Dunst, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dunstes · Nominativ Plural: Dünste
Aussprache
Wortbildung mit ›Dunst‹ als Erstglied: ↗Dunstabzug · ↗Dunstabzugshaube · ↗Dunstglocke · ↗Dunstkreis · ↗Dunstobst · ↗Dunstschicht · ↗Dunstschleier · ↗Dunstschwaden · ↗Dunststreifen · ↗Dunstwolke
 ·  mit ›Dunst‹ als Letztglied: ↗Benzindunst · ↗Bierdunst · ↗Bodendunst · ↗Fieberdunst · ↗Frühdunst · ↗Fäulnisdunst · ↗Großstadtdunst · ↗Kochdunst · ↗Menschendunst · ↗Morgendunst · ↗Nachtdunst · ↗Nebeldunst · ↗Schnapsdunst · ↗Schweißdunst · ↗Speisedunst · ↗Speisendunst · ↗Stalldunst · ↗Tabakdunst · ↗Tabaksdunst · ↗Vogeldunst · ↗Weindunst · ↗Weizendunst · ↗Zigarettendunst · ↗Zigarrendunst
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
durch Wasserdampf oder Verunreinigungen getrübte Atmosphäre
Beispiele:
leichter, weißer, milchiger, nebliger, starker Dunst
über dem Industriegebiet liegt ständig ein feiner Dunst
die Berge sind in Dunst gehüllt, verschwimmen im Dunst der Ferne, des Horizonts
Über den dämmerigen Wiesen schwebte blauer Dunst [L. Frank6,389]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich jmdm. blauen Dunst vormachen (= jmdm. Unwahres glaubhaft zu machen suchen)
salopp keinen (blassen) Dunst von etw. haben (= von etw. gar nichts wissen, verstehen)
der holde Dunst der Phrasen [FalladaWolf2,398]
2.
stark riechende, warme Luft, die oft als lästig und erstickend empfunden wird
Beispiele:
giftige, beizende, warme Dünste
der feuchte Dunst der Fäulnis
die Gaststube ist mit undurchdringlichem Dunst erfüllt
gehoben der Vulkan haucht übelriechende Dünste aus
als sie nach dem Essen in der Halle standen, in einem schweren Dunst von Wein, Speisen, Gerüchen und Gesprächen [Bergengr.Feuerprobe49]
gehoben Wenn eine Stalltür sich öffnete, schlug der Dunst der Tiere in die Kälte hinaus [ZahnFrau Sixta174]
3.
Sonderbedeutungen
a)
Soldatensprache Beschuss
Beispiele:
mächtig Dunst bekommen
Dann [wenn der Kaiser an die Front kommt] müßte es gerade schweren Dunst geben [MarchwitzaJugend388]
b)
Jägersprache feinste Schrotsorte, Vogeldunst
c)
Mahlprodukt in einer Korngröße zwischen Mehl und Grieß, das bei der Herstellung von Weizenmehl abfällt und zu Teigwaren verarbeitet wird
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dunst · dunsten · dünsten · ausdunsten · verdunsten · dunstig · Dunstkreis · Vogeldunst
Dunst m. ‘Lufttrübung, Dampf, feiner Rauch’, ahd. thunst ‘Wind, Sturm’ (10. Jh.), mhd. dunst, tunst ‘Dampf, Dunst’, asächs. thunst ‘Dunst, Streif oder Strahl des Feuers’, mnl. donst ‘Staubmehl’ und mit n-Ausfall und Ersatzdehnung mnd. dūst, dust ‘Staub, Spreu, Hülse’, aengl. dūst ‘Staub’, engl. dust führen auf die s-Erweiterung ie. *dheus-, *dhū̌s- ‘stieben, stäuben, wirbeln’, auch ‘blasen, wehen’ der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf (s. ↗Duft). Verwandt ist außergerm. aind. dhváṁsati ‘verfällt, geht zugrunde, zerfällt zu Staub’. Insgesamt weist die zugehörige Wortgruppe aind. dhva(ṁ)s- in ihren ältesten Belegen auf die Bedeutung ‘zerstäuben, verfinstern, rauchen’. dunsten, dünsten Vb. ‘Dunst ausströmen, dampfen, mit Dampf gar kochen’, mhd. dunsten, dünsten. ausdunsten, -dünsten Vb. ‘Dunst, Geruch ausscheiden’, mhd. ūʒdunsten ‘verdunsten’. verdunsten Vb. ‘sich in Dunst auflösen, gasförmig werden’ (17. Jh.); im 18. Jh. fallen ursprünglich geschiedenes intransitives verdunsten und transitives verdünsten zusammen. dunstig Adj. ‘trübe’, ahd. thunstīg ‘stürmisch’ (10. Jh.), mhd. dunstec ‘dampfend’. Dunstkreis m. ‘Lufthülle der Erde, Ausstrahlungsbereich, (geistige) Umgebung’, Übersetzung (17. Jh.) von ↗Atmosphäre (s. d.). Vogeldunst m. feinster Schrot zur Jagd auf kleine Vögel (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dampf · Dunst · ↗Nebel · ↗Nebelschleier · ↗Nebelschwaden · ↗Schleier · ↗Trübung · ↗Vernebelung  ●  ↗(eine richtige) Waschküche  ugs., fig. · ↗Brühe  ugs., fig. · ↗Suppe  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Dunst · ↗Qualm

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dampf Garküche Horizont Nebel Rauch Schwaden Tand Wolke aufsteigend blass blau bläulich feucht flimmernd graublau herbstlich horizontnah hüllen lichten milchig morgendlich neblig schwül schälen säuerlich undurchdringlich verschwimmen wabern weißlich welsch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dunst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es roch nach altem Fett, nach Dunst, nach kaltem Rauch.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 27
Ich profitiere davon, dass ich vor der Wahl vorsichtig genug war, nicht irgendwelchen blauen Dunst zu versprechen.
Süddeutsche Zeitung, 24.05.2003
Ein Zug fährt durch den Dunst, nur schemenhaft zu erkennen.
Der Tagesspiegel, 29.08.2001
Das Wort meint weniger ein Angebot an die Nase als an die Augen: Dunst, Nebel, Tau.
Die Zeit, 17.02.1999, Nr. 07
Immer steigt ein wohlschmeckender Dunst an ihnen hoch und füllt den Raum an.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 169
Zitationshilfe
„Dunst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Dunst>, abgerufen am 22.08.2019.

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