Biedermann, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungBie-der-mann
WortzerlegungbiederMann
Wortbildung mit ›Biedermann‹ als Erstglied: ↗Biedermannsgesicht · ↗Biedermannsmaske · ↗Biedermannsmiene · ↗Biedermannsstimme · ↗Biedermannston · ↗biedermännisch
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
veraltend ehrlicher, rechtschaffener Mensch
Beispiele:
ein achtbarer, wackerer Biedermann
unter der Maske eines Biedermannes auftreten
Frisch, Fährmann – Schaff' den Biedermann hinüber [SchillerTellI 1]
2.
abwertend Spießer
Beispiel:
Biedermann und die Brandstifter [FrischBiedermannTitel]
3.
abwertend Heuchler
Beispiel:
Gäbe es eine Hölle, für diese Biedermänner und Ehrenmänner wäre sie angebracht [Liliencron2,234]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bieder · biderb · anbiedern · Biederkeit · Biedermann · Biedermeier
bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, brauchbar’ (8. Jh.), mhd. biderbe, durch die Betonung auf der ersten Silbe verkürzt zu bider, asächs. bitherƀi, mnd. bederve ist eine alte Bildung zum Verbum ↗dürfen (s. d.) mit dem umgelauteten Vokal des Singulars (vgl. nhd. darf) und der (hier betonten) Vorsilbe ahd. bi- (s. ↗be-). Als Ursprungsbedeutung ist daher anzusetzen ‘dem Bedürfnis entsprechend’. bieder ist bis Ende des 16. Jhs. durchgehend bezeugt, wird im 17. Jh. selten, aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. (durch Klopstock, Lessing, Bürger u. a.) wieder geläufig; älteres biderb Adj. gilt teils historisierend, teils spöttisch bis zur Gegenwart. anbiedern Vb. ‘auf plumpe Weise um Sympathie werben’ (um 1800). Biederkeit f. vgl. ahd. bitherbī̌gheit (11. Jh.), mhd. biderbecheit, wie das Adjektiv bis ins 16. Jh. belegt, dann wieder seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. Biedermann m. ‘Spießer’, mhd. biderman ‘unbescholtener Mann’. Biedermeier n. Stilbezeichnung für Malerei, Literatur und Möbel der Zeit von etwa 1815 bis 1848, die, im Gegensatz zu den Ausdrucksformen des Vormärz, die ruhige, nach außen geschlossene Welt des Kleinbürgertums repräsentieren. Zugrunde liegt das von Eichrodt 1853 gebildete Pseudonym Biedermaier (aus Scheffels „Biedermanns Abendgemütlichkeit“ und „Bummelmaiers Klage“, 1848, unter dem er die kleinbürgerliche Haltung anprangert). Seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. wird Biedermeier für Spießer verwendet. Die Aufwertung zum Stilbegriff erfolgt vor allem durch die Jahrhundertausstellung 1906, vorwiegend durch den gediegenen Möbelstil der Biedermeierzeit veranlaßt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Biedermann · ↗Kleinbürger · Kleinkarierter · Konventionalist · ↗Philister · ↗Spießbürger · ↗Spießer · ↗Traditionalist
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Biedermann · ↗Gutmensch · ↗Moralapostel · ↗Moralprediger · ↗Sittenwächter · ↗Tugendbold  ●  Hüter von Sitte und Anstand  variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brandstifter Fassade Gewand Hang Image Maske Miene Reifen Schreibtischtäter bigott brav freundlich islamisch publizistisch scheinbar tarnen vermeintlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Biedermann‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Severus hatte kein Interesse, solange seine Gegner noch nicht niedergerungen waren, die Maske des konservativen Biedermannes fallenzulassen.
Pflaum, Hans-Georg: Das römische Kaiserreich. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20827
Er gilt als Biedermann mit Hut, sein Auto als »Kleinbürgerpanzer«.
Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 14
Die deutsche Revolution fand ein unwissendes Volk, eine Führerschicht bürokratischer Biedermänner.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 74
Wenn aber einer hinkt und blutet und still bleibt, will ihm kein Biedermann seine menschliche Schwäche angesehen haben.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 60
Mit eklem Finger blättert der Kontanthändler in den Bogen, die der reichsbuchhändlerische Biedermann ihm treuherzig darbietet und erklärt sie für unbrauchbar.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 28862
Zitationshilfe
„Biedermann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Biedermann>, abgerufen am 19.04.2019.

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