Bauer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bauern/Bauers · Nominativ Plural: Bauern
WorttrennungBau-er
Wortzerlegungbauen2-er
Wortbildung mit ›Bauer‹ als Erstglied: ↗Bauernanwesen · ↗Bauernarbeit · ↗Bauernart · ↗Bauernaufstand · ↗Bauernbefreiung · ↗Bauernbengel · ↗Bauernbett · ↗Bauernbevölkerung · ↗Bauernbewegung · ↗Bauernblut · ↗Bauernbrot · ↗Bauernbub · ↗Bauernbund · ↗Bauernbursche · ↗Bauernbutter · ↗Bauernbühne · ↗Bauerndichter · ↗Bauerndichtung · ↗Bauerndirne · ↗Bauerndorf · ↗Bauernerhebung · ↗Bauernfamilie · ↗Bauernfang · ↗Bauernflegel · ↗Bauernfrau · ↗Bauernfrühstück · ↗Bauernfuhre · ↗Bauernfuhrwerk · ↗Bauernfußball · ↗Bauernfänger · ↗Bauernführer · ↗Bauerngarten · ↗Bauerngehöft · ↗Bauerngeschlecht · ↗Bauerngeschmack · ↗Bauerngestalt · ↗Bauerngut · ↗Bauernhauptmann · ↗Bauernhaus · ↗Bauernheer · ↗Bauernhochzeit · ↗Bauernhof · ↗Bauernhufe · ↗Bauernhütte · ↗Bauernjunge · ↗Bauernkaff · ↗Bauernkalender · ↗Bauernkind · ↗Bauernkittel · ↗Bauernknecht · ↗Bauernkolonie · ↗Bauernkomödie · ↗Bauernkost · ↗Bauernkrieg · ↗Bauernkunst · ↗Bauernküche · ↗Bauernlackel · ↗Bauernland · ↗Bauernlegen · ↗Bauernleinen · ↗Bauernlümmel · ↗Bauernmagd · ↗Bauernmarkt · ↗Bauernmassen · ↗Bauernmädchen · ↗Bauernmädel · ↗Bauernmöbel · ↗Bauernnatur · ↗Bauernofen · ↗Bauernopfer · ↗Bauernpartei · ↗Bauernpelz · ↗Bauernpfiffigkeit · ↗Bauernpflaume · ↗Bauernpräsident · ↗Bauernregel · ↗Bauernroman · ↗Bauernsame · ↗Bauernschaft · ↗Bauernschenke · ↗Bauernschinder · ↗Bauernschlauheit · ↗Bauernschlitten · ↗Bauernschlägerei · ↗Bauernschläue · ↗Bauernschuh · ↗Bauernschwank · ↗Bauernschädel · ↗Bauernschänke · ↗Bauernsitte · ↗Bauernsohn · ↗Bauernspitz · ↗Bauernspruch · ↗Bauernstaat · ↗Bauernstand · ↗Bauernsterben · ↗Bauernstolz · ↗Bauernstube · ↗Bauernstuhl · ↗Bauernstück · ↗Bauerntanz · ↗Bauerntheater · ↗Bauerntochter · ↗Bauerntracht · ↗Bauerntrampel · ↗Bauerntrine · ↗Bauerntum · ↗Bauerntölpel · ↗Bauernunruhen · ↗Bauernverband · ↗Bauernversammlung · ↗Bauernvolk · ↗Bauernwagen · ↗Bauernweib · ↗Bauernweisheit · ↗Bauernwetzel · ↗Bauernwiege · ↗Bauernwirtschaft · ↗Bauernzimmer · ↗Bauersame · ↗Bauersfrau · ↗Bauersleute · ↗Bauersmann · ↗Bäuerchen2 · ↗Bäuerin · ↗Bäuerlein · ↗Bäurin · ↗bauernfeindlich · ↗bauernschlau · ↗bäuerisch · ↗bäurisch
 ·  mit ›Bauer‹ als Letztglied: ↗Ackerbauer · ↗Altbauer · ↗Arbeiterbauer · ↗Bergbauer · ↗Biobauer · ↗Doppelbauer · ↗Einzelbauer · ↗Einödbauer · ↗Erbbauer · ↗Erbhofbauer · ↗Flachsbauer · ↗Freibauer · ↗Fronbauer · ↗Gebirgsbauer · ↗Genossenschaftsbauer · ↗Großbauer · ↗Heidebauer · ↗Hopfenbauer · ↗Hörndlbauer · ↗Kappesbauer · ↗Kartoffelbauer · ↗Kleinbauer · ↗Kolchosenbauer · ↗Kollektivbauer · ↗Kuhbauer · ↗Körndlbauer · ↗Marschbauer · ↗Marschenbauer · ↗Meisterbauer · ↗Milchbauer · ↗Mistbauer · ↗Mittelbauer · ↗Neubauer · ↗Obstbauer · ↗Parzellenbauer · ↗Rautenbauer · ↗Reisbauer · ↗Saubauer · ↗Vollbauer · ↗Waldbauer · ↗Weinbauer · ↗Zinsbauer
 ·  mit ›Bauer‹ als Binnenglied: ↗Arbeiter-und-Bauern-Fakultät  ·  mit ›Bauer‹ als Grundform: ↗verbauern
