Dirne, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dirne · Nominativ Plural: Dirnen
Aussprache
WorttrennungDir-ne
formal verwandt mitDirn
Wortbildung mit ›Dirne‹ als Erstglied: ↗Dirnchen · ↗Dirnenunwesen · ↗Dirnlein
 ·  mit ›Dirne‹ als Letztglied: ↗Bauerndirne · ↗Buhldirne · ↗Straßendirne
 ·  formal verwandt mit: ↗Dirn
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
abwertend käufliches Mädchen, Prostituierte
Beispiele:
sie war zur Dirne herabgesunken
er trieb sich mit ganz gemeinen Dirnen herum
eine käufliche, öffentliche Dirne
veraltend Mädchen mit liederlichem Lebenswandel
Beispiel:
eine leichtfertige Dirne
2.
veraltet junges Mädchen
Beispiele:
eine frische, stramme, muntere Dirne
die ausgelassenen Dirnen lachten und scherzten
schenkst du den [Kranz] zum Tanz / Einer schmucken, vielgeliebten Dirne? [Ric. HuchGedichte152]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dirne · Dirndl · Dirndlkleid
Dirne f. ‘Prostituierte’, landschaftlich ‘junges Mädchen’, ahd. thiorna ‘Mädchen, Jungfrau, Dienerin’ (8. Jh.), mhd. dierne, dirne ‘Dienerin, (Bauern)magd, Mädchen’, asächs. thiorna ‘Jungfrau, Mädchen’, mnd. dērne ‘Unfreie, Dienerin, Magd, Mädchen, Jungfrau’, mnl. dierne, deerne, nl. deern, anord. (aus dem Mnd.) þerna ‘Dienstmädchen’. Die Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Karg-Gasterstädt in: PBB 66 (1942) 308 ff. führt die Formen zurück auf germ. *þewernō, die fem. Gegenbildung zu germ. *þegnaz, woraus ahd. asächs. thegan ‘Krieger, Gefolgsmann, Anhänger’, ursprünglich wohl ‘männliches Kind’ (s. ↗Degen). Das würde für das Germ. eine Wurzelvariante ie. *teku̯- neben ie. *tek- ‘gebären, zeugen’ voraussetzen. Nowicki in: ZfdA 106 (1977) 85 ff. schlägt vor, Dirne mit mhd. diehter, tiehter ‘Enkelkind’ zur sonst allerdings nur im Indoiran. bezeugten Wurzel ie. *teuk- ‘Keim, Same, Nachkommenschaft’ zu stellen. Die germ. Ausgangsform für Dirne wäre dann germ. *þeuχranō. Die Bedeutung ‘Prostituierte’ aus ‘Magd, Mädchen aus niederen sozialen Verhältnissen’ ist seit der Mitte des 15. Jhs. nachzuweisen. Dazu das Deminutivum Dirndl n. ‘junges Mädchen’, vgl. bair. dyerndl (15. Jh.), ‘die jüngste (und letzte) Dienstmagd auf einem Bauernhof’ (18. Jh.), südd. auch ‘Trachtenkleid’, verkürzt aus Dirndlkleid n. (1. Hälfte 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Callgirl · Dirne · ↗Escort · ↗Escortgirl · Frau für spezielle Dienstleistungen · ↗Freudenmädchen · ↗Kurtisane · ↗Liebesdame · ↗Liebesdienerin · ↗Liebesmädchen · Sexdienstleisterin · ↗Straßendirne · ↗Straßenprostituierte · käufliches Mädchen  ●  ↗Gunstgewerblerin  scherzhaft · ↗Kokotte  veraltet · Lohndirne  veraltet · Lustdirne  veraltet · ↗Prostituierte  Hauptform · gefallenes Mädchen  altertümelnd · Anbieterin für sexuelle Dienstleistungen  fachspr., Amtsdeutsch, Jargon · ↗Bordsteinschwalbe  ugs. · Dorfmatratze  derb · ↗Edelnutte  derb · Entspannungsdame  geh., verhüllend · Hartgeldnutte  derb · ↗Hetäre  geh. · ↗Horizontale  ugs. · ↗Hure  derb, abwertend · ↗Lusche  ugs., regional · ↗Metze  geh., historisch · ↗Musche  ugs. · ↗Nutte  derb, abwertend · ↗Professionelle  ugs. · ↗Schnepfe  ugs., abwertend · ↗Sexarbeiterin  fachspr. · ↗Straßenmädchen  ugs. · ↗Strichmädchen  ugs. · eine, die das älteste Gewerbe der Welt betreibt  ugs. · eine, die es für Geld macht  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dichter Geliebte Glück Graf Jungfrau Lebensgeschichte Mörder Soldat Todesurteil Verbrecher Zuhälter ehrbar ermorden feil heiraten käuflich respektvoll wienerisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dirne‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dirne nannte man früher ein junges Mädchen oder eine Magd.
Die Welt, 04.04.2005
Schließlich ging der bärenstarke Mann mit dem künstlichen Auge mit bloßen Händen auf die widerspenstige Dirne los.
Süddeutsche Zeitung, 14.01.1994
Die Dirne starrte ihn an, mit weit aufgerissenen, entsetzten Augen.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 117
Die Dirnen riefen nicht, lachten nicht, lebten wie Eulen am Tag.
Weyrauch, Wolfgang: Die Ehe. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 354
Sie treffen die Auswahl, handeln unter sich, weisen mit den Fingern auf die einzelnen Dirnen.
Sorge, Reinhard Johannes: Der Bettler. In: Bertram, Matthias (Hg.), Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 11069
Zitationshilfe
„Dirne“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Dirne>, abgerufen am 21.05.2019.

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