Antinomie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Antinomie · Nominativ Plural: Antinomien
Aussprache
WorttrennungAn-ti-no-mie
Wortzerlegunganti--nomie
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

fachsprachlich, bildungssprachlich Widerspruch, Gegensätzlichkeit innerhalb eines Satzes oder zwischen zwei Sätzen, von denen jeder für sich Gültigkeit beanspruchen kann; Gegensatz
Beispiele:
Antinomie (griech. anti gegen, nomos Gesetz, Regelhaftigkeit). Widersprüchlichkeit von Gesetzesaussagen, die jeweils für sich Anspruch auf Geltung erheben, sich aber eben deshalb wechselseitig ausschließen. [Schaub, Horst u. Zenke, Karl G.: Antinomie. In: dtv-Wörterbuch Pädagogik [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1995], S. 134]
Er [Rudi Dutschke] wurde als Christ erzogen und hatte das auch entsprechend verinnerlicht. Sein politisches Handeln war die logische Fortsetzung seines Glaubens. ZEIT ONLINE: Sein Biograf nannte ihn einen »christlichen Marxisten«. Ist das nicht eine Antinomie? [Die Zeit, 01.06.2017 (online)]
Die quälende Debatte über ein Denkmal für die vom nationalsozialistischen Deutschland ermordeten Juden beweist, daß es noch echte ästhetische, politische und moralische Antinomien gibt. Einerseits kann keine ästhetische Form dem Grauen genügen – andererseits kann nur künstlerische Gestaltung über reine Information hinaus die mit dem Grauen und der Trauer einhergehenden Affekte auf Dauer im öffentlichen Raum darstellen. [Die Zeit, 05.03.1998, Nr. 11]
Die alten Gegensätze im Orient – zwischen progressiven und konservativen Regimen, laizistischen und theokratischen Herrschern, schiitischen und sunnitischen Moslems – wurden plötzlich überlagert durch eine einzige Antinomie: pro und contra Amerika, pro und contra seine Helfershelfer am Golf, besonders Saudi-Arabien. [Der Spiegel, 20.08.1990, Nr. 34]
Der eigentliche Begründer der philosophischen Antinomienlehre ist KANT. Unter Antinomien versteht er »Widersprüche, in die sich die Vernunft bei ihrem Streben, das Unbedingte zu denken, mit Notwendigkeit verwickelt, Widersprüche der Vernunft mit sich selbst« (Kr. d. r. V. S. 340). […] [Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe – A. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 13731]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine kosmologische, syntaktische, unlösbare Antinomie; die Kantsche Antinomie

Thesaurus

Synonymgruppe
Gegensätzlichkeit · ↗Unvereinbarkeit · ↗Widerspruch  ●  Antinomie  fachspr. · ↗Falsum  fachspr. · ↗Kontradiktion  fachspr.
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Antinomie · ↗Paradox · ↗Paradoxie · ↗Paradoxon · ↗Widerspruch  ●  Contradictio in adjecto  fachspr., lat. · ↗Oxymoron  fachspr., griechisch
Unterbegriffe
  • Sankt-Petersburg-Lotterie · Sankt-Petersburg-Paradoxon
  • Geburtstagsparadoxon · Geburtstagsproblem
  • Pascalsches Paradoxon · hydrostatisches Paradoxon
  • Drei-Türen-Problem · Monty-Hall-Dilemma · Monty-Hall-Problem · ↗Ziegenproblem
  • Uhrenparadoxon · ↗Zwillingsparadoxon
  • Hempels Paradox · Rabenparadox
  • Paradoxa · Paradoxien
  • Condorcet-Paradoxon · Zirkelpräferenz
  • Bildungsparadox · Bildungsparadoxon · Qualifizierungsparadox · Qualifizierungsparadoxon
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auflösung Freiheit Moderne Paradoxie Vernunft Widerspruch aufheben auflösen beruhen dritt echt kantisch kosmologisch mathematisch russellsch scheinbar syntaktisch unlösbar

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Antinomie‹.

Zitationshilfe
„Antinomie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Antinomie>, abgerufen am 21.07.2019.

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