Charakter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Charakters · Nominativ Plural: Charaktere
Aussprache
WorttrennungCha-rak-ter (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Charakter‹ als Erstglied: ↗Charakteranlage · ↗Charakterbild · ↗Charakterbildung · ↗Charakterdarsteller · ↗Charakterdarstellerin · ↗Charakterdrama · ↗Charaktereigenschaft · ↗Charakterentwicklung · ↗Charakterfach · ↗Charakterfehler · ↗Charakterfigur · ↗Charaktergestalt · ↗Charakterkomiker · ↗Charakterkomödie · ↗Charakterkopf · ↗Charakterkunde · ↗Charaktermaske · ↗Charaktermerkmal · ↗Charakterrolle · ↗Charaktersache · ↗Charakterschilderung · ↗Charakterschwäche · ↗Charakterskizze · ↗Charakterspieler · ↗Charakterstudie · ↗Charakterstärke · ↗Charakterstück · ↗Charaktertest · ↗Charakterzeichnung · ↗Charakterzug · ↗charakterbildend · ↗charakterfest · ↗charakterisieren · ↗charakterlos · ↗charakterschwach · ↗charakterstark · ↗charaktervoll
 ·  mit ›Charakter‹ als Letztglied: ↗Aufforderungscharakter · ↗Ausbeutungscharakter · ↗Ausnahmecharakter · ↗Doppelcharakter · ↗Dorfcharakter · ↗Gebirgscharakter · ↗Gesamtcharakter · ↗Geschlechtscharakter · ↗Grundcharakter · ↗Hochgebirgscharakter · ↗Klassencharakter · ↗Kunstcharakter · ↗Landschaftscharakter · ↗Nationalcharakter · ↗Pilotcharakter · ↗Prozesscharakter · ↗Rechtscharakter · ↗Stadtcharakter · ↗Symbolcharakter · ↗Verweischarakter · ↗Volkscharakter · ↗Vorbildcharakter · ↗Warencharakter · ↗Zeichencharakter · ↗Zeitcharakter · ↗Zwangscharakter · ↗Übergangscharakter
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Wesen
a)
Gesamtheit der individuellen geistig-seelischen Eigenschaften eines Menschen, wie sie in Gesinnung, Lebensführung und Verhalten zum Ausdruck kommen
Beispiele:
jmd. hat einen guten, ausgeglichenen, starken, festen Charakter
ein Mensch mit anständigem, edlem, glücklichem Charakter
ein problematischer, schwieriger, schwacher, haltloser Charakter
ein schlechter, schändlicher Charakter
ein ausgeprägter, einseitiger, kleinlicher Charakter
jmd. ist von unbeugsamem Charakter
das ist ein guter Zug in seinem Charakter
seinen Charakter ändern, ausbilden, stählen
die Erlebnisse formten seinen Charakter
jmd. zeigt seinen wahren Charakter
er (be)wahrt seinen Charakter (= bleibt seiner Wesensart, Gesinnung treu)
Festigkeit des Willens, sittlich feste Veranlagung, Haltung
Beispiele:
jmd. hat (keinen) Charakter
er ist ein Mann von Charakter, mit Charakter
er hatte Charakter gezeigt
immerhin ist dies ein Beweis von Charakter und besonderer Willenskraft [St. ZweigBalzac49]
b)
der gesamte Mensch im Hinblick auf seine geistig-seelischen Eigenschaften
Beispiele:
er ist ein anständiger Charakter
seine Freundschaft mit Fritz Tegularius, dem schwierigen und problematischen Charakter [HesseGlasperlensp.6,365]
in sich gefestigte, ausgeprägte Persönlichkeit
Beispiele:
er ist ein Charakter
historische, bedeutende Charaktere
die großen Charaktere der Dramen Shakespeares
in der realistischen Dichtung typische Charaktere darstellen
Sie sind ein in den Stürmen des Lebens gefestigter Charakter [BrechtDreigroschenroman255]
Es bildet ein Talent sich in der Stille, / Sich ein Charakter in dem Strom der Welt [GoetheTassoI 2]
2.
grundlegende Eigenart, Gepräge
a)
einer Sache
Beispiele:
der Charakter einer Landschaft, Gegend, Stadt
der Charakter einer Epoche, eines Baustils
der bösartige Charakter einer Krankheit
die Krankheit ist von bösartigem Charakter
der polemische Charakter einer Schrift
das Buch hat, trägt den Charakter einer historischen Untersuchung
etw. hat (keinen) Charakter
das Gespräch hat vertraulichen Charakter (= ist vertraulich)
die Besprechung trug offiziellen Charakter (= war offiziell)
die Unterhaltung nahm aggressiven Charakter an (= wurde aggressiv)
den amtlichen Charakter der Verhandlungen voll zu wahren [KafkaSchloß345]
Die Wiener Malerei ... hat erstaunlich wenig Charakter [Hofmannsth.ProsaI 213]
b)
eines Volkes
Beispiel:
der Charakter einer Nation, der nationale Charakter
3.
meist im Plural
veraltend Schriftzeichen, Buchstabe
Beispiele:
Er zog ein mit Sonderbaren Charakteren geschriebenes Heft hervor [MörikeNolten2,43]
Ich verschaffte mir Kenntnis von chinesischen ... Charakteren, denen mir die verschlungenen Silberlinien manchmal zu gleichen schienen [Bergengr.Heiraten142]
4.
veraltet Rang, Titel
Beispiele:
Er habe den Charakter als Major [GoetheLehrjahre7,187]
so vernehmen Sie meinen Namen, Stand und Charakter [Immerm.Münchh.1,88]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Charakter · charakterisieren · charakteristisch · Charakteristik · Charakteristikum
Charakter m. ‘Gesamtheit der Wesenszüge, Eigenart eines Menschen oder einer Sache’, mhd. karacter ‘Buchstabe, Zauberschrift, Merkmal’, von lat. charactēr, griech. charaktḗr (χαρακτήρ) ‘Werkzeug zum Graben, Gravieren, eingeritzter Buchstabe, körperliche und sprachliche Eigenart, Merkmal’, im Lat. auch ‘das den Tieren (auch Sklaven) eingebrannte Erkennungszeichen, der Stempel’, zu griech. charássein (χαράσσειν) ‘spitzen, ritzen, eingraben, prägen’. Die Bedeutung ‘Buchstabe, Zauberzeichen’ ist noch im 18. Jh. nachzuweisen. Die bis ins 19. Jh. bezeugte Verwendung im Sinne von ‘Merkmal, Zeichen’ wird seit dem Ende des 17. Jhs. auf Stand und Rang einer Person (den Charakter eines Sekretärs erhalten) und in zunehmendem Maße seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. auf die Gesamtheit ihrer Wesenszüge, auf ihre Eigenart bezogen. Der Charakter ist also im wesentlichen das dem Menschen ‘Eingeritzte, Eingeprägte’ an psychischen und geistigen Eigenarten. Diese Bedeutung liegt bereits im Griech. vor, wird aber im Dt., wohl unter Einfluß von frz. caractère, erneut entwickelt. Auch die Verwendung von Charakter bei Sachobjekten entsteht in der 1. Hälfte des 18. Jhs. charakterisieren Vb. ‘mit einem Zeichen, Merkmal versehen’ (17. Jh.), ‘einen Rang, Titel verleihen’ (17. Jh., anfangs häufig im Part. Prät.), ‘jmdn. oder etw. gemäß seiner Eigenart schildern, darstellen’ (18. Jh.), aus frz. caractériser entlehnt. charakteristisch Adj. ‘kennzeichnend, typisch’ (18. Jh.; unklarer Frühbeleg bei Paracelsus), im 18. Jh. daneben gelegentlich charakterisch. Charakteristik f. im 17. Jh. von frz. caractéristique (subst. Adj.) übernommen, ‘Kennzeichen, Merkmal’ (17. bis 19. Jh.), meist aber ‘Schilderung der Wesenszüge, Merkmale einer Person oder Sache, Charakterisierung’ (seit 18. Jh.). Die Bedeutung ‘Kennzeichen, Merkmal’ wird im 20. Jh. ausschließlich durch Charakteristikum n. ausgedrückt, eine nlat., seit dem 19. Jh. bezeugte Bildung (im 18. Jh. vereinzelt mit griech. Endung Characteristicon).

