Armut, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Armut · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAr-mut
Grundformarm
Wortbildung mit ›Armut‹ als Erstglied: ↗Armutsflucht · ↗Armutsgrenze · ↗Armutsideal · ↗Armutsquote · ↗Armutsschwelle · ↗Armutszeugnis
 ·  mit ›Armut‹ als Letztglied: ↗Altersarmut · ↗Antriebsarmut · ↗Bewegungsarmut · ↗Bildungsarmut · ↗Blutarmut · ↗Dorfarmut · ↗Einkommensarmut · ↗Gedankenarmut · ↗Gefühlsarmut · ↗Geistesarmut · ↗Gemütsarmut · ↗Ideenarmut · ↗Kinderarmut · ↗Kontaktarmut · ↗Landarmut · ↗Massenarmut · ↗Rohstoffarmut · ↗Sauerstoffarmut · ↗Spracharmut · ↗Stadtarmut · ↗Waldarmut · ↗Wasserarmut · ↗Wortarmut
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Armsein
Gegenwort zu Reichtum
a)
Mittellosigkeit
Beispiele:
tiefe, bittere, drückende, unverhüllte Armut
die Armut zu fühlen bekommen
in Armut geraten
in äußerster Armut leben, sterben
ein Leben in Armut
sprichwörtlich Armut ist keine Schande, schändet nicht
Steuern, Staatsfronden … aller Art drückten die Masse der Bevölkerung in immer tiefere Armut [EngelsUrsprung147]
er schämte sich einen Augenblick seiner Armut [HesseNarziß5,251]
b)
Kargheit
Beispiele:
die Armut des Landes an Rohstoffen, Wäldern
eine Armut (= Mangel) an Gedanken
innere, geistige Armut
die Armut des Ausdrucks
Eine Hauptursache der Armut in den Wissenschaften ist meist eingebildeter Reichtum [BrechtGalilei9]
2.
veraltend Gesamtheit der Armen
Beispiel:
die Hütten der städtischen Armut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit ↗Arbeit und ↗Erbe (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. ↗Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Armseligkeit · Armut · ↗Dürftigkeit · ↗Entbehrung · ↗Kargheit · ↗Mangel · ↗Not
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (sich) nichts zu essen kaufen können · arm sein  ●  (bei jemandem) ist Schmalhans Küchenmeister  ugs. · (den) Kitt aus den Fenstern fressen (müssen)  derb, fig. · am Hungertuch nagen  ugs. · nichts zu beißen haben  ugs.
Synonymgruppe
Armut · ↗Geldnot · ↗Mittellosigkeit
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aids Arbeitslosigkeit Ausgrenzung Bekämpfung Beseitigung Elend Hoffnungslosigkeit Hunger Kampf Korruption Krankheit Kriminalität Not Obdachlosigkeit Reichtum Rückständigkeit Teufelskreis Umweltzerstörung Ungerechtigkeit Ungleichheit Unterdrückung Unterentwicklung Unwissenheit absolut bekämpfen bitter extrem leben wachsend Überwindung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Armut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn wir Wachstum fördern, ersparen wir einem heute geborenen Kind ein Leben in extremer Armut.
Die Zeit, 19.06.2013, Nr. 23
Diese Analyse gibt uns eine Erklärung für das Paradox der Armut mitten im Überfluß.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 625
Etwa so alt wie die Armut selbst ist die fein ziselierte Lüge von ihrer Würde.
konkret, 1997
Bei der großen Armut der Bauern mußte der ganze Plan wegen dieser Bestimmung von vornherein scheitern.
Harmjanz, Heinrich: Ostpreußische Bauern, Königsberg: Reichsnährstand Verl. Ges. 1939 [1938], S. 75
Sie schienen sehr große Stücke auf ihn zu halten trotz seiner Armut.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 264
Zitationshilfe
„Armut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Armut>, abgerufen am 20.10.2019.

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