Bildner, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bildners · Nominativ Plural: Bildner
Aussprache
WorttrennungBild-ner (computergeneriert)
Wortzerlegungbilden-er
Wortbildung mit ›Bildner‹ als Erstglied: ↗bildnerisch  ·  mit ›Bildner‹ als Letztglied: ↗Bühnenbildner · ↗Erwachsenenbildner · ↗Gebirgsbildner · ↗Humusbildner · ↗Jugendbildner · ↗Kostümbildner · ↗Lehrerbildner · ↗Lichtbildner · ↗Maskenbildner · ↗Meinungsbildner · ↗Menschenbildner · ↗Sporenbildner · ↗Stammbildner
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
selten, gehoben Gestalter, Former
Beispiele:
der Bildner künstlerischer Gefäße, Statuen
Manchmal ... hatten die Bildner dem Kopf [des Nero] Augen eingesetzt [Feuchtw.Nero65]
2.
veraltet Erzieher
Beispiel:
An einem schönen Maitage zieht die ganze schulpflichtige Jugend ... von ihren Bildnern geführt, ins Freie [DiesterwegSchriften1,189]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bilden · abbilden · ausbilden · einbilden · Einbildung · Einbildungskraft · eingebildet · Bildner · bildsam · Bildung
bilden Vb. ‘formen, gestalten, hervorbringen, darstellen, sein’, übertragen ‘erziehen, die geistigen Anlagen entwickeln’, ahd. biliden ‘formen, gestalten, zum Beispiel geben, nachahmen’ (9. Jh.) und bilidōn ‘abbilden, nachahmen, Vorbild sein, gestalten’ (8./9. Jh., vom 10. Jh. an vorherrschend), postnominale Ableitungen von ahd. bilidi (s. ↗Bild), fallen zusammen in mhd. bilden ‘mit Bildern verzieren, gestalten, nachbilden, vorstellen’ (vgl. gleichbed. mnd. bē̌lden, bilden und nl. beelden ‘bilden, abbilden, malen’). Das bis heute ein Formen realer Gegenstände, namentlich ein Gestalten visuell erfaßbarer Kunstwerke (bildende Kunst, 18. Jh., anfangs im Plur.) bezeichnende Verb findet im Sprachgebrauch der Mystiker auch Anwendung auf den geistig-seelischen Bereich; von der Mitte des 18. Jhs. an und besonders in der Klassik wird bilden zum Ausdruck für die Bestrebungen der bürgerlich-humanistischen Pädagogik; gleichzeitig werden daher auch das Part.adj. gebildet, das das Erziehungsergebnis kennzeichnet, und dessen Substantivierung der Gebildete üblich. Sich anschließende Präfixbildungen sind abbilden Vb. ‘im Bilde darstellen’ (16. Jh.; dazu Abbildung f. ‘bildliche Wiedergabe’, 2. Hälfte 16. Jh.); ausbilden Vb. ‘mit bestimmten Kenntnissen und Fertigkeiten versehen’, auch ‘entwickeln, formen’, mhd. ūʒbilden ‘eine Nachbildung zeigen’ (dazu Ausbildung f. ‘Schulung, Entwicklung’, 1. Hälfte 17. Jh.); einbilden Vb. reflexiv ‘sich der Wirklichkeit widersprechende Vorstellungen machen, sich etw. in den Kopf setzen’, mhd. īnbilden ‘einprägen, in der Seele abbilden’ (bei den Mystikern), im älteren Nhd. (reflexiv) noch allgemein ‘sich etw. vorstellen’, dann ‘sich falsche Vorstellungen machen’ (auch hinsichtlich des eigenen Wertes); dazu gehören Einbildung f. ‘falsche Vorstellung, Überheblichkeit’, mhd. īnbildunge ‘das Einbilden, In-die-Seele-Senken’, das Kompositum Einbildungskraft f. ‘Phantasie’ (1. Hälfte 17. Jh., vereinzelt im 16. Jh.) sowie das in jüngerer Zeit sich verselbständigende eingebildet Part.adj. ‘überheblich’ (17. Jh.). Bildner m. ‘Gestalter, Former’, ahd. bilidāri, bilideri ‘Bildner, Gestalter, Schöpfer’ (9. Jh.?), mhd. bildære, bildenære ‘Bildner, Schöpfer’, auch ‘Vorbild, Muster’, nhd. Bilder ‘Schöpfer’ noch bis ins 18. Jh. neben sich schließlich durchsetzendem Bildner, das jetzt auf die gehobene Ausdrucksweise beschränkt ist oder als zweites Kompositionsglied z. B. in Bühnen-, Kostüm-, Maskenbildner vorkommt. bildsam Adj. ‘formbar’, übertragen auch ‘für Lehren empfänglich, erziehbar’, vereinzelt spätmhd. bildsam ‘vorbildhaft’, nhd. in den heutigen Verwendungen seit Mitte des 18. Jhs. Bildung f. ‘der Vorgang des Entfaltens der geistigen Anlagen, des Erziehens sowie dessen Ergebnis’, auch ‘Schaffung, Formung’ und ‘Gestalt’, ahd. bilidunga ‘Widerschein, Abbild’ (11. Jh.), bei Notker (für lat. imāginātio) ‘Vorstellung, Vorstellungskraft’ (vgl. asächs. unbiliðunga ‘Unförmigkeit’, 11. Jh.), mhd. bildunge ‘Bildnis, Gestalt, Muster’, in der Mystik ‘Phantasie’; nhd. zunächst vor allem ‘bildliche Darstellung, Abbild’ und (sehr verbreitet im 18. Jh.) ‘Gestalt’, seit Mitte des 18. Jhs. (dem Verb bilden entsprechend, s. oben) auch ‘geistig-seelische Formung des Menschen, Erziehung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bildhauer · Bildner · ↗Plastiker · ↗Skulpteur · ↗Steinbildhauer · ↗Steinmetz
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dichter Erzieher Schöpfer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bildner‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gott tritt bei seiner schöpferischen Tätigkeit jedoch nicht durchweg als Bildner und Gestalter auf.
Khoury, Adel Theodor: Adam. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 56
Es fragt sich aber, ob ihm des Bildners Werk gefallen hätte.
Die Zeit, 05.11.1965, Nr. 45
Der Erzieher ist der Bildner, der Gestalter der selbstverantwortlichen Persönlichkeit.
Schumann, F. K.: Gehorsam. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 1911
Fühlte er sich nicht dem Bildner näher verwandt als dem Redner?
Hofmannsthal, Hugo von: Das Gespräch über Gedichte. In: Bertram, Mathias (Hg.), Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 28456
Aber er war ebenso, im sokratischen Sinn, ein Lehrer und Bildner seiner jüngeren Freunde.
Der Tagesspiegel, 29.04.2005
Zitationshilfe
„Bildner“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bildner>, abgerufen am 17.10.2019.

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