Belanglosigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungBe-lang-lo-sig-keit (computergeneriert)
Wortzerlegungbelanglos-igkeit
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Unwichtigkeit, Bedeutungslosigkeit
2.
belanglose Sache, Äußerung; Lappalie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

belangen · anbelangen · Belang · belanglos · Belanglosigkeit
belangen Vb. ‘verklagen, zur Verantwortung ziehen’, bei (heute veraltetem) unpersönlichem Gebrauch ‘angehen, betreffen’. Ahd. bilangēn (11. Jh.), mhd. belangen, blangen, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. langēn, mhd. langen (zu ↗lang, s. d.), heißt (unpersönlich, meist mit Genitiv) ‘es verlangt, gelüstet jmdn. wonach’. Diese Verwendung geht (bis auf Reste in obd. Mundarten) im Frühnhd. unter. Im Mhd. und Mnd. entwickelt sich die Bedeutung ‘erreichen, sich erstrecken’ (vgl. ahd. gilangōn), an die sich ‘zur Verantwortung ziehen’ (als Rechtsausdruck mnd. und vom 15. Jh. an frühnhd., jetzt allgemein verbreitet) und ‘angehen, betreffen’ (15. Jh.; vgl. nl. belangen ‘betreffen’, engl. to belong ‘gehören, in Beziehung stehen’) anschließen. anbelangen Vb. ‘angehen, betreffen’, bereits im 15. Jh. neben gleichbed. belangen und anlangen stehend (vgl. entsprechendes nl. aanbelangen ‘betreffen’), verdrängt in dieser Bedeutung einfaches belangen zunehmend seit dem 18. Jh. Belang m. ‘Bedeutung, Wichtigkeit’. Mhd. belanc ‘Verlangen’, rückgebildet aus mhd. belangen ‘verlangen, gelüsten’, lebt nur noch im Frühnhd. bis zum 16. Jh. weiter. Gleichbed. mnl. belanc bildet daneben die Variante ‘Vorteil, Gewinn’ aus, zu der sich mnd. belanc ‘Bedeutung, Interesse’ stellt. In diesem Sinne erscheint nhd. Belang vor allem in Fügungen wie von (geringem, hohem, keinem) Belang, ohne Belang seit Mitte des 18. Jhs. im Hd., zunächst im Kanzleistil, dann auch, namentlich durch Lessings Einfluß, im allgemeinen Sprachgebrauch. Im 20. Jh. breitet sich die schon im 19. Jh. vorkommende Verwendung des Plur. Belange als ‘Interessen, Angelegenheiten’ rasch aus. belanglos Adj. ‘bedeutungslos, unwichtig’, Ende des 19. Jhs. zu Belang gebildet, sehr gebräuchlich im 20. Jh.; dazu Belanglosigkeit f. ‘Unwichtigkeit’, auch ‘unbedeutende Sache’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe
Banalität · ↗Bedeutungslosigkeit · Belanglosigkeit · ↗Gehaltlosigkeit · ↗Irrelevanz · ↗Nichtigkeit · ↗Plattheit · ↗Trivialität · ↗Unwichtigkeit  ●  ↗Schnickschnack  ugs.
Assoziationen
  • Stereotyp · ↗Topos · feste Fügung · fester Begriff · gängige Vorstellung · stehender Begriff
Synonymgruppe
Bagatelle · ↗Banalität · Belanglosigkeit · ↗Geringfügigkeit · ↗Kleinigkeit · ↗Lappalie · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Nichtigkeit · ↗Petitesse · Unwichtiges · ↗Unwichtigkeit · keine große Geschichte · keine große Sache  ●  Sturm im Wasserglas  fig. · ↗Fliegenschiss  derb, fig. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kinkerlitzchen  ugs. · ↗Kleckerkram  ugs. · Kleinkleckerkram  ugs. · ↗Kleinkram  ugs. · ↗Marginalie  geh. · ↗Peanuts  ugs., engl. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quisquilien (Plur., lat.)  geh. · Schnullibulli  ugs. · Tüddelkram  ugs., norddeutsch, variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absturz Alltag Austausch Beliebigkeit Meer Niveau Oberflächlichkeit ablenken architektonisch austauschen bewahren freundlich heiter hübsch künstlerisch relativ scheinbar versinken völlig überbieten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Belanglosigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann plaudert er über ein paar Belanglosigkeiten aus seinem Leben.
Die Zeit, 23.02.2009, Nr. 08
Statt dessen versinkt er mit der Zeit immer mehr in langweiliger Belanglosigkeit.
Die Welt, 06.05.1999
Während Klein einige Belanglosigkeiten mit Maul austauschte, brachte sie es kaum über sich, dem Professor die Hand zu geben.
Hettche, Thomas: Der Fall Arbogast, Köln: DuMont Buchverlag, 2001, S. 237
Für den Rest der Fahrt, die noch gute zwanzig Minuten dauerte, sprachen sie über irgendwelche Belanglosigkeiten.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 164
Das waren Belanglosigkeiten, aber sie waren im Interesse der Verteidigung Deutschlands dringend nötig.
o. A.: Einhundertvierunddreißigster Tag. Montag, 20. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 22752
Zitationshilfe
„Belanglosigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Belanglosigkeit>, abgerufen am 21.04.2019.

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