Backe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Backe · Nominativ Plural: Backen
WorttrennungBa-cke
Wortbildung mit ›Backe‹ als Erstglied: ↗Backenbart · ↗Backenbein · ↗Backenbremse · ↗Backenfutter · ↗Backenknochen · ↗Backenmuskel · ↗Backenschlag · ↗Backenstreich · ↗Backentasche · ↗Backenzahn · ↗Backpfeife · ↗Backzahn · ↗Bäckchen
 ·  mit ›Backe‹ als Letztglied: ↗Apfelbacke · ↗Arschbacke · ↗Bremsbacke · ↗Hinterbacke · ↗Hängebacke · ↗Kinnbacke · ↗Pausbacke · ↗Schweinebacke · ↗Sitzbacke
 ·  formal verwandt mit: ↗rotbackig · ↗rotbäckig · ↗vollbackig · ↗vollbäckig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
fleischiger Teil des Gesichtes zu beiden Seiten der Nase, Wange
Beispiele:
die rechte, linke Backe
beide Backen
eine dicke, geschwollene Backe
runde, rote, blühende, frische, heiße, kalte, weiche, pralle, blasse, eingefallene, hohle, abgemagerte, schlaffe, hängende, runzlige Backen
er hat Backen wie ein Hamster, wie ein reifer Apfel
die Backen aufblasen, aufblähen, spannen
mit vollen Backen kauen, in die Posaune stoßen
aus vollen Backen blasen, schmettern
er rieb sich [Dativ] die Backe
er hielt die Hand an die Backe
er fuhr sich [Dativ] mit der Hand an die Backe
das Gewehr an die Backe reißen, ziehen
die Backen glänzen, runden sich, platzen bald, verziehen sich zu einem Lächeln, brennen vor Scham
salopp er strahlt über beide Backen (= lächelt überglücklich)
ihr laufen, strömen die Tränen über die Backen
sie wischt sich [Dativ] die Tränen von den Backen
die hellen Schweißtropfen rannen ihm über die Backen
jmdn. in die Backen kneifen, zwicken
jmdm. die Backen streicheln, freundlich auf die Backe klopfen
jmdm. einen Kuss auf die Backe geben
sie küssten sich feierlich auf beide Backen
salopp au Backe (= Ausruf, der Überraschung, Verwunderung ausdrückt)
Der Alte ... schob nur bedächtig seinen Tabaksknoten aus einer Backe hinter die andere [StormSchimmelr.7,167]
[sie] reichte der Schwiegertochter die Backe [zum Kuß] [FontaneTreibelI 3,312]
übertragen
Beispiel:
dem kann man das Vaterunser durch die Backen blasen (= er hat ein sehr abgemagertes Gesicht)
2.
umgangssprachlich
Beispiel:
die beiden Backen (= Hinterteil, Gesäß)
3.
übertragen Seitenfläche, Seitenteil, meist paarweise auftretend
Beispiele:
die Backen am hohen Lehnstuhl, Gewehr, Schraubstock, an der Skibindung, an Bremsen, Kneifzangen
um mich hier in einen großen Polsterstuhl mit Backen zu setzen [FontaneStechlinI 5,403]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Backe1 · Backen · Back(en)zahn · Backpfeife
Backe1 f. südd. Backen m. ‘Teil des Gesichts, Wange’, nur auf den dt. Sprachraum beschränkt; ahd. backo m. ‘Kinnbacken, Kinnlade’ (Hs. 12. Jh.), mhd. backe m. ‘Backe, Kinnlade’, mnd. backe f., häufig in der Zusammensetzung ahd. kinnibacko (11. Jh.), mhd. kinnebacke, kinbacke m., asächs. kinnibakko. Ursprünglich Bezeichnung für ‘Kinnbacke, Unterkiefer’, hat Backe allmählich die Bedeutung des gemeingerm., heute der gehobenen Sprache angehörenden Wortes ↗Wange (s. d.) übernommen. Der Wechsel vom mask. zum fem. Geschlecht geht vom Nordd. aus. Herkunft ungewiß. Zweifelhaft ist Verwandtschaft mit griech. (Aorist) phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen’ (demnach Backe eigentlich ‘Esser’) und Anschluß an die Wurzel ie. *bhag- ‘zuteilen, als Anteil bestimmen, erhalten’. Back(en)zahn m. ahd. back(o)zan(d) (Hs. 12. Jh.), mhd. baczan. Backpfeife f. ‘Schlag auf die Backe, Ohrfeige’ (1. Hälfte 19. Jh.); von J. Grimm (¹DWB 1, 1068) als ‘Schlag, der auf den Backen pfeift’ erklärt, aber auch als Umdeutung von Backfeige, eigentlich ‘gebackene Feige’ (s. ↗Ohrfeige), denkbar.

Backe2 f. ‘Gesäßhälfte’, nur noch in Hinter-, Sitz-, Arschbacke; in seiner Herkunft wohl identisch mit ↗Bache (s. d. und ↗Bank). Die zu ahd. bah n.? ‘Rücken’ (9. Jh.) gehörige Ableitung ahd. bahho m. ‘Rücken, Schinken, Speckseite’ (9. Jh.), mhd. bache m. setzt sich in dieser Bedeutung in der nhd. Literatursprache nicht fort. Mit veränderter Bedeutung lebt sie in nhd.Bache (s. d.) weiter; bezogen auf die Gesäßhälfte bei Menschen oder Vierfüßern wird sie im Frühnhd. nichtverwandtem ↗Backe (s. d.) angeglichen, vgl. arsbacke (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Backe · ↗Wange
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backe Basteln Braten Kinn Kochen Rösten Schmiß Schraubstock Sicherheitsnadel aufblasen aufblähen aufgeblasen aufgeplustert aufplustern aufpumpen aufpusten blähen dick eingefallen gebläht gerötet geschwollen glühen hinhalten hochrot kneifen kullern rosig tätscheln zusammenkneifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Backe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch auf seinen Backen sprossen sie, spärlich wie der erste Bart eines jungen Mannes.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 11
Die Kerne landen, das ist die Kunst, erst einmal alle in den Backen.
Wondratschek, Wolf: Mozarts Friseur, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 140
Auf jeden Fall hat unser Spieler hinterher eine dicke Backe gehabt.
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2000
Vor allem der Teil übers Backen enthält eine Fülle von präzisen Informationen, die in dieser konzentrierten Form kaum anderswo zu haben sind.
Der Tagesspiegel, 13.04.2000
Der Mann redete mit aufgeblasenen Backen auf die Frau ein.
Fichte, Hubert: Das Waisenhaus, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1988 [1965], S. 32
Zitationshilfe
„Backe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Backe>, abgerufen am 21.07.2019.

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