Brei, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Brei(e)s · Nominativ Plural: Breie · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Brei‹ als Erstglied: ↗Breichen · ↗Breinahrung · ↗breiartig
 ·  mit ›Brei‹ als Letztglied: ↗Babybrei · ↗Bananenbrei · ↗Bohnenbrei · ↗Erbsbrei · ↗Erbsenbrei · ↗Grießbrei · ↗Grützbrei · ↗Haferbrei · ↗Kartoffelbrei · ↗Kinderbrei · ↗Kleisterbrei · ↗Krankenbrei · ↗Lehmbrei · ↗Magenbrei · ↗Maniokbrei · ↗Mehlbrei · ↗Milchbrei · ↗Reisbrei · ↗Schlammbrei · ↗Schneebrei · ↗Schokoladenbrei · ↗Semmelbrei
 ·  mit ›Brei‹ als Grundform: ↗breiig  ·  formal verwandt mit: ↗dickbreiig
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Kochkunst dickflüssige oder halbfeste Speise1 (Lesart 1) aus meist gekochten und anschließend zerkleinerten oder pürierten Zutaten (wie Getreide, Reis, Kartoffeln, Gemüse, Obst), die häufig mit weiteren Zusätzen vermischt werden; zerkleinerte, meist pürierte Nahrung (für Babys oder Kleinkinder)
siehe auch Mus
Beispiele:
Die geschälten, gar gekochten Kartoffeln zerstampfen, würzen und unter Zugabe von etwas Milch schlagen, bis ein sahniger Brei entstanden ist. [Berliner Zeitung, 05.09.1971]
Jeden Morgen bereitet die Mutter den Brei [für das kranke Kind], der kalorienreich und leicht verdaulich ist. [Welt am Sonntag, 26.11.2017, Nr. 48]
Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sollten Babys schon mit Beginn des fünften Monats, aber spätestens mit dem Beginn des siebten Lebensmonats den ersten Brei gefüttert bekommen. [Der Standard, 04.11.2010]
Obwohl die Lebensmittelkontrolleure nur einzelne Produktionsmengen [wegen Rückständen von Chlormequat] beanstandet haben, bieten die Hersteller alle birnenhaltigen Breie zum Umtausch an – mehrere hunderttausend Gläschen. [Der Tagesspiegel, 28.02.2002]
In Friedenszeiten stellten die [aztekischen] Frauen »chocoatl« her, indem sie einen Brei aus Mehl, Mais, Kakaopulver und Wasser über dem Feuer erhitzten und anschließend schaumig schlugen. [Süddeutsche Zeitung, 24.12.1997]
Der Puter, gefüllt mit einem Brei von Maronen, Rosinen und Äpfeln, fand das allgemeine Lob. [Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 544]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein heißer, süßer, zäher, dicker Brei
als Akkusativobjekt: einen Brei kochen, (an)rühren, essen
in Präpositionalgruppe/-objekt: (etw.) zu Brei verrühren, vermengen, vermischen
a)
übertragen
Phrasem:
um den heißen Brei herumreden (= um das Wesentliche herumreden, sich davor scheuen, etw. zur Sprache zu bringen)
Beispiele:
Dann hatte ich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Er redete nicht lange um den heißen Brei herum", schreibt U[…]. »Morbus Hodgkin, lautete die Diagnose. Das ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems.« [Bild, 15.02.2018]
Geht es um positive Wahrheiten, teilt man sie gern mit. Muss aber über Negatives informiert werden, wird es schon schwieriger. Entscheidend ist, wie man es formuliert, vorwurfsvoll, niederschmetternd, entmutigend oder taktvoll, aufbauend, helfend, teilnahmsvoll. Es nutzt dem Adressaten wenig, »um den heißen Brei herumzureden«, das Negative zu kaschieren oder allzu sehr zu schönen. [Die Welt, 12.01.2017]
Die Premierministerin hält nichts von der verbreiteten Politikerlust, um den heißen Brei herumzureden. [Die Zeit, 11.03.1988, Nr. 11]
b)
bildlich
Phrasem:
wie die Katze um den heißen Brei (herum)schleichen (= um das Wesentliche herumreden, sich davor scheuen, etw. (Unangenehmes) zur Sprache zu bringen)
Beispiele:
Bürgermeister, Ingenieure und der Fachmann […] von der Unteren Wasserbehörde schlichen bei der Bürgerversammlung in Rüdigheim wie die Katze um den heißen Brei, als aus dem Publikum die Frage nach den Kosten der Kläranlagensanierung […] gestellt wurde. [Frankfurter Rundschau, 28.01.2000]
