Bann, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bann(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Bann‹ als Erstglied: ↗Bannbrief · ↗Bannbruch · ↗Bannbulle · ↗Bannfluch · ↗Bannformel · ↗Bannführer · ↗Banngebiet · ↗Banngut · ↗Bannherr · ↗Bannkreis · ↗Bannmeile · ↗Bannrecht · ↗Bannspruch · ↗Bannstrahl · ↗Bannwald · ↗Bannware
 ·  mit ›Bann‹ als Letztglied: ↗Blutbann · ↗Gemeindebann · ↗Heerbann · ↗Jagdbann · ↗Kirchenbann · ↗Klosterbann · ↗Kriegsbann · ↗Königsbann · ↗Liebesbann · ↗Stadtbann · ↗Sturmbann · ↗Teufelsbann · ↗Traumbann · ↗Wildbann · ↗Zauberbann
 ·  mit ›Bann‹ als Grundform: ↗bannen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben zauberhafte Gewalt, magische Fessel
Beispiele:
jmd. zwingt, zieht, reißt, schlägt seine Zuhörer in seinen (unwiderstehlichen) Bann
er hielt alle in (seinem) Bann
er war in ihren Bann geraten, stand ganz in ihrem Bann
im Banne der Eindrücke, Erlebnisse
im Banne der majestätischen Gebirgswelt, der Kunst
im Bann der Sitte, Trägheit
unter dem Banne des Alkohols, der Leidenschaften
er war von einem (seltsamen) Bann befangen
jmds. Bann entfliehen
ein Bann flieht, weicht von jmdm.
den Bann des Schweigens brechen
der Bann war endlich gebrochen
2.
historisch Ausschluss aus der kirchlichen (und weltlichen) Gemeinschaft
Beispiele:
den Bann über jmdn. aussprechen, erklären
jmdn. mit dem Bann belegen
unter dem Bann leben
jmdn. vom Banne lösen
den Bann (auf)lösen, aufheben
jmdn. in Acht und Bann erklären, tun (= jmdn. aus der weltlichen und kirchlichen Gemeinschaft ausstoßen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bann · bannen · verbannen
Bann m. ‘zwingende Gewalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. ban, asächs. bann, afries. bonn, bann, aengl. gebann, engl. ban, anord. bann (germ. *banna-), Abstrakta zu einem reduplizierenden Verb, das in ahd. bannan (10./11. Jh.), gibannan (9. Jh.), mhd. bannen, asächs. aengl. bannan ‘befehlen, aufbieten, vor Gericht fordern’ (germ. *bannan) begegnet. Das germ. (Nasalpräsens aufweisende) Verb ist verwandt mit lat. fārī ‘künden, sprechen, sagen’, griech. phánai (φάναι) ‘kundmachen, sagen’, russ.-kslaw. bajati ‘erzählen, besprechen, heilen’, russ. (älter) bájat’ (баять) ‘reden, sprechen’ und mit diesen an die Wurzel ie. *bhā- ‘sprechen’ anzuschließen, zu der vielleicht auch aind. bhánati ‘spricht, tönt’ gehört (vgl. Mayrhofer 2, 469). Mit einer zu vermutenden Grundbedeutung ‘feierlicher Spruch’ entwickelt sich Bann zu einem zentralen Begriff des mittelalterlichen Rechts. Es bezeichnet einen ‘Befehl’, ein ‘Gebot, Verbot unter Strafandrohung’, danach auch ‘Einberufung zum Gericht’ wie auch in mhd. herban das ‘Aufgebot der Waffenfähigen zum Kriegsdienst’. Es gilt für die ‘Gerichtsgewalt’ (vgl. mhd. bluotban ‘Gerichtsbarkeit über Leben und Tod’), für das ‘Herrschaftsgebiet’ und den ‘Gerichtsbezirk’. Bann ist schließlich die ‘Ächtung’ und der ‘Ausschluß aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche’ (dafür heute ↗Exkommunikation, s. d.), zumal in der Wendung Acht und Bann (s. ↗Acht und vgl. Bannbulle). Heute wird Bann nur noch zur Darstellung und Beschreibung der genannten mittelalterlichen Verhältnisse verwendet oder aber übertragen im Sinne von ‘zwingende Gewalt, Fesselung, Zauber’ (jmdn. in seinen Bann ziehen, im Banne der Musik stehen) gebraucht. Das Verb bannen (s. oben) geht in spätmhd. Zeit (wie auch andere reduplizierende Verben) zur schwachen Flexion über. Seine Bedeutung ‘in den Bann tun’ (d. i. ‘exkommunizieren’) hält sich in historisierender Ausdrucksweise bis zur Gegenwart; allgemein heute im Sinne von ‘an einem Ort festhalten, an einen Ort verweisen, durch Spannung fesseln’. verbannen Vb. ‘aus einem Gebiet weisen, verstoßen, ausschließen’, ahd. firbannan ‘in den Bann tun, ächten’ (8. Jh.), mhd. verbannen ‘gebieten, in den Bann tun, verstoßen, verfluchen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bann · Behexung, · Beschreiung · ↗Verhexung · ↗Zauber (Bann) · ↗Zauberspruch
Assoziationen
Synonymgruppe
Ausgrenzung · ↗Ausschluss · Bann · ↗Bannfluch · ↗Untersagung · ↗Verbannung · ↗Verbot · ↗Verdammung · ↗Verfemung · ↗Ächtung  ●  ↗Bannstrahl  fig.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Briand-Kellogg-Pakt · Kellogg-Briand-Pakt · Kellogg-Pakt · Pariser Vertrag
Geschichte
Synonymgruppe
Acht · Bann · ↗Reichsacht · Verfestung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Altes Reich · ↗Altreich · Deutsches Reich · ↗Deutschland · Erstes Reich · Heiliges Römisches Reich · Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation · römisch-deutsches Reich  ●  HRR  Abkürzung · Sacrum Imperium Romanum  lat. · Sacrum Romanum Imperium  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufhebung Betrachter Dämon Hörer Interdikt Jade-Skorpion Leser Masse Publikum Skorpion Zauberer Zuhörer Zuschauer aufheben befreien belegen brechen durchbrechen erlösen gebrechen geraten lebenslang magisch päpstlich schlagen suggestiv verhängen verhängt zeihen ziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Bann‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er nahm einen gefangen, er zog einen irgendwie in Bann.
Der Tagesspiegel, 07.04.2000
Aber der Bann ist nun gebrochen, das läßt sich sagen.
Süddeutsche Zeitung, 02.12.1996
Von da ab hielt mich der Stall in seinem Bann.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 10787
Vielleicht gelingt es noch mit Gottes Hilfe, diese unglückliche Stadt von dem furchtbaren Banne zu befreien.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6197
Sooft er mit Stein zusammen war, habe er geradezu unter dessen geistigem Bann gestanden.
Friedländer, Hugo: Der Mord im Essener Stadtwalde. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 968
Zitationshilfe
„Bann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Bann>, abgerufen am 22.04.2019.

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