Blues, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Blues · Nominativ Plural: Blues · wird selten im Plural verwendet
Herkunftaus gleichbedeutend bluesamerik-engl
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
durch den typischen Einsatz sogenannter Blue Notes gekennzeichnete Musikrichtung von zumeist getragenem und melancholischem Charakter, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch die Verschmelzung afrikanischer, europäischer und karibischer Elemente als Form afroamerikanischer Folklore in den USA entstanden ist
Beispiele:
Mit »Lucille«, wie er [B. B. King] seine Gitarren liebevoll nannte, spielte und sang der schwarze Amerikaner den Blues so, wie er ihn als Kind im Mississippi-Delta gehört hat. [Die Zeit, 15.05.2015 (online)]
Von solchen Widrigkeiten handelt der Blues, der aus dem Süden der USA stammt und das Leiden am Leben zur musikalischen Kunstform erhoben hat. [Welt am Sonntag, 14.06.2015, Nr. 24]
Abschließend nahm das Quintett "All Blues" auf, einen weiteren Blues, der zwar dem herkömmlichen Schema aus zwölf Takten folgte aber im 6/8-Takt dahin floss und mit merkwürdigen Trillern am Klavier. [Die Welt, 10.08.2009]
Die Schwarzen sangen schwermütige Lieder und entwickelten im Laufe der Jahrzehnte den Blues, eine Gesangskultur, die sich immer weiter von den Gospelsongs mit ihren Verheissungen eines schöneren Jenseits entfernten. [Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2002]
Die Kraft der Gospel-Musik, der Spirituals und des Blues kommt aus einem Angstschrei, aus tiefster Seele. Diese Musik gab der ganzen Welt Lebenskraft. [Der Spiegel, 13.06.1988]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: schwarzer, weißer Blues; trauriger, erdiger, rauer, langsamer, echter, ursprünglicher Blues
als Akkusativobjekt: Blues spielen, singen, hören
in Koordination: Blues und Gospel, Jazz, Swing, Folk, Soul, Rock
als Genitivattribut: die Wurzel, Heimat, Hauptstadt des Blues; der Vater, der König, die Kaiserin des Blues
übertragen melancholische populäre Musik außerhalb des eigentlichen Blues (Lesart 1)
Beispiele:
Der Ursprung dieses »portugiesischen Blues« [des Fado] ist in den nostalgischen Gesängen der Seeleute im 18. Jahrhundert zu finden. [er Standard, 20.01.2014]
Es geht los mit einem Rembetiko-Intro, dem griechischen Blues der zwanziger Jahre, dem Sound der Knastis und Hafenarbeiter, die im Hasch-Delirium über Leid und Liebe singen. [Die Zeit, 18.05.2013, Nr. 21]
Lange, dunkle und kalte Winternächte, die Sehnsucht nach Licht und Leben – der Tango ist der Blues der Finnen, meint der weltbekannte finnische Regisseur Aki Kaurismäki. [Der Spiegel, 18.07.2005, Nr. 29]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: der portugiesische, griechische Blues
2.
umgangssprachlich den Blues haben, bekommen, kriegenmelancholische, depressive Stimmung
Beispiele:
[…] am Anfang wollte ich mir nicht eingestehen, dass ich den Blues hatte, ich schob solche Gedanken zur Seite. [Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2017]
Ich hab dir ja erzählt, dass ich auf der Tour zwischendurch den Blues hatte. Ich war wohl einfach auf Entzug. [Welt am Sonntag, 18.06.2017, Nr. 25]
Den Blues kann man weiß Gott auf viele Arten haben. Man kann die Schultern und den Kopf hängen lassen und in sein Bier weinen. Man kann die Brust rausstrecken und den Mond anheulen. [Der Standard, 12.06.2014]
Man könnte den Blues bekommen bei diesem Anblick. [Berliner Zeitung, 21.07.2005]
North Dakota soll so einsam sein, daß man unweigerlich den Blues kriegen muß. [Bild, 16.10.1998]
3.
langsamer nordamerikanischer Gesellschaftstanz im Viervierteltakt
Beispiele:
Vorherrschend [beim Gesellschaftstanz] sind Tänze im geraden Takt (z. B. Tango, Rumba, Onestep, Cakewalk, Foxtrott, Shimmy, Blues, Black-Bottom, Samba, Boogie-Woogie). [o. A.: T. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 10309]
Als Robert […] auf dem Faschingsball lieber mit Julia als mit mir Blues tanzte, musste ich mein Selbstbewusstsein monatelang mühsam vom Boden zusammenkratzen. [Bild am Sonntag, 30.11.2014, Nr. 48]
Eins sollte sich ändern: die Räume, in denen getanzt wird. Sie sind nämlich alle viel zu klein. Wo kann man heutzutage schon einen Blues tanzen[…]? [Die Zeit, 03.05.1956, Nr. 18]
[…] die wahrhaften Tänzer, die Tanzgenies und Tanztalente, die ehrgeizigen Dilettanten und die geborenen Favorits des Parketts, […] sie können natürlich schon die neuesten Blues und Foxtrotts, – trotzdem nehmen sie noch einmal Tanzstunde[…] [.] [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1926] ungewöhnl. Pl.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blues m. Gesellschaftstanz in langsamem Viervierteltakt. Übernahme (1. Hälfte 20. Jh.) aus dem Amerik.-Engl., wo die Bezeichnung ursprünglich ein schwermütiges Tanzlied der nordamerikanischen Negerfolklore bezeichnet. Die Herkunft ist ungeklärt. Es kann vielleicht eine Kurzform sein von blue notes ‘blaue Noten’ auf Grund der eine sentimentale Stimmung erzeugenden eigenartigen Klänge oder auch von blue devils ‘blaue Teufel’, womit die dämonischen Gaukelbilder gemeint sind, die dem in Ekstase Geratenen erscheinen können.

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
Blues [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ballade Bebop Boogie-Woogie Chanson Country Dixieland Folk Folklore Foxtrott Funk Gospel Hardrock HipHop Jazz Klassik Metal Punk Ragtime Rap Reggae Rhythm Rock Rockmusik Soul Spiritual Swing Tango Volksmusik Walzer erdig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Blues‹.

Zitationshilfe
„Blues“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Blues>, abgerufen am 16.10.2019.

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