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Berufsbezeichnung   jmd., der Grund und Boden bewirtschaftet, um landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen
Beispiele:
der Bauer pflügt, bestellt den Acker, geht sein Feld ab, fährt die Ernte ein, drischt das Korn aus
der Bauer liefert uns unsere Nahrung
ein einfacher, kleiner, schlichter, simpler, schlauer, tüchtiger, plumper, vierschrötiger, sesshafter Bauer
stolze, reiche, (land)arme Bauern
die Klasse der werktätigen Bauern
eine Regierung der Arbeiter und Bauern
die Kinder von Arbeitern und Bauern
dem Bauern bei der Ernte helfen
den Bauern unterstützen
die schwere Arbeit, das Los des Bauern
Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot [ChamissoRiesenspielzeug]
Das in der Sprache wirksame Weltbild des Bauers [HenzenSchriftsprache35]
Schimpfwort, übertragen ungebildeter, ungehobelter Mensch
Beispiele:
so ein Bauer!
salopp, sprichwörtlich die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln (= Glück hängt nicht von Klugheit ab)
2.
Schach geringste Figur
Beispiel:
ein Bauer kann den König mattsetzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bauen · Bauer1 · erbauen
bauen Vb. ‘errichten, anpflanzen’. Ursprünglich reduplizierendes Verb mit intervokalischem -w-, ahd. būwan, būwen ‘wohnen, bewohnen, Ackerbau treiben’ (8. Jh.), mhd. būwen, biuwen, bouwen ‘wohnen, Ackerbau treiben, errichten’, asächs. būan, būwan, mnd. būwen ‘(Häuser) bauen, errichten, bebauen, bewohnen’, mnl. bauwen, būwen, nl. bouwen, aengl. būan, bū(w)ian, anord. būa ‘wohnen, ausrüsten’ gehört wie ↗Bau (s. d.) zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə-, got. bauan ‘wohnen, bewohnen’, gabauan ‘Wohnung aufschlagen’ dagegen zur Ablautform *bhōu̯-. Die Bedeutung der Wurzel ist wohl ‘wachsen, gedeihen’ (im Sinne von ‘schwellen’, sofern ursprüngliche Verwandtschaft mit der Wurzel ie. *b(e)u-, *bh(e)u-, *b(h)ū- besteht, s. ↗Bausch, ↗Beule, ↗Busen), dann ‘entstehen, werden, sein’, schließlich ‘gewohnheitsmäßig an einem Ort sein, wohnen’. Außergerm. stellen sich dazu aind. bhávati ‘wird, entsteht, ist’, bhavanam ‘Wohnung, Heim’, bhū́ḥ ‘Welt, Ort’, griech. phýein (φύειν) ‘wachsen lassen’, phýsis (φύσις) ‘Natur’, phī́ty (φῖτυ) ‘Keim, Sproß’, phōleós (φωλεός) ‘Lager, Höhle wilder Tiere’, lat. fuisse ‘gewesen sein’, aslaw. byti ‘sein, werden’, russ. byt’ (быть), lit. bū́ti ‘sein’; vgl. auch nhd. bin, bist (s. ↗sein). Heute überwiegt bei bauen die Bedeutung ‘(ein Haus) errichten’ (entsprechend Bau ‘Errichtung, Gebäude’), während ‘Ackerbau treiben, das Feld bestellen’ weitgehend von Präfixbildungen übernommen wird: anbauen Vb. (15. Jh.), bebauen Vb., ahd. bibūwan ‘bewohnen’ (9. Jh.), mhd. bebūwen ‘das Feld bestellen’ (14. Jh.). Hierzu auch das in Bildungen wie Ackerbauer, Erbauer usw. erhaltene Nomen agentis Bauer1 m. ahd. bū(w)āri ‘Bewohner, Siedler, Landmann’ (9. Jh.), mhd. būwære, bouwære ‘Bauer, Erbauer’, mnd. būwer. erbauen Vb. ‘be-, an-, aufbauen’, übertragen (in Anlehnung an kirchenlat. aedificāre, bibl.-griech. oikodomeῖn (οἰκοδομεῖν) ‘im Glauben stärken, geistig fördern’, mhd. erbūwen, erbiuwen.

