Denkzettel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungDenk-zet-tel
WortzerlegungdenkenZettel1
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich eindringliche Lehre, (körperliche) Strafe, die man nicht so schnell vergisst
Beispiele:
jmdm. einen Denkzettel geben, erteilen, verabreichen
salopp jmdm. einen Denkzettel verpassen
einen Denkzettel verdienen
da hast du deinen Denkzettel!
er hat einen Denkzettel bekommen
umgangssprachlich er hat einen Denkzettel abgekriegt
der Bengel muss einen Denkzettel haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

denken · gedenken · nachdenken · nachdenklich · verdenken · Denker · Denkzettel
denken Vb. ‘geistig arbeiten, überlegen’, ahd. thenken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. denken, asächs. thenkian, afries. thanka, aengl. þencan, engl. to think, anord. þekkja (‘wahrnehmen, erkennen’), aschwed. þækkia, got. þagkjan. Das germ. jan-Verb (germ. *þankjan) steht als Kausativum im Ablaut (wie ↗Dank, ↗Gedanke, s. d.) zu einem Verb, das sich in ↗dünken (s. d.) fortsetzt. Es findet eine sichere außergerm. Entsprechung in lat. tongēre ‘kennen, wissen’ und kann mit diesem auf eine Wurzelform ie. *teng-, *tong- ‘denken, fühlen’ zurückgeführt werden. Das Prät. dachte und das Part. Prät. gedacht (beide mit Kürzung des Stammvokals) sind durch Ausfall von -n- und Ersatzdehnung entstanden (ahd. thāhta, githāht, mhd. dāhte, gedāht, aus germ. *þanht-). gedenken Vb. ‘an jmdn., etw. zurückdenken, sich erinnern, beabsichtigen’, ahd. githenken ‘an etw. denken’ (um 800), mhd. gedenken, auch ‘ausdenken, bestimmen, eingedenk sein, sich erinnern’, heute besonders einer Sache, eines Menschen gedenken sowie gedenken, etw. zu tun. nachdenken Vb. ‘eine Sache gründlich durchdenken, überlegen, erwägen’, (selten) ‘etw. in Gedanken nachvollziehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. denken nāch ‘mit Gedanken nachfolgen, zurückdenken an’; nachdenklich Adj. ‘zu Überlegungen neigend, in Gedanken versunken, zum Nachdenken anregend’ (Mitte 17. Jh.). verdenken Vb. ‘übelnehmen, verübeln, verargen’ (meist verneint und in Verbindung mit können), ahd. firthenken ‘verachten, geringschätzen’ (8. Jh.), mhd. verdenken ‘(zu Ende) denken, erwägen, sich erinnern, Übles von jmdm. denken, jmdn. in Verdacht haben, verargen’ (s. ↗Verdacht). Denker m. ‘Philosoph’ (1. Hälfte 18. Jh. nach engl. thinker); vgl. vereinzeltes ahd. thenkāri (11. Jh.). Denkzettel m. ‘Merkzettel als Gedächtnishilfe’, übertragen ‘eindringliche Lehre in Form eines Verweises, einer Bestrafung’ (16. Jh.), vgl. rechtssprachliches mnd. denksed(d)del, -cēdel ‘Urkunde, Vorladung, Merkblatt’. Frühnhd. auch Gedenkzedele, -zettul (16. Jh.). S. ↗Zettel.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abkanzelung · ↗Belehrung · ↗Ermahnung · ↗Lehre · ↗Lektion · ↗Maßregelung · ↗Moralpredigt · ↗Rüffel · ↗Schelte · ↗Tadel · ↗Verweis · ↗Zurechtweisung  ●  ↗Abmahnung  juristisch · Adhortation  veraltet · ↗Ordnungsruf  politisch · ↗Rüge  Hauptform · ↗Abreibung  ugs. · ↗Anpfiff  ugs. · ↗Anschiss  ugs., salopp · Denkzettel  ugs. · ↗Donnerwetter  ugs. · ↗Einlauf  ugs., salopp, fig. · Opprobration  geh., veraltet, lat. · ↗Schimpfe  ugs. · ↗Standpauke  ugs. · ↗Strafpredigt  ugs. · ↗Zigarre  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Denkzettel  ●  (die) Quittung (für)  fig. · ↗Warnschuss  fig. · Wink mit dem Zaunpfahl  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Delegierte Europawahl Kommunalwahl Landtagswahl Ohrfeige Rot-Grün Stimmzettel Wahlergebnis Wahlzettel Wähler ausstellen bös davonkommen deftig empfindlich erhalten erteilen erwartet gehörig gewaltig herb kräftig ordentlich saftig schmerzhaft verabreichen verpassen verteilen werten wirksam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Denkzettel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und er appelliert indirekt, nun nicht länger Denkzettel zu verteilen.
Die Zeit, 28.06.2010, Nr. 26
Jetzt geht es nicht mehr um einen Denkzettel, sondern es wird brutal ernst.
Der Tagesspiegel, 25.05.2005
Der Denkzettel, der den Politikern gegeben wurde, besteht nicht nur aus dem unerwartet hohen Abschneiden der rechtsradikalen DVU.
Bild, 29.04.1998
Mit Lust und List machen sich die beiden Frauen daran, dem liebestollen Alten einen Denkzettel zu verpassen.
Fath, Rolf: Werke - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 22271
So hatte ihm Koenig dann, was er gleich hinterher sehr bereute, einen »Denkzettel« gegeben.
Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 120
Zitationshilfe
„Denkzettel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Denkzettel>, abgerufen am 21.05.2019.

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