Blasebalg, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Nebenform Blasbalg · Substantiv (Maskulinum)
WorttrennungBla-se-balg ● Blas-balg (computergeneriert)
WortzerlegungblasenBalg1
eWDG, 1967

Bedeutung

Gerät zum Erzeugen eines Luftstromes
Beispiele:
den Blasebalg der Orgel treten
mit dem Blasebalg das Feuer in der Schmiede anfachen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. ↗Ball und ↗Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu ↗Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb ↗blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amboß Esse Lunge Wind bedienen betätigen fauchen riesig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Blasbalg‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er pumpt mit einer Art Blasebalg Luft in das Gerät.
Die Zeit, 09.12.2013, Nr. 49
Auch verschmähte er es nicht, den mannshohen Blasebalg zu ziehen.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 151
Sie ist kurz vor dem Ziel und röchelt wie ein Blasebalg.
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2004
Als das Bett in der Box installiert war, legte der Anästhesist einen Blasebalg neben das Kissen.
Rothmann, Ralf: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991 [1991], S. 333
Er ließ den Blasebalg sinken und sah angestrengt in die glühenden Kohlen.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 192
Zitationshilfe
„Blasebalg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Blasebalg>, abgerufen am 19.05.2019.

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