Bauer2 · Vogelbauer
Bauer2 n. m. ‘Vogelkäfig’. In ahd. būr n., auch m.? ‘Wohnung, Vorratshaus, Keller’ (8. Jh.), mhd. būr m. ‘Vogelkäfig’, mnd. būr n. ‘Gehäuse, Käfig’, mnl. buur n. m. ‘Wohnung’, aengl. būr n. ‘Hütte, Zimmer’, anord. būr n. ‘Stube, Vorratshaus’, schwed. bur liegt ein Substantiv (germ. *būra-) mit dem Suffix ie. -ro- zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə- (s. ↗bauen) vor. Vogelbauer n. m. (15. Jh.).

Bauer3 · Neubauer · Bäuerin · bäurisch · bäuerlich
Bauer3 m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter ↗Bauer behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. ↗Genosse, ↗Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. Neubauer m. im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f. mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bauer  derb · ↗Stoffel  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Agrarier · Bauer · ↗Farmer · ↗Grundbesitzer · ↗Landwirt · ↗Pflanzer · ↗Sämann  ●  ↗Kossäte  norddeutsch · ↗Landmann  veraltend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Bauerntölpel  ●  ↗Hillbilly  engl. · Hillybilly  engl. · ↗Bauerntrampel (abwertend)  ugs.
  • auf dem Dorf · auf dem Land · auf dem Lande · auf dem flachen Land · auf dem flachen Lande · auf dem platten Land · auf dem platten Lande · im ländlichem Raum
  • Deutscher Bauernkrieg · Revolution des gemeinen Mannes
Synonymgruppe
Bauer (Kartenspiel) · ↗Bube · ↗Junge · ↗Unter (Kartenspiel) · Wünscher
Synonymgruppe
Bauer · ↗Käfig
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Barbar · ↗Grobian · ↗Raubein · ↗Rohling · Wilder · ungehobelter Kerl  ●  wildes Tier  fig. · Bauer  ugs. · grober Klotz  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeiter Bezirksausschußvorsitzende Bäuerin Dorf Einkommen Fischer Handwerker Hirt Hof Jäger Landarbeiter Millionär Sohn Subvention Traktor Umgebung anbauen arm aufgebracht aufständisch bayerisch betroffen einheimisch ernten französisch landlos polnisch protestieren reich werktätig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bauer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ziel ist es, die Bauern künftig durch garantierte Preise ans Unternehmen zu binden.
Die Zeit, 02.07.1998, Nr. 28
Unsere Bauern brauchen sich dabei nicht in Schulden zu stürzen.
Der Spiegel, 16.02.1981
Ich hatte immer gedacht, im Alter so etwas wie ein Bauer zu werden.
Böll, Heinrich: Billard um halb zehn, Leipzig: Insel-Verl. 1961 [1959], S. 178
Und so legt der Mann, der eine Stelle in der Industrie erhalten hat, seine Arbeit bei dem Bauern nieder.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 406
Die boshaften Reden des Bauern gingen an seinen Ohren vorbei.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 320
Zitationshilfe
„Bauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bauer#1>, abgerufen am 24.08.2019.

