Dummheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dummheit · Nominativ Plural: Dummheiten
Aussprache
WorttrennungDumm-heit
Wortbildung mit ›Dummheit‹ als Letztglied: ↗Erzdummheit · ↗Riesendummheit · ↗Saudummheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Unverstand, Unwissenheit
Beispiele:
das ist der Gipfel der Dummheit
in seiner Dummheit, aus Dummheit hat er alles ausgeplaudert
mit Dummheit geschlagen (= sehr dumm) sein
sprichwörtlich Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz (= ein Dummer ist oft auch stolz)
nicht die Lüge ist die große Gegenspielerin der Wahrheit, sondern die Dummheit [KasackStadt95]
Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens [SchillerJungfr. v. OrleansIII 6]
2.
umgangssprachlich törichte, dumme Handlung, Idee
Beispiele:
eine (gewaltige, kapitale) Dummheit machen, begehen
so eine Dummheit!
das war eine (riesige) Dummheit von mir!
das war die größte Dummheit meines Lebens
mach keine Dummheiten!
er hat nur Dummheiten im Kopf
Dummheiten aushecken
(vor Langeweile) auf (lauter) Dummheiten kommen
jmdm. seine, die Dummheiten austreiben
[eine Villa] wo die Hausfrau, eine verheiratete Frau ... wenn man es richtig anstellte, sogar für Dummheiten (= für intime Beziehungen) zu haben sein sollte [H. MannUnrat1,593]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dumm · tumb · Dummheit · verdummen · Dummerjan · Dummkopf · Dümmling · dümmlich
dumm Adj. ‘unwissend, unbegabt, unvernünftig, unangenehm’. Ahd. tumb ‘stumm, taub, töricht, einfältig, unvernünftig, dumm’ (9. Jh.), mhd. tump ‘schwach von Sinnen oder Verstand, dumm, töricht, unerfahren, stumm’ (-mb bzw. -mp werden nhd. assimiliert zu -mm), mnd. dum ‘unerfahren, einfältig, dumm’, mnl. dom, domp, nl. dom, asächs. dumb, afries. dumb ‘stumm’, aengl. dumb ‘stumm’, engl. dumb ‘stumm, sprachlos (vor Staunen)’, anord. dumbr ‘stumm, dumm’, schwed. dum ‘stumm, dumpf, unklar’, got. dumbs ‘stumm’ führen auf germ. *dumba-. Außergerm. Verwandte fehlen, doch die Bedeutungsnähe zu taub läßt an einen Anschluß an ie. *dheubh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt, auch vom Geist und den Sinnen’, eine (im Germ. teilweise nasalierte) Erweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə-, zu der ↗taub, ↗Dunst und ↗toben (s. d.) gehören, denken. Die ältesten Bedeutungen von dumm sind ‘stumm’ und ‘taub’, beide im 17. Jh. noch bekannt; mhd. tump bezeichnet vielfach ‘jugendlich unerfahren, unwissend’, nhd. noch erhalten in dummer Junge. Seit dem 19. Jh. wird dumm ‘unwissend, unbegabt’ oft verstärkt zu saudumm, strohdumm. Die Lautform mhd. tumb bleibt in Einzelfällen im Nhd. (bis ins 17. Jh.) erhalten. Bei der Beschäftigung mit der mhd. Literatur (2. Hälfte 19. Jh.) wird tumb im mittelalterlichen Sinne von ‘arglos, einfältig’ romantisierend wiederbelebt. Dummheit f. ‘Unwissenheit, Mangel an Einsicht, Torheit’, ahd. tumbheit (9. Jh.), mhd. tumpheit. verdummen Vb. ‘dumm werden oder machen’, mhd. vertumben. Dummerjan m. ‘einfältiger Kerl’ (Anfang 17. Jh.), auch Dummrian. Das zur Personenbezeichnung dienende Kompositionssuffix -jan ist aus dem Namen Jan (nd., teilweise auch md., für Johann) hervorgegangen, vgl. vorausgehendes Dummer Jan (16. Jh.). Zugleich lehnt es sich mit Längung des Vokals an ältere latinisierte Scherzbildungen an wie Grobiān(us) (s. ↗Grobian), den Heiligennamen auf lat. -ānus folgend, z. B. Cypriān(us), Damiān(us). S. ähnliche Ausdrücke wie ↗Liederjan, ↗Schlendrian. Dummkopf m. Schimpfwort (18. Jh.). Dümmling m. ‘dummer Mensch’, mhd. tummelinc. dümmlich Adj. ‘dumm, leicht beschränkt’, ahd. tumblīh ‘töricht’ (9. Jh.), mhd. tumplich ‘unverständig, töricht, einfältig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dilettantismus · Dummheit · ↗Ignoranz · ↗Unfähigkeit · ↗Unwissenheit  ●  Beklopptheit  ugs. · Beknacktheit  ugs. · ↗Blödheit  ugs. · ↗Doofheit  ugs. · Stümperhaftigkeit  ugs. · Trotteligkeit  ugs. · Trottligkeit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Dummheit · ↗Einfalt · ↗Einfältigkeit · ↗Schlichtheit · ↗Torheit · ↗Unvernunft  ●  ↗Niaiserie  geh.
  • (geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · (total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
Synonymgruppe
Dummheit · ↗Einfalt · ↗Einfältigkeit · ↗Schlichtheit · ↗Torheit · ↗Unvernunft  ●  ↗Niaiserie  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Dummheit · ↗Stumpfheit · ↗Stupor

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Borniertheit Bosheit Brutalität Bösartigkeit Dreistigkeit Eitelkeit Faulheit Feigheit Frechheit Geldgier Gemeinheit Gier Habgier Heuchelei Ignoranz Klugheit Leichtsinn Lüge Naivität Trägheit Unverschämtheit Unwissenheit abgrundtief begehen bodenlos grenzenlos menschlich pur unverzeihlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dummheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Darum sind auch die Proxies, trotz aller Dummheit, sehr effizient.
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2000
Einmal dort gearbeitet, würde auch bei größter Dummheit ein zukünftiges Scheitern unmöglich machen.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 16
Nach der Devise "Du bist nicht gescheit genug, mich zu durchschauen, und diese Dummheit nütze ich aus.
Der Tagesspiegel, 15.05.1998
Jetzt begeht er einen Fehler nach dem andern, eine Dummheit nach der andern!
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 170
Das ist eine Dummheit, der Mann ist viel zu jung für meine Schwester.
Friedländer, Hugo: Eine Rittergutsbesitzerin vor den Geschworenen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3560
Zitationshilfe
„Dummheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Dummheit>, abgerufen am 26.04.2019.

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