Balg, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Balg(e)s · Nominativ Plural: Bälge
Aussprache
Wortbildung mit ›Balg‹ als Erstglied: ↗Balgenauszug · ↗Balggeschwulst · ↗Balghaar · ↗Balginstrument · ↗Balgtreter
 ·  mit ›Balg‹ als Letztglied: ↗Blasbalg · ↗Blasebalg · ↗Faltenbalg · ↗Fuchsbalg · ↗Haarbalg · ↗Harmonikabalg · ↗Hasenbalg · ↗Iltisbalg · ↗Lederbalg · ↗Marderbalg · ↗Orgelbalg · ↗Otterbalg · ↗Puppenbalg · ↗Schmiedebalg · ↗Tierbalg · ↗Tretbalg · ↗Vogelbalg · ↗Wolfsbalg
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Tierfell, Tierhaut
Beispiele:
dem Fuchs, Marder den Balg abziehen, über die Ohren ziehen, vom Leibe streifen
die Bälge von Raubvögeln
den leeren Balg aufhängen, verkaufen, ausstopfen lassen
ein struppiger, rauer, glatter, kostbarer Balg
bildlich
Beispiel:
denn wenn sie [die Reiter] uns an den Balg wollen [Löns8,289]
2.
ausgestopfter Körper einer Puppe
Beispiele:
ein lederner, abwaschbarer Balg
die Puppe muss einen neuen Balg haben
ein Loch in dem Balg zustopfen
3.
Gerät zur Erzeugung eines Luftstromes
Beispiele:
der Balg der Orgel, des Akkordeons
die Bälge bewegen, treten, ziehen
den Balg des Akkordeons weit ausziehen
der Balg bläst, saust, faucht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. ↗Ball und ↗Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu ↗Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb ↗blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gör · verzogenes Kind  ●  Balg  derb
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Laus unehelich verwöhnt verzogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balg‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Kaninchen liegt hingestreckt in einer Blutlache, über ihm, in stereotyper Siegerpose, der Jäger: Stiefel auf dem Balg, das übermannshohe Gewehr auf den Boden gestützt.
konkret, 1993
Wenn er den Balgen auseinander zieht, scheint das Instrument zu atmen.
Süddeutsche Zeitung, 08.11.2000
Bei niedergedrückter Taste wird der Balg mit Luft gefüllt; beim Abheben gibt er die Luft frei und fällt dann wieder zusammen.
o. A.: T. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 1945
Die ursprünglichste Form eines Balges findet sich bei der seit dem ersten vorchristlichen Jahrtausend nachweisbaren Sackpfeife.
Sonner, Rudolf: Balginstrumente. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 8292
Die Kerle an den Bälgen hatten große Not, die Luft gleichmäßig in den Bälgen zu halten.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 164
Zitationshilfe
„Balg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Balg#1>, abgerufen am 20.10.2019.

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Balg, der oder das

GrammatikSubstantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Balg(e)s · Nominativ Plural: Bälge/Bälger
Aussprache
Wortbildung mit ›Balg‹ als Letztglied: ↗Dickbalg · ↗Lausebalg · ↗Schandbalg · ↗Teufelsbalg · ↗Wechselbalg
eWDG, 1967