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Bauer, das oder der

GrammatikSubstantiv (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Bauers · Nominativ Plural: Bauer
WorttrennungBau-er
Wortbildung mit ›Bauer‹ als Letztglied: ↗Drahtbauer · ↗Holzbauer · ↗Messingbauer · ↗Vogelbauer
 ·  mit ›Bauer‹ als Grundform: ↗Gebauer
eWDG, 1967

Bedeutung

Vogelkäfig
Beispiele:
der Stieglitz, Wellensittich saß in seinem Bauer, hüpfte im Bauer auf und nieder
ein großes, vergoldetes Bauer
das Bauer aufmachen, zumachen, mit einem Tuch bedecken
durch die Stäbe des Bauers blicken
Radlauf ... machte ihm [dem Star] den Bauer auf [BrentanoRadlauf11,19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bauen · Bauer1 · erbauen
bauen Vb. ‘errichten, anpflanzen’. Ursprünglich reduplizierendes Verb mit intervokalischem -w-, ahd. būwan, būwen ‘wohnen, bewohnen, Ackerbau treiben’ (8. Jh.), mhd. būwen, biuwen, bouwen ‘wohnen, Ackerbau treiben, errichten’, asächs. būan, būwan, mnd. būwen ‘(Häuser) bauen, errichten, bebauen, bewohnen’, mnl. bauwen, būwen, nl. bouwen, aengl. būan, bū(w)ian, anord. būa ‘wohnen, ausrüsten’ gehört wie ↗Bau (s. d.) zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə-, got. bauan ‘wohnen, bewohnen’, gabauan ‘Wohnung aufschlagen’ dagegen zur Ablautform *bhōu̯-. Die Bedeutung der Wurzel ist wohl ‘wachsen, gedeihen’ (im Sinne von ‘schwellen’, sofern ursprüngliche Verwandtschaft mit der Wurzel ie. *b(e)u-, *bh(e)u-, *b(h)ū- besteht, s. ↗Bausch, ↗Beule, ↗Busen), dann ‘entstehen, werden, sein’, schließlich ‘gewohnheitsmäßig an einem Ort sein, wohnen’. Außergerm. stellen sich dazu aind. bhávati ‘wird, entsteht, ist’, bhavanam ‘Wohnung, Heim’, bhū́ḥ ‘Welt, Ort’, griech. phýein (φύειν) ‘wachsen lassen’, phýsis (φύσις) ‘Natur’, phī́ty (φῖτυ) ‘Keim, Sproß’, phōleós (φωλεός) ‘Lager, Höhle wilder Tiere’, lat. fuisse ‘gewesen sein’, aslaw. byti ‘sein, werden’, russ. byt’ (быть), lit. bū́ti ‘sein’; vgl. auch nhd. bin, bist (s. ↗sein). Heute überwiegt bei bauen die Bedeutung ‘(ein Haus) errichten’ (entsprechend Bau ‘Errichtung, Gebäude’), während ‘Ackerbau treiben, das Feld bestellen’ weitgehend von Präfixbildungen übernommen wird: anbauen Vb. (15. Jh.), bebauen Vb., ahd. bibūwan ‘bewohnen’ (9. Jh.), mhd. bebūwen ‘das Feld bestellen’ (14. Jh.). Hierzu auch das in Bildungen wie Ackerbauer, Erbauer usw. erhaltene Nomen agentis Bauer1 m. ahd. bū(w)āri ‘Bewohner, Siedler, Landmann’ (9. Jh.), mhd. būwære, bouwære ‘Bauer, Erbauer’, mnd. būwer. erbauen Vb. ‘be-, an-, aufbauen’, übertragen (in Anlehnung an kirchenlat. aedificāre, bibl.-griech. oikodomeῖn (οἰκοδομεῖν) ‘im Glauben stärken, geistig fördern’, mhd. erbūwen, erbiuwen.