Holt hatte das Gefühl, der Anwalt schleiche mit seinen Worten um ihn herum wie die Katze um den heißen Brei. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 339]
c)
sprichwörtlich
Phrasem:
viele Köche verderben den Brei (= wenn zu viele Personen an einer Sache arbeiten, kann sie nicht gelingen)
Beispiele:
Dass viele Köche den Brei verderben würden, ist ein altes Vorurteil. Auf Brauer angewendet, scheint es nicht zu stimmen – gerade in jüngster Zeit gibt es ja etliche »Collaboration Brews«, bei denen sich mehrere Braumeister am Sudkessel zusammenfinden, um ein gemeinsames Rezept zu brauen. [Der Standard, 11.02.2016]
32 verschiedene Köche verderben [beim Streetfood-Festival] absolut nicht den Brei, sondern zaubern in Garküchen […] herrliche Straßen-Gerichte. [Der Standard, 05.09.2015]
Entgegen dem Sprichwort »Viele Köche verderben den Brei« sind Gruppenurteile im allgemeinen richtiger als Einzelurteile, das heißt sie kommen der Wahrheit näher als die besten Einzelurteile. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 412]
2.
halbfeste, breiige, mitunter auch zähe Masse (aus einem oder mehreren Materialien)
Beispiele:
Ich habe […] einen Brei angerührt, der aus blauer Schuhcreme, Sattelseife, Bodylotion und Wachs besteht. Damit habe ich die [Auto-]Sitze eingepinselt und die feinen Risse im Leder wegbekommen. [Welt am Sonntag, 11.03.2018, Nr. 10]
Die meisten unter uns haben sich als Kind einmal mit Papiermaché auseinandergesetzt. Der Brei aus Papier und Kleister eignet sich hervorragend, um furchterregende Masken oder niedliche Skulpturen zu gestalten. [Neue Zürcher Zeitung, 10.07.2011]
Doch für die Spätaufsteher hat sich der weisse Flaum längst in braunen Matsch verwandelt, »Gatsch«, wie die Wiener diesen Brei aus Schmutz und schmelzendem Schnee nennen. [Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2002]
Drei Eimer [Fango] schüttet der Fanghino [Badeassistent für Fangobehandlungen] […] auf das Bett. 50 Grad heiß ist der Brei, der kühlt auf 39 bis 45 Grad herunter und umhüllt den Patienten 15 Minuten. [Berliner Zeitung, 17.11.2001]
Die aus Stampflehmerde gebauten Häuser – ein dicker Brei aus Lehm, Wasser und Maisstroh – sorgen im Sommer, wenn das Quecksilber (= das Thermometer) leicht die 50-Grad-Marke erreicht, für ein erträgliches Wohnklima. [Welt am Sonntag, 28.02.1999]
derb
Phrasem:
jmdn. zu Brei schlagen (= jmdn. gehörig verprügeln, töten)
Beispiele:
[Die philippinische Präsidentin] Arroyo sagte, jeder, der sich an einem Umsturz beteilige, werde »zu Brei geschlagen«. [Berliner Zeitung, 02.05.2001]
Ich würde ihr den letzten Heller pumpen und jeden zu Brei schlagen, der ihr was zuleide tut. [Morris, Gerda: Brigitte wehrt sich, Düsseldorf: Iltis 1952, S. 59]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Brei · breiig
Brei m. ‘dickflüssige Speise’. Die nur westgerm. Formen ahd. brīo, brī (9. Jh.), mhd. brīe, brī, mnd. mnl. brī, nl. brij, aengl. brīw (germ. *brīwa-) können sehr wahrscheinlich als ‘Sud, Gekochtes’ über ie. *bhrī- mit formantischem -u̯o- an die Wurzel ie. *bher(ə)- ‘aufwallen, in heftiger Bewegung sein’ (s. auch ↗braten, ↗brühen, ↗Brot, ↗brennen) angeschlossen werden. breiig Adj. ‘zähflüssig’ löst Anfang des 19. Jhs. älteres breiicht ab.

Thesaurus

Synonymgruppe
Brei · ↗Creme · ↗Mus · ↗Pudding · breiige Masse  ●  ↗Pampe  derb
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fladen Katz Katze Löffel Maismehl Mus Suppe anrühren dickflüssig dünnflüssig heiß herumgehen herumreden herumrühren herumschleichen klebrig stinkend sämig süß umschleichen undefinierbar ungenießbar verdaulich verderben verkochen vermengen verrühren zerquetschen zäh zähflüssig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Brei‹.

Zitationshilfe
„Brei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Brei>, abgerufen am 23.10.2019.

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