Drang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Drang(e)s · Nominativ Plural: Dränge · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Drang‹ als Erstglied: ↗drangvoll  ·  mit ›Drang‹ als Letztglied: ↗Abenteuerdrang · ↗Arbeitsdrang · ↗Ausdehnungsdrang · ↗Auswanderungsdrang · ↗Betätigungsdrang · ↗Bewegungsdrang · ↗Bildungsdrang · ↗Entdeckerdrang · ↗Erkundungsdrang · ↗Eroberungsdrang · ↗Expansionsdrang · ↗Forscherdrang · ↗Forschungsdrang · ↗Freiheitsdrang · ↗Geltungsdrang · ↗Gestaltungsdrang · ↗Harndrang · ↗Lebensdrang · ↗Liebesdrang · ↗Schaffensdrang · ↗Stuhldrang · ↗Tatendrang · ↗Unabhängigkeitsdrang · ↗Vorwärtsdrang · ↗Wissensdrang
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
innerer Trieb, heftiges Streben nach etw.
Beispiele:
einen Drang in sich fühlen, verspüren
etw. aus innerem Drang tun
von einem unwiderstehlichen, heftigen Drang ergriffen, besessen sein
der Drang nach Wahrheit, Freiheit, einem bestimmten Beruf, nach geordneten Verhältnissen
der Sturm und Drang (= literarische Strömung im 18. Jahrhundert)
Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange / Ist sich des rechten Weges wohl bewußt [GoetheFaustProlog 328]
bildlich
Beispiel:
er ist noch im Sturm und Drang (= er ist menschlich noch nicht ausgereift)
2.
Druck, Zwang
Beispiel:
im Drang der Vorbereitungen, der Geschäfte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Drang · Andrang · Drangsal · drangsalieren · drängen · drängeln · Gedränge
Drang m. ‘Trieb, Streben, Gedränge, Bedrängnis, Druck’, mhd. dranc m. n. ‘Gedränge, Bedrängnis’, mnd. dranc, mnl. nl. drang, aengl. geþrang ‘Gedränge, Menge, Lärm’, engl. throng ‘Gedränge, Menge, Schar’, anord. þrǫng f. ‘Gedränge, Enge, Kelter’, norw. trang stehen im Ablaut zu dem unter ↗dringen (s. d.) behandelten Verb. Mhd. dranc bezieht sich vornehmlich auf das wogende Getümmel in der Schlacht, ‘Gedränge der Menschen im Kampf’. Mit der Bedeutung ‘innerer Trieb, geistiges Streben, Impuls’ (entwickelt im 18. Jh.) wird Drang rasch zum Modewort (vgl. die formelhafte Verbindung Sturm und Drang, Klinger 1776). Andrang m. ‘das Andrängen’ (18. Jh.). Drangsal f. ‘Zwang, Bedrängnis, Gewalttätigkeit’, spätmhd. drancsal, ursprünglich auch n., selten m.; mit der Nachsilbe ↗-sal (s. d.) wohl aus älterem, von drängen abgelöstem drangen (s. unten ↗drängen) abgeleitet; dazu drangsalen Vb. (19. Jh.), häufiger drangsalieren Vb. ‘quälen, belästigen’ (19. Jh.). drängen Vb. ‘drücken, nötigen, vertreiben’, Kausativum zu ↗dringen (s. d.), also eigentlich ‘dringen machen’. Ahd. threngen (um 1000), mhd. drengen setzt sich gegenüber ahd. thrangōn (9. Jh.), mhd. drangen ‘drücken, belästigen, nötigen’ durch; drängen übernimmt im 18. Jh. den transitiven Gebrauch von dringen ‘zusammendrücken’. drängeln Vb. ‘sehr, wiederholt drängen, drücken’, Iterativbildung (19. Jh., vereinzelt schon 17. Jh.) zu drängen. Gedränge n. ‘unruhiges Treiben, Andrang, Menge’, ahd. githrengi ‘Handgemenge’ (9. Jh.), mhd. gedrenge ‘Kampfgewühl, unwegsam verwachsener Boden, Bedrängung, Beengung’ ist entweder als Kollektivum zum Substantiv Drang (s. oben) oder als Verbalabstraktum zu den oben unter drängen genannten schwachen Verben (oder zum starken Verb dringen?) gebildet, wird heute aber als zu drängen gehörend empfunden; ins Gedränge kommen ‘in Schwierigkeiten geraten’ (um 1700).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedarf · ↗Bedürfnis · ↗Begehren · ↗Begierde · Drang · ↗Gier · ↗Sehnen · ↗Sehnsucht · ↗Verlangen · ↗Wunsch  ●  ↗Durst  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betätigung Ferne Höheren Perfektion Perfektionismus Selbstdarstellung Selbstverwirklichung Selbständigkeit Sturm Weste ausgeprägt beseelen bremsen faustisch inner krankhaft manisch missionarisch stet unbezähmbar unbändig ungebremst ungebrochen ungestüm unstillbar unwiderstehlich verspüren widerstehen zwanghaft überkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Drang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Hunger auf Filme ist eben größer als der Drang nach gesundem Essen.
Die Welt, 13.02.2006
Aber er tat es aus einem gewissen Drang heraus, weil heute offenbar jeder meint, zum Feilschen gezwungen zu sein.
Der Tagesspiegel, 09.08.2001
In seinen Bildern bricht ständig der Drang nach Genauigkeit durch.
o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 37386
Nach der Untersuchung hatte ich auch tatsächlich den Drang zu pressen.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 87
Die heutige Zeit kennt keinen tieferen Drang, als über sich selber hinauszukommen.
Hofmannsthal, Hugo von: Shakespeare und wir. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1916], S. 27934
Zitationshilfe
„Drang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Drang>, abgerufen am 19.04.2019.

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