Anteilnahme, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Anteilnahme · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAn-teil-nah-me (computergeneriert)
WortzerlegungAnteilNahme
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Beteiligung
Beispiele:
unter reger Anteilnahme der Bevölkerung
unter tätiger Anteilnahme der Historiker [FringsZur Grundlegung80]
2.
übertragen Teilnahme, Mitgefühl
Beispiele:
jmdm. seine Anteilnahme (bei einem Unglück, Todesfall) versichern
aufrichtige Anteilnahme zeigen
jmdm. mit warmer, menschlicher, persönlicher Anteilnahme begegnen
etw. mit reger, lebhafter, wacher, begeisterter, steigender, heißer, kritischer Anteilnahme (= Interesse) verfolgen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Teil · teilen · Teilung · teilbar · abteilen · Abteilung · erteilen · mitteilen · Mitteilung · verteilen · teilhaftig · teils · Anteil · Anteilnahme · Gegenteil · gegenteilig · Nachteil · nachteilig · benachteiligen · Vorteil · übervorteilen · teilhaben · Teilhaber · teilnehmen · Teilnahme
Teil m. n. ‘Stück eines Ganzen, Einzelheit, Anteil’, ahd. (8. Jh.), mhd. teil m. n., asächs. dēl m., mnd. dēl m. n., mnl. nl. deel n., aengl. dǣl m., engl. deal, got. dails f. sowie ahd. teila f. ‘Teilung’ (9. Jh.), mhd. teile f. ‘Teilung, Zugeteiltes’, anord. deila f. ‘Teilung, Zwiespalt, Streit’, got. daila f. ‘Teilnahme’ (germ. *dail- mit unterschiedlicher Stammbildung) und aslaw. dělъ ‘Teil’, russ. (älter) del (дел) ‘Teilung’ sind Bildungen mit l-Suffix, die mit lit. dailýti ‘teilen’ zusammenstimmen. Weitere Verknüpfungen bleiben unsicher. Zu einer Wurzel ie. *dā(i)-, *dī̌- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’? Oder stammt der germ.-baltoslaw. Ausdruck aus einer Substratsprache? teilen Vb. ‘ein Ganzes in Einzelstücke zerlegen’, ahd. teilen, teilōn (8. Jh.), mhd. teilen, asächs. dēlian, mnd. mnl. dēlen, deilen, nl. delen, aengl. dǣlan, engl. to deal, anord. deila, got. dailjan, Bildung zum Substantiv; dazu Teilung f. ahd. teilunga (um 900), mhd. teilunge, und teilbar Adj. ‘so beschaffen, daß man es teilen kann’ (15. Jh.). abteilen Vb. ‘einteilen, trennen, absondern’, mhd. abeteilen ‘(gerichtlich) aberkennen, vermögensrechtlich abfinden, einen Teil von einem Ganzen trennen’; vgl. got. afdailjan ‘ein Zehntel abgeben’. Abteilung f. ‘Abtrennung, Loslösung, Abschnitt, Teil eines Ganzen’, (militärisch) ‘Gliederungseinheit der Truppe’, auch ‘Bereich der Verwaltung und Arbeitsorganisation’ (18. Jh.), mhd. abeteilunge ‘Abtrennung, Loslösung’, frühnhd. ‘Erbteilung’ (16. Jh.), auch ‘Eisenbahnabteil’ (2. Hälfte 19. Jh.), s. ↗Abteil. erteilen Vb. ‘(auf Grund einer Verfügungsgewalt eine Aufgabe, eine Berechtigung) zuteil werden lassen’, ahd. irteilen ‘Recht zuteilen, ein Urteil aussprechen, einen Rat, Befehl geben’ (8. Jh.), mhd. erteilen ‘ein Urteil sprechen, richten, verurteilen, als Urteil zuerkennen, teilen’. Dazu ↗Urteil, s. d. mitteilen Vb. ‘etw. wissen lassen, benachrichtigen, anvertrauen’, mhd. miteteilen ‘Rat geben, etw. mit jmdm. teilen, jmdm. zukommen lassen, übergeben’; Mitteilung f. ‘Nachricht, Meldung, Benachrichtigung, Bekanntgabe’ (16. Jh.). verteilen Vb. ‘(ein Ganzes in einzelnen Stücken) ausgeben’, ahd. firteilen ‘des Anteils berauben, verurteilen’ (10. Jh.), mhd. verteilen ‘ver-, zerteilen, bei einer Teilung übergehen, enterben, den Anteil absprechen, eines Anteils berauben, durch Urteil absprechen, verurteilen, verdammen, verfluchen, verwünschen’. teilhaftig Adj. ‘Anteil habend’, mhd. teilhaftic, teilheftic. teils Adv. ‘teilweise, zum Teil’ (17. Jh.), aus der genitivischen Fügung mhd. eines teiles, frühnhd. (eines) theils ‘zum Teil, einige’, wohl entstanden aus Verbindungen, in denen Teil als Ergänzung zum Verb auftritt. Anteil m. ‘zustehender, zufallender Teil, innere Anteilnahme, Beteiligung’, mhd. anteil; die übertragene Bedeutung ‘Mitgefühl’, besonders in der Wendung Anteil nehmen, entsteht im 18. Jh.; dazu Anteilnahme f. ‘(innere) Beteiligung, Mitgefühl’ (19. Jh.). Gegenteil n. ‘den Gegensatz zu etw. anderem Darstellendes’, mhd. gegenteil ‘Gegenpartei im Rechtsstreit’; im heutigen verallgemeinerten Sinne seit dem 16. Jh.; gegenteilig Adj. (16. Jh.). Nachteil m. ‘Umstände, die jmdn. beeinträchtigen, jmdm. schaden’ (15. Jh.), als Gegenwort zu älterem Vorteil, s. unten; nachteilig Adj. (15. Jh.).; benachteiligen Vb. ‘zurücksetzen, nicht das gleiche zugestehen’ (16. Jh.). Vorteil m. ‘günstiger Umstand, Gewinn, Nutzen’, ahd. forateila f. ‘Belohnung, Zuteilung’ (8. Jh.), mhd. vorteil m. n. ‘Teil voraus, Vorausempfang, Vorrecht’, mnd. vordēl n.; übervorteilen Vb. ‘Vorteil über jmdn. erringen, überlisten, betrügen’ (15. Jh.). teilhaben Vb. ‘beteiligt sein, teilnehmen’, ahd. teil habēn (8. Jh.), mhd. teil haben; Teilhaber m. ‘Mitberechtigter an Eigentum, besonders Geschäftseigentum’ (Anfang 18. Jh.), Kompagnon verdrängend. teilnehmen Vb. ‘sich beteiligen, mitmachen, mitempfinden, mitfühlen’, ahd. teil neman (8. Jh.), mhd. teil nemen; Teilnahme f. ‘Beteiligung, das Beteiligtsein, Mitgefühl’ (18. Jh.), älter Teilnehmung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anteilnahme · ↗Beileid
Synonymgruppe
Anteilnahme · ↗Aufmerksamkeit · ↗Freundlichkeit · ↗Interesse · ↗Wertschätzung · Zugewandtheit
Assoziationen
Synonymgruppe
Anteilnahme · Beteiligtsein · ↗Beteiligung · ↗Einbindung · ↗Einschluss · ↗Mitwirkung · ↗Partizipation · ↗Teilhabe · ↗Teilnahme · ↗Verstrickung · