust Mitleid Müdigkeit Scham Schauder Verachtung Widerwille Widerwillen Wut ausgemacht empfinden erregen hervorrufen würgen ziemlich zuschnüren Überdruß überkommen überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ekel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Freier, die sie erdulden muss, lösen reinen Ekel aus.
Die Welt, 01.03.2004
Zum ersten Mal in meinem Leben empfand ich Ekel vor mir selbst.
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2001
Den Minister, dachte er an die beiden Bilder, überkam ein fast körperlicher Ekel.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 11
Ich ging wieder auf meinen Posten und besah meine Hände voller Ekel.
Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 65
Selbst wenn sie reingewaschen und gestriegelt war, flößte sie den Frauen einen körperlichen Ekel ein.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 117
Zitationshilfe
„Ekel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ekel#1>, abgerufen am 19.04.2019.

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Ekel, das oder der

GrammatikSubstantiv (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Ekels · Nominativ Plural: Ekel
Aussprache
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich widerlicher, ekelhafter Mensch
Beispiele:
er, sie ist ein Ekel
Schimpfwort du Ekel!
dieser Sanitätsschwindler, dieses Ekel [F. WolfGrenze5,223]
Ach Minna, Goldminna, süßes Ekel [FalladaBlechnapf180]
es ist ein offenes Geheimnis, daß er dabei der größte Ekel sein kann [MusilMann764]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ekel · ekeln · ekel · ekelhaft · eklig
Ekel m. ‘Abscheu, heftiger Widerwille’, im 16. Jh. vom Md. ausgehend (öfters bei Luther); wohl Substantivbildung zu ekeln (s. unten). Die Herkunft ist nicht geklärt. Bedeutungsnah stehen sich das wohl dem nd. md. Bereich entstammende Adjektiv ekel, auch eikel, und obd. ↗heikel (s. d.) gegenüber, wobei der h-Anlaut, ähnlich wie bei ↗heischen (s. d.), prothetisch hinzugetreten sein könnte, sofern man für heikel nicht eine andere Herleitung vorzieht. Nicht sicher gedeutet ist auch das Verhältnis von ekeln zu dem im Alem. neben erken bezeugten erkeln, erkelen (16. Jh.), vgl. noch schweiz. erggelen ‘physischen Widerwillen auslösen’. Hierzu gehört das vereinzelt bezeugte mhd. erklich ‘ekelhaft’. Das lange ē der Stammsilbe ist wohl im Nd. und Md. kontrahiert aus germ. ai (obd. ei). Die bis ins 18. Jh. festgehaltene Schreibung Eckel weist auf Nebenformen mit ursprünglicher Doppelkonsonanz. Ekel bezeichnet einen hohen Grad der Abneigung und wird weithin eingeengt auf die Bedeutung ‘Reiz zum Erbrechen’. Seit dem 18. Jh. wird Ekel n. umgangssprachlich für ‘widerwärtiger, ekelhafter Mensch’ gebraucht. ekeln Vb. reflexiv ‘Ekel empfinden’; vgl. mnd. (vom Ostfäl. ausgehend) ēkelen, ēchelen ‘verdrießen, nicht gefallen, widerwärtig sein’. Die Schreibung mit ch kann im Mnd. für k stehen, aber auch auf den Übergang zu spirantischer Aussprache des k nach i (und e) hinweisen. Hd. (noch lange ausschließlich md.) seit dem 16. Jh. eckeln, daneben zunächst selten ekeln. Bei Luther auch im Sinne des mnd. vorherrschenden Gebrauchs ‘verdrießen, mißfallen, zuwider sein’. ekel Adj. ‘Ekel, Abscheu erregend, Ekel empfindend’ (daneben auch eckel); wie Ekel seit dem 16. Jh. bezeugt, in jüngerer Zeit veraltend. ekelhaft Adj. ‘Ekel erregend’, landschaftlich (südd.) auch ‘Ekel empfindend’, im 17. Jh. aufkommend. eklig Adj. ‘unangenehm, widerwärtig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem ein) Gräuel · ↗(körperliche) Ablehnung · ↗(körperliche) Abneigung · ↗Abscheu · ↗Aversion · ↗Ekelgefühl(e) · Sich-Abwenden · ↗Widerwille  ●  Ekel  Hauptform · ↗Degout  geh., franz.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Pestzecke · ↗Rüpel · ↗Unsympath · ↗Widerling · widerliche Type · übler Bursche · übler Patron  ●  widerwärtige Person  Hauptform · (das) Ekel  ugs. · ↗Drecksack  derb · ↗Dreckskerl  ugs. · ↗Ekelpaket  ugs. · ↗Fiesling  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Knülch  ugs. · ↗Kotzbrocken  ugs. · ↗Sackgesicht  derb · ↗Schweinebacke  derb · ↗Schweinepriester  derb · fiese Möpp  ugs., kölsch · fieser Typ  ugs. · schlimmer Finger  ugs., fig., veraltend
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Horror (haben vor) · ↗(moralische) Abscheu · (moralischer) Ekel · ↗(starke) Antipathie · ↗Abneigung · ↗Aversion · ↗Widerstreben · ↗Widerwillen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abscheu Anflug Anziehung Begehren Ekel Entsetzen Entzücken Faszination Grauen Haß Langeweile Lust Mitleid Müdigkeit Scham Schauder Verachtung Widerwille Widerwillen Wut ausgemacht empfinden erregen hervorrufen würgen ziemlich zuschnüren Überdruß überkommen überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ekel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ob er schön ist, kann ich nicht beurteilen; ein Ekel ist er nicht.
Die Zeit, 17.07.1964, Nr. 29
Oder ist er das Ekel und gar kein lieber Professor?
Bild, 04.01.2002
Der Mann, der von keinem Widerstand mehr kontrolliert wird, wächst sich langsam zu einem autoritären Ekel aus.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 280
Man ist vielleicht, wie es in höheren Töchterschulen heißt, ein Ekel.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 19356
Er war ein Ekel, aber man munkelte, er habe Geld, also waren alle nett zu ihm und ließen sich seine Unverschämtheiten gefallen.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 18
Zitationshilfe
„Ekel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ekel#2>, abgerufen am 19.04.2019.

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