Einfalt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Einfalt · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEin-falt
Wortbildung mit ›Einfalt‹ als Erstglied: ↗Einfaltspinsel · ↗einfältig  ·  mit ›Einfalt‹ als Letztglied: ↗Glaubenseinfalt · ↗Herzenseinfalt · ↗Taubeneinfalt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
leichte Beschränktheit des Geistes
Beispiele:
in ihrer Einfalt konnte sie dem Gespräch nicht ganz folgen
seine Einfalt wurde belächelt
2.
gehoben einfache, reine Beschaffenheit des Gemütes, Schlichtheit
Beispiele:
die Einfalt eines Kindes, des Herzens
kindliche, reine, fromme, begnadete Einfalt
Und was kein Verstand der Verständigen sieht, / Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt [SchillerWorte des Glaubens]
So viel Einfalt bei so viel Verstand [GoetheWerther6,147]
Das ... Kennzeichen der griechischen Meisterstücke ist endlich eine edle Einfalt und eine stille Größe [Winckelm.1,31]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Einfalt · einfältig · Einfaltspinsel
Einfalt f. ‘Arglosigkeit, gutmütige Beschränktheit, Schlichtheit’, ahd. einfaltī (8. Jh.), mhd. einvalt(e), einvelte, mnd. ēnvōlt ‘Einfachheit, Einfalt’, got. ainfalþei ‘Einfalt’ sind Abstrakta zum Adjektiv ahd. einfalt ‘einfach, aufrichtig, rechtschaffen’ (8. Jh.), mhd. einvalt, frühnhd. einfalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald, anord. einfaldr, got. ainfalþs, das im Dt. allmählich ersetzt wird durch die jüngere Weiterbildung einfältig Adj. ‘arglos, beschränkt, töricht’, ahd. einfaltīg (11. Jh.), mhd. einvaltec, einveltic. Die Bedeutungsentwicklung beider Adjektive (der auch das Substantiv folgt) führt von ‘einfach’ (im Gegensatz zu doppelt, vielfältig) zu ‘schlicht, arglos’. Der sich aus der Vorstellung ‘einfach, arglos, leichtgläubig’ ergebende geringschätzige Sinn ‘töricht, dumm’, gelegentlich schon mhd., ist heute vorherrschend. Zur Etymologie des zweiten Kompositionsgliedes s. ↗falten, ↗-falt. Einfaltspinsel m. ‘beschränkter, törichter Mensch’ (1732), bald darauf in der Studentensprache geläufig (s. ↗Pinsel).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dummheit · Einfalt · ↗Einfältigkeit · ↗Schlichtheit · ↗Torheit · ↗Unvernunft  ●  ↗Niaiserie  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Einfachheit Feigheit Gemüt Größe Ideal Scharfsinn Tugend Unschuld Vielfalt Weisheit braun edel fromm gespielt grenzenlos heilig hold ideologisch kindlich naiv rührend schlicht still streitbar unendlich unheilig verblüffend vorgeblich zeugen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Einfalt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ansonsten fiele die liebliche Einfalt der Geschichte undezent ins Auge.
Die Welt, 20.07.2004
Es ist nicht nur ihre rührende Einfalt - es ist das große unverdorbene Herz.
Der Tagesspiegel, 25.10.2000
Seine solide Einfalt hielt den Tod im Feld für eine notwendige Folge kriegerischen Ruhms.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 12
Mit der gespielten Einfalt geht es einmal, aber kein zweites Mal mehr.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 311
Haas fängt die Buntheit und Einfalt alpenländischen Lebens großartig ein.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 903
Zitationshilfe
„Einfalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Einfalt>, abgerufen am 16.10.2019.

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