Bedeutung

salopp, abwertend (ungezogenes) Kind   weist auf Mühen, Lasten hin
Beispiele:
freche, schmutzige, kleine Bälge, Bälger
so ein nichtsnutziger, nichtsnutziges Balg!
sie hatte fünf hungrige Bälger daheim
der, das kleine Balg wollte nicht hören, krähte vor Vergnügen
ein allerliebstes kleines Balg
Balg! Wirst du stille sein! Balg, willst du woll! [G. Hauptm.Schluck u. JauIV]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balg · Blasebalg · balgen · katzbalgen · Balgerei
Balg m. ‘die als Ganzes abgezogene Haut kleinerer Tiere’, früher als Behältnis sowie zur Anfertigung verschiedener Gegenstände benutzt, daher in älterer Zeit Verwendungen wie ‘Schlauch, Sack, Schwertscheide’ und heute noch die Bedeutungen ‘Blasebalg’ und, daran anschließend, ‘in Falten liegender, ausziehbarer Teil’ (bei Ziehharmonika, Photoapparat, D-Zug-Wagen). Ahd. balg ‘Schlauch, Sack, Blasebalg, Fruchthülse’ (9. Jh.), mhd. balc ‘Balg, Haut, Schwertscheide’ läßt sich mit asächs. balg, mnd. mnl. balch ‘Sack, Blasebalg, Bauch’, aengl. belig ‘Sack, Beutel, Schote’ (vgl. engl. belly ‘Bauch’, bellows ‘Blasebalg’), anord. belgr ‘Balg, Blasebalg, Bauch’, got. balgs ‘Schlauch’ (germ. *balgi-) zu außergerm. Verwandten wie aind. barhíḥ ‘Streu, Opferstreu’, pers. bāleš ‘Kissen’, ir. bolg f. ‘Blase’, bolg m. ‘Sack, Bauch, Hülse’, bolgaim ‘schwelle’, gall.-lat. bulga ‘Ledersack’, russ. (älter) bólozen’ (болозень) ‘Schwiele, Beule, Hühnerauge’ stellen und damit an ie. *bhelĝh- ‘schwellen; Balg, Kissen, Polster’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *bhel- ‘aufblasen, aufschwellen’ (s. ↗Ball und ↗Polster), anschließen. Die Grundbedeutung geht also von der Vorstellung des Aufgeblasenen, Prallen aus. Bereits mhd. wird die Bezeichnung von der Tierhaut verächtlich auf den menschlichen Körper übertragen und dann auch als Scheltwort für Menschen gebraucht (s. dazu ↗Wechselbalg). Derb-liebevoll auf Kinder bezogen, ist Balg im Nhd. (seit dem 18. Jh., besonders nordd.) oft Neutrum mit dem Plural Bälger. Blasebalg m. ‘Gerät zum Erzeugen eines Luftstroms’, ursprünglich zum Anfachen des Feuers, dann auch zur Luftzufuhr bei bestimmten Musikinstrumenten verwendet, ahd. blāsbalg (11. Jh.), mhd. blāsebalc, eine frühe Zusammensetzung mit dem Verb ↗blasen (s. d.). balgen Vb. reflexiv ‘raufen, sich prügeln’; seit dem 15. Jh. bezeugt, zunächst transitiv ‘zanken, streiten, jmdn. beschimpfen’ (im Schwäb.-Alem. fortlebend); wohl nicht unmittelbar das alte Verb ahd. belgan (8. Jh.), mhd. belgen ‘in Zorn geraten’ (vgl. anord. belgja ‘aufblasen, aufschwellen’) weiterführend, sondern vom (zur Schelte gewordenen) Substantiv Balg abgeleitet; dazu das auf einem nicht geklärten Bild beruhende gleichbed. katzbalgen Vb. reflexiv ‘sich raufen, laut streiten’ (Ende 15. Jh.), abgeleitet vom (heute unüblichen) Substantiv Katzbalg m. ‘Rauferei, Zank’ (wie das geräuschvolle Balgen von Katzen). Balgerei f. ‘Rauferei, Prügelei’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gör · verzogenes Kind  ●  Balg  derb
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Laus unehelich verwöhnt verzogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Balg‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit Balg wird aber auch das unartige, ungezogene Kind bezeichnet.
Röhrich, Lutz: Balg. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 616
Und nun laufen Sie mal hinter den fixen Bälgern her!
Die Zeit, 18.11.1948, Nr. 47
Ich würde mich hüten, solch wildfremden Bälgern die Nase zu putzen.
Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 17
Die ursprünglichste Form eines Balges findet sich bei der seit dem ersten vorchristlichen Jahrtausend nachweisbaren Sackpfeife.
Sonner, Rudolf: Balginstrumente. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 8292
Die Kerle an den Bälgen hatten große Not, die Luft gleichmäßig in den Bälgen zu halten.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 164
Zitationshilfe
„Balg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Balg#2>, abgerufen am 20.10.2019.

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