Bedarf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bedarf(e)s · Nominativ Plural: Bedarfe
Der Plural Bedarfe ist fachsprachlich und wird überwiegend in der Wirtschaftswissenschaft und mittlerweile auch in der Verwaltungssprache verwendet. Trotz steigender Tendenz kommt der Plural im Vergleich zum Singular noch selten vor.
WorttrennungBe-darf
Grundformbedürfen
Wortbildung mit ›Bedarf‹ als Erstglied: ↗Bedarfsartikel · ↗Bedarfsbefriedigung · ↗Bedarfsdeckung · ↗Bedarfsermittlung · ↗Bedarfsfall · ↗Bedarfsforschung · ↗Bedarfsgegenstand · ↗Bedarfsgut · ↗Bedarfshalt · ↗Bedarfshaltestelle · ↗Bedarfsspitze · ↗Bedarfsträger · ↗Bedarfsweckung · ↗bedarfsgerecht · ↗bedarfsorientiert
 ·  mit ›Bedarf‹ als Letztglied: ↗Arbeitskräftebedarf · ↗Bevölkerungsbedarf · ↗Bürobedarf · ↗Eigenbedarf · ↗Gesamtbedarf · ↗Hausbedarf · ↗Kapitalbedarf · ↗Lebensbedarf · ↗Massenbedarf · ↗Mehrbedarf · ↗Mindestbedarf · ↗Monatsbedarf · ↗Nachholbedarf · ↗Reisebedarf · ↗Schneidereibedarf · ↗Schreibbedarf · ↗Selbstbedarf · ↗Siedlerbedarf · ↗Sofortbedarf · ↗Stoßbedarf · ↗Tagesbedarf · ↗Tischlereibedarf · ↗Weltbedarf · ↗Wochenbedarf
 ·  mit ›Bedarf‹ als Grundform: ↗-bedarf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Nachfrage nach Dingen, deren man bedarf
Beispiele:
die Stromerzeugung ist dem steigenden Bedarf der Wirtschaft nicht gewachsen
der Bedarf an Elektroenergie hat sich verdoppelt
der große Bedarf eines Bezirks an Baustoffen
Material ist über Bedarf vorhanden
bei künftigem Bedarf
neuen Bedarf anmelden
die Produktion auf den Bedarf abstimmen
den (dringendsten) Bedarf an Lebensmitteln decken
diese Menge reicht kaum für den häuslichen Bedarf
die vielen kleinen Dinge des täglichen Bedarfs
der gehobene Bedarf (= der Bedarf an Luxuswaren)
haben Sie noch Bedarf an Käse? (= brauchen Sie noch Käse?)
ich habe keinen Bedarf
da der Bedarf des In- und Auslandes an Soda die Produktion bei weitem übersteigt [Wissenschaft und Fortschritt1956]
bildlich
Beispiel:
salopp mein Bedarf ist gedeckt (= mir reicht es)
bei Bedarfwenn man es braucht, wenn es nötig ist
Beispiel:
die Straßenbahn hält hier nur bei Bedarf
(je) nach Bedarfje nachdem, wie man es braucht
Beispiele:
mit dieser Küchenmaschine kann man je nach Bedarf Gemüse schneiden oder Teig rühren
jeder kann Pfeffer und Salz nach Bedarf nehmen
2.
Dinge, deren man bedarf
Beispiele:
den gesamten Bedarf liefern
was ich jetzt an nötigem Bedarf zusammenpacken kann [RaabeIII 3,598]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bedürfen · Bedürfnis · bedürfnislos · Bedürfnislosigkeit · bedürftig · Bedürftigkeit · Bedarf
bedürfen Vb. ‘brauchen, nötig haben’, ahd. bithurfan ‘bedürftig sein, brauchen, bedürfen’ (um 800), mhd. bedurfen, bedürfen, mnd. bedörven, bederven, bedarven stimmen mit der alten Bedeutung des Simplex ↗dürfen (s. d.) überein; auch sie werden von Anfang an vor allem mit dem Genitiv verbunden (es bedurfte keiner Worte, der Ruhe bedürfen). Bedürfnis n. ‘Verlangen, Wunsch’, frühnhd. bedürfnisse (15. Jh.), mnd. bederfnisse, auch ‘Mangel, Dürftigkeit’; verhüllend sein Bedürfnis (‘seine Notdurft’) befriedigen, verrichten (19. Jh.). bedürfnislos Adj. ‘genügsam’ (Ende 18. Jh.); Bedürfnislosigkeit f. (Anfang 19. Jh.). bedürftig Adj. ‘arm, Mangel leidend, mittellos’, in der Wendung einer Sache, jmds. bedürftig sein ‘etw., jmdn. brauchen, nötig haben’; ahd. bithurftīg (Hs. 13. Jh.), spätmhd. bedurftic. Vgl. zu Anfang des 17. Jhs. bezeugtes, heute untergegangenes Bedurft f. ‘Bedürfnis’. Im Sinne von ‘notleidend’ begegnet das Adjektiv oft substantiviert die Bedürftigen Plur. Zu der letztgenannten Bedeutung ist Bedürftigkeit f. ‘Mangel, Armut’ (Mitte 16. Jh.) gebildet. Bedarf m. ‘Erfordernis, Nachfrage’, das die gleiche Ablautstufe wie der Singular des präterital gebildeten Präsens von bedürfen aufweist, wird im 16. Jh. aus mnd. bedarf, bederf ‘Notdurf, Mangel’ ins Hd. übernommen. Anfangs nur in der Kanzleisprache üblich, setzt sich Bedarf im 18. Jh. als Ausdruck der Handelssprache im Sinne von ‘Dinge, derer man bedarf’ allgemein gegenüber der alten Bedeutung ‘Mangel’ durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedarf · ↗Bedürfnis · ↗Begehren · ↗Begierde · ↗Drang · ↗Gier · ↗Sehnen · ↗Sehnsucht · ↗Verlangen · ↗Wunsch  ●  ↗Durst  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anforderung · ↗Anspruch · Bedarf · ↗Erfordernis · ↗Forderung · ↗Funktionalität
Assoziationen
Ökonomie
Synonymgruppe
Bedarf · ↗Nachfrage
Unterbegriffe
  • Gesamtnachfrage · aggregierte Nachfrage · gesamtwirtschaftliche Nachfrage

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitskraft Deckung Fachkraft Gut Ware Wohnraum abdecken anmelden anpassen ausbilden befriedigen bestehen decken dringend enorm erhöht ermitteln gehoben gestiegen orientieren riesig steigend tatsächlich täglich vordringlich vorhanden wachsen wachsend zusätzlich übersteigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bedarf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei den zukünftigen Bedarfen steht die Sicherheit an erster Stelle.
Die Zeit, 06.02.2012 (online)
Jetzt sieht sein Haus keinen Bedarf mehr für eine spezielle Beratung.
Der Tagesspiegel, 03.03.2005
Sie waren auffallend realistisch konzipiert auf einen bestimmten sozialen Bedarf hin.
o. A.: Lexikon der Kunst - W. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 31337
Ich bin gezwungen, mich nach Bedarf der Operationen räumlich zu verlegen.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 197
Der militärische Bedarf ist noch immer sehr bedeutend und auch der private Bedarf läßt wenig zu wünschen übrig.
Mitteilungen des Vereins Deutscher Reklamefachleute, 1915, Nr. 12
Zitationshilfe
„Bedarf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bedarf>, abgerufen am 24.08.2019.

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