Bauer2 · Vogelbauer
Bauer2 n. m. ‘Vogelkäfig’. In ahd. būr n., auch m.? ‘Wohnung, Vorratshaus, Keller’ (8. Jh.), mhd. būr m. ‘Vogelkäfig’, mnd. būr n. ‘Gehäuse, Käfig’, mnl. buur n. m. ‘Wohnung’, aengl. būr n. ‘Hütte, Zimmer’, anord. būr n. ‘Stube, Vorratshaus’, schwed. bur liegt ein Substantiv (germ. *būra-) mit dem Suffix ie. -ro- zur Ablautform ie. *bhū- der Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə- (s. ↗bauen) vor. Vogelbauer n. m. (15. Jh.).

Bauer3 · Neubauer · Bäuerin · bäurisch · bäuerlich
Bauer3 m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter ↗Bauer behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. ↗Genosse, ↗Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. Neubauer m. im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f. mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bauer  derb · ↗Stoffel  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Agrarier · Bauer · ↗Farmer · ↗Grundbesitzer · ↗Landwirt · ↗Pflanzer · ↗Sämann  ●  ↗Kossäte  norddeutsch · ↗Landmann  veraltend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Bauerntölpel  ●  ↗Hillbilly  engl. · Hillybilly  engl. · ↗Bauerntrampel (abwertend)  ugs.
  • auf dem Dorf · auf dem Land · auf dem Lande · auf dem flachen Land · auf dem flachen Lande · auf dem platten Land · auf dem platten Lande · im ländlichem Raum
  • Deutscher Bauernkrieg · Revolution des gemeinen Mannes
Synonymgruppe
Bauer (Kartenspiel) · ↗Bube · ↗Junge · ↗Unter (Kartenspiel) · Wünscher
Synonymgruppe
Bauer · ↗Käfig
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Barbar · ↗Grobian · ↗Raubein · ↗Rohling · Wilder · ungehobelter Kerl  ●  wildes Tier  fig. · Bauer  ugs. · grober Klotz  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeiter Bezirksausschußvorsitzende Bäuerin Dorf Einkommen Fischer Handwerker Hirt Hof Jäger Landarbeiter Millionär Sohn Subvention Traktor Umgebung anbauen arm aufgebracht aufständisch bayerisch betroffen einheimisch ernten französisch landlos polnisch protestieren reich werktätig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bauer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ziel ist es, die Bauern künftig durch garantierte Preise ans Unternehmen zu binden.
Die Zeit, 02.07.1998, Nr. 28
Unsere Bauern brauchen sich dabei nicht in Schulden zu stürzen.
Der Spiegel, 16.02.1981
Ich hatte immer gedacht, im Alter so etwas wie ein Bauer zu werden.
Böll, Heinrich: Billard um halb zehn, Leipzig: Insel-Verl. 1961 [1959], S. 178
Und so legt der Mann, der eine Stelle in der Industrie erhalten hat, seine Arbeit bei dem Bauern nieder.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 406
Die boshaften Reden des Bauern gingen an seinen Ohren vorbei.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 320
Zitationshilfe
„Bauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bauer#2>, abgerufen am 24.08.2019.

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