Biegsamkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungBieg-sam-keit (computergeneriert)
Wortzerlegungbiegsam-keit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

biegen · Biegung · Biege · biegsam · Biegsamkeit
biegen Vb. ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’ (reflexiv) ‘sich krümmen, sich beugen’, intransitive Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’, stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen). Ahd. biogan (8. Jh.), mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’ (und nicht gesichertes asächs. biogan) entspricht got. biugan ‘beugen’. In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl. asächs. būgan ‘sich beugen’, mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’, mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’, nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’, aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’ (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion). Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß). Germ. *beug-, *būg- setzt ie. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ. aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’ auf ie. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie griech. phé͞ugein (φεύγειν), lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt. Wahrscheinlich muß von einer Wurzel ie. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.). Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter ↗beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist, wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht; biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein. Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.). Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner ↗Bogen, ↗Bucht, ↗Bügel, ↗bücken (s. d.). Biegung f. ‘im Bogen verlaufende Stelle, Krümmung, Kurve’, namentlich in älterer Sprache auch als Vorgangsbezeichnung ‘das Biegen, Beugen’ (jetzt nur ‘bogenförmige Richtungsänderung’, vgl. eine Biegung machen), spätmhd. biegunge ‘das Beugen, Verbeugung’; als Fachwort der Grammatik (neben ↗Beugung, s. d.) seit dem 15. Jh. ‘Flexion’, so bis ins 18. Jh. und gelegentlich noch im 19. Jh. Biege f. ‘Kurve, Bogen’ (2. Drittel 20. Jh.), eine wohl im Jargon der Flieger aufkommende, scherzhaft-lässige Bildung, die nicht unmittelbar an älter nhd. (16. bis 18. Jh.) Biege f., mhd. biege f. ‘Beugung, Biegung, Neigung’ (zuvor ahd. biogo m. ‘Biegung, Krümmung, Bogen, Bucht’, 10. Jh.) anschließt. biegsam Adj. ‘leicht zu biegen, geschmeidig’, mit Bezug auf Charaktereigenschaften ‘äußeren Einflüssen zugänglich, fügsam’, vereinzelt im 15. Jh. nachzuweisen (md. byegsam, 1440), geläufig seit Ausgang des 17. Jhs.; dazu Biegsamkeit f. ‘Elastizität, Geschmeidigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Biegsamkeit · ↗Dehnbarkeit · ↗Elastizität · ↗Federkraft · ↗Spannkraft · ↗Unermüdlichkeit
Unterbegriffe
  • Entropieelastizität · Gummielastizität

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beweglichkeit Geschmeidigkeit Härte Sprache unendlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Biegsamkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An keiner Stelle sind die Halme geknickt, die kunstvolle Form folgt ihrer naturgegebenen Biegsamkeit.
Der Tagesspiegel, 17.10.1998
Die Union gefällt sich so in einer fix demonstrierten Biegsamkeit.
Die Zeit, 16.11.1973, Nr. 47
In diesem Fall stößt er an die Grenzen seiner Biegsamkeit.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 282
Haben Sie übrigens schon die erstaunliche Biegsamkeit meines Schwanzes bemerkt?
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 129
Der Stabhochsprung verlangt einen "ganzen Kerl", eine kräftige und feinfühlige Muskulatur neben entsprechender Schnelligkeit und Biegsamkeit.
Hoke, Ralph Johann u. Schmith, Otto: Grundlagen und Methodik der Leichtathletik, Leipzig: Barth 1937, S. 76
Zitationshilfe
„Biegsamkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Biegsamkeit>, abgerufen am 17.10.2019.

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