Thesaurus

Synonymgruppe
Charakter · ↗Einzelwesen · ↗Persönlichkeit · ↗Subjekt  ●  ↗Individuum  Hauptform · ↗Mensch  Hauptform · ↗Person  Hauptform · ↗Typ  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Charakter · ↗Eigenart · ↗Format · ↗Gemüt · ↗Gemütsart · ↗Gepräge · ↗Natur · ↗Naturell · ↗Persönlichkeit · ↗Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen · ↗Wesenheit · ↗Wesensart  ●  ↗Profil  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Alphazeichen · Charakter · ↗Letter · ↗Zeichen · alphabetisches Zeichen  ●  ↗Buchstabe  Hauptform
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anlage · Charakter · ↗Eigenart · ↗Naturell · ↗Temperament · ↗Veranlagung · ↗Wesen
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Art · Charakter · ↗Eigenart · ↗Eigentümlichkeit · ↗Gepräge · ↗Wesen

Typische Verbindungen
computergeneriert

annehmen autoritär besitzen besonder betonen bewahren defensiv dokumentarisch dörflich empfehlend entsprechen experimentell individuell provisorisch prägen religiös repräsentativ spezifisch symbolisch tragen unterschiedlich unterstreichen unverwechselbar ursprünglich verbrecherisch verderben verleihen verändern wahr ändern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Charakter‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dem Charakter dieses Autos entspricht aber mehr die Position "Tour".
Die Zeit, 25.09.2013, Nr. 38
Er repräsentierte zuerst einen modernen Stil mit deutlich nationalem Charakter.
Lissa, Zofia: Palester. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 45574
Umgekehrt bestimmt die S. ein halbes Jahrtausend lang den Charakter der jüdischen F. - 1.
Bertram, G.: Septuaginta-Frömmigkeit. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 36636
Ich glaube zutiefst an den ewigen Charakter der nationalen Verteidigung.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1961]
Hier wie sonst behielt dabei diese Erkenntnis nicht den Charakter eines gewöhnlichen verstandesmäßigen Wissens.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 161
Zitationshilfe
„Charakter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Charakter>, abgerufen am 20.03.2019.

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