Biegung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Biegung · Nominativ Plural: Biegungen
WorttrennungBie-gung
Wortbildung mit ›Biegung‹ als Letztglied: ↗Straßenbiegung · ↗Wegbiegung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Stelle, an der die Richtung bogenförmig abweicht, Krümmung
Beispiele:
die Biegung der Straße
hinter der Biegung des Feldweges
an der Biegung des Flusses mündet ein Bach
die sanften Biegungen der Küstenlinie
die schöne Biegung des Halses, der Nase
2.
eine Biegung machenvon der bisherigen Richtung abgehen und eine andere einschlagen
Beispiele:
ein Fußgänger, das Auto macht eine Biegung
der Weg, Damm, die Talschlucht macht eine Biegung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

biegen · Biegung · Biege · biegsam · Biegsamkeit
biegen Vb. ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’ (reflexiv) ‘sich krümmen, sich beugen’, intransitive Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’, stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen). Ahd. biogan (8. Jh.), mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’ (und nicht gesichertes asächs. biogan) entspricht got. biugan ‘beugen’. In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl. asächs. būgan ‘sich beugen’, mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’, mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’, nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’, aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’ (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion). Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß). Germ. *beug-, *būg- setzt ie. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ. aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’ auf ie. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie griech. phé͞ugein (φεύγειν), lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt. Wahrscheinlich muß von einer Wurzel ie. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.). Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter ↗beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist, wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht; biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein. Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.). Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner ↗Bogen, ↗Bucht, ↗Bügel, ↗bücken (s. d.). Biegung f. ‘im Bogen verlaufende Stelle, Krümmung, Kurve’, namentlich in älterer Sprache auch als Vorgangsbezeichnung ‘das Biegen, Beugen’ (jetzt nur ‘bogenförmige Richtungsänderung’, vgl. eine Biegung machen), spätmhd. biegunge ‘das Beugen, Verbeugung’; als Fachwort der Grammatik (neben ↗Beugung, s. d.) seit dem 15. Jh. ‘Flexion’, so bis ins 18. Jh. und gelegentlich noch im 19. Jh. Biege f. ‘Kurve, Bogen’ (2. Drittel 20. Jh.), eine wohl im Jargon der Flieger aufkommende, scherzhaft-lässige Bildung, die nicht unmittelbar an älter nhd. (16. bis 18. Jh.) Biege f., mhd. biege f. ‘Beugung, Biegung, Neigung’ (zuvor ahd. biogo m. ‘Biegung, Krümmung, Bogen, Bucht’, 10. Jh.) anschließt. biegsam Adj. ‘leicht zu biegen, geschmeidig’, mit Bezug auf Charaktereigenschaften ‘äußeren Einflüssen zugänglich, fügsam’, vereinzelt im 15. Jh. nachzuweisen (md. byegsam, 1440), geläufig seit Ausgang des 17. Jhs.; dazu Biegsamkeit f. ‘Elastizität, Geschmeidigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Biegung · ↗Knick · ↗Krümmung · ↗Kurve · ↗Schleife (eines Flusses)
Unterbegriffe
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Beugung  ●  Biegung  ugs., österr. · ↗Flexion  fachspr., wissenschaftlich
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Biegung Ecke Fluß Gang Gasse Grad Hals Herz Hirn Kanal Kurve Körper Lastwechsel Straße Treppe Windung auftauchen beanspruchen begraben eng lauern nah nächst sanft scharf schmiegen umrunden verschwinden weich winden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Biegung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Licht blinzelt dann bei einer Biegung rechtzeitig um die Ecke.
Süddeutsche Zeitung, 12.03.2002
Behutsam folgt das Boot einer Biegung und stoppt dann plötzlich.
Der Tagesspiegel, 03.09.1999
Hinter der nächsten Biegung taucht plötzlich eine lang vergessene Welt auf.
Die Welt, 23.07.1999
Sogar eine leichte Biegung des Stiels erlaubte sie sich wieder.
Maron, Monika: Stille Zeile Sechs, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1991, S. 80
Der schmale Weg führte ziemlich steil zwischen hohen Bäumen hinan und machte in halber Höhe eine scharfe Biegung.
Trott, Magda: Puckis neue Streiche, Stuttgart: Titania (1951) [1920], S. 125
Zitationshilfe
„Biegung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Biegung>, abgerufen am 15.10.2019.

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