Besinnung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Besinnung · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBe-sin-nung (computergeneriert)
Wortzerlegungbesinnen-ung
Wortbildung mit ›Besinnung‹ als Erstglied: ↗Besinnungsaufsatz · ↗besinnungslos  ·  mit ›Besinnung‹ als Letztglied: ↗Neubesinnung · ↗Selbstbesinnung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Bewusstsein
Beispiele:
er lag ohne Besinnung am Boden
der Kranke war bei, ohne Besinnung, verlor die Besinnung
der Ohnmächtige kam wieder zur Besinnung, kehrte zur Besinnung zurück
man bemühte sich, den Bewusstlosen wieder zur Besinnung zu bringen
2.
ruhige Überlegung, ruhiges Nachdenken
Beispiele:
sie verlor für einen Augenblick die Besinnung, sodass sie nicht mehr wusste, was sie tat
wann wird er endlich zur Besinnung (= Vernunft, Einsicht) kommen?
diese Bemerkung brachte ihn zur Besinnung
die viele Arbeit ließ die Mutter nicht zur Besinnung kommen (= ließ die Mutter nicht zu sich kommen)
dieses Buch regt zur Besinnung an
Wenigstens hat er Besinnung genug gewahrt, sich Frist zu lassen [Feuchtw.Tag342]
Ohne Besinnung sprang er nach der Tür [HeyseI 3,89]
3.
entsprechend der Bedeutung von besinnen (Lesart 2)
Beispiel:
die Besinnung (= das Sichbesinnen) auf das Wesentliche
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Andacht · ↗Besinnlichkeit · Besinnung · Geistliche Übung · ↗Meditation
Assoziationen
Synonymgruppe
Besinnung · ↗Bewusstsein · ↗Wachzustand
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andacht Besinnung Einkehr Gebet Grundwert Kerngeschäft Kernkompetenz Kontemplation Meditation Muße Nachdenklichkeit Oase Ruhe Stille Stätte Tugend Umkehr Verkündigung Wurzel erkenntnistheoretisch geistlich hermeneutisch mahnen ontologisch philosophisch rauben selbstkritisch theologisch vorweihnachtlich wiederbringen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Besinnung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn etwas zu Ende geht, muss es eine Besinnung geben.
Der Tagesspiegel, 16.09.1999
Erst nach einigen Minuten der Besinnung fand er schließlich die Worte wieder.
Süddeutsche Zeitung, 24.05.1994
Besinnung ist für unsere Nation lebenswichtig, sie wäre heilsam, hilfreich, befreiend.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 268
Wieder zur Besinnung gelangt, flehte er den Major an, er möge ihn nicht verlassen, ehe er verbunden sei.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 71
Da begann die Besinnung in mir zu erwachen, und ich fing zu zittern an.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26157
Zitationshilfe
„Besinnung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Besinnung>, abgerufen am 22.04.2019.

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