Bescheidenheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Bescheidenheit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungBe-schei-den-heit (computergeneriert)
Wortzerlegungbescheiden2-heit
eWDG, 1967

Bedeutung

das Bescheidensein
entsprechend der Bedeutung von bescheiden2 (Lesart 1)
Beispiele:
von diesem Lob hat er aus (lauter) Bescheidenheit nichts erzählt
in aller Bescheidenheit darf ich daran erinnern, dass ...
umgangssprachlich bei aller Bescheidenheit möchte ich dich doch bitten, dass ...
das sagst du nur aus falscher Bescheidenheit
sie ist die Bescheidenheit selbst (= sie ist überaus bescheiden)
Bescheidenheit ist hier fehl, nicht am Platz
salopp, sprichwörtlich Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr
[er] bittet ihn mit rührender Bescheidenheit um die Erlaubnis, seiner Gattin das Manuskript ... verehren zu dürfen [St. ZweigBalzac281]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bescheiden · bescheiden · Bescheidenheit · Bescheid
bescheiden Vb. ‘eine Nachricht geben, eine Entscheidung mitteilen, etw. zuteilen, an einen bestimmten Ort bestellen’, (reflexiv) ‘sich begnügen, zufriedengeben’. Mhd. bescheiden ‘trennen, unterscheiden, erzählen, benachrichtigen, entscheiden, bestimmen, zu-, anweisen’, (reflexiv) ‘sich entscheiden, sich einrichten’, mnd. beschēden, bescheiden, ein geläufiges Wort der alten Rechtssprache (vgl. noch amtssprachliches abschlägig bescheiden), ist gebildet mit dem Präfix ↗be- (s. d.) zu dem unter ↗scheiden ‘trennen’ (s. d.) behandelten Verb. Die alte Form des Part. Prät. bleibt erhalten in bescheiden Part.adj. ‘genügsam, anspruchslos, nicht eingebildet, einfach, gering, mäßig’, mhd. bescheiden (den verschiedenen Bedeutungen des Verbs folgend) ‘bestimmt, festgesetzt, deutlich, einsichtsvoll, verständig, mäßig, rücksichtsvoll’; vgl. mhd. der bescheiden (‘festgesetzte’) tac, bescheidene (‘entschiedene’) worte, frühnhd. mein bescheiden (‘zugewiesener’) teil. Danach entwickelt sich bescheiden einerseits zu ‘unscheinbar, gering’ (16. Jh.), z. B. ein bescheiden Kleid, ein bescheidener (‘geringer’) Anteil, andrerseits (im Anschluß an ‘sich begnügen’) zu ‘genügsam, schlicht, mäßig’, oft mit dem Nebensinn ‘rücksichtsvoll, höflich’. Dazu Bescheidenheit f. ‘Genügsamkeit, Anspruchslosigkeit’, mhd. bescheidenheit ‘Verständigkeit, Vernunft, Mündigkeit, richterliche Entscheidung’, dann ‘das für die Bedürfnisse Ausreichende’ (15. Jh.). Bescheid m. ‘(amtliche) Mitteilung, Auskunft’, häufig Bescheid geben, sagen ‘etw. mitteilen, Auskunft geben’, Bescheid wissen ‘sich auskennen, unterrichtet sein’, mhd. bescheit m. n. ‘Bestimmung, Verabredung, Bedingung’; vgl. auch mhd. bescheide f. ‘Auseinandersetzung, Bedingung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anspruchslosigkeit · ↗Bedürfnislosigkeit · Bescheidenheit · ↗Genügsamkeit
Assoziationen
Architektur
Synonymgruppe
Bescheidenheit · ↗Einfachheit · ↗Funktionalität · ↗Nüchternheit · ↗Schlichtheit · ↗Schmucklosigkeit · ↗Schnörkellosigkeit · ↗Simplizität  ●  ↗Sparsamkeit  fig. · ↗Kargheit  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bescheidenheit · ↗Unaufdringlichkeit · ↗Unauffälligkeit · ↗Zurückhaltung · zurückhaltendes Wesen
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anflug Bodenständigkeit Demut Ehrlichkeit Einfachheit Fairness Fleiß Höflichkeit Schlichtheit Selbstbewußtsein Sparsamkeit Tugend Understatement Zier Zierde Zurückhaltung ansagen demonstrativ erzwungen falsch geboten gespielt kokett lohnpolitisch mahnen predigen sympathisch ungewohnt üben übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bescheidenheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allein seine Bescheidenheit versagte es ihm, das Dilemma in epischer Breite zu schildern.
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2002
In aller Bescheidenheit wies er darauf hin, dass er diesen Titel ja schon wiederholt vor Augen gehabt hatte.
Der Tagesspiegel, 17.05.2002
In aller Bescheidenheit, ohne uns wäre das alles nicht möglich gewesen.
Der Spiegel, 11.10.1993
Wenigstens auf geistigem Gebiet legt die herrschende Klasse eine angenehme Bescheidenheit an den Tag.
konkret, 1984
Die Bescheidenheit würde nun heißen, dabei mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Wirkung zu erzielen.
o. A.: Reichsparteitag der NSDAP: Kulturtagung im Nürnberger Opernhaus, 11.09.1935
Zitationshilfe
„Bescheidenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bescheidenheit>, abgerufen am 26.04.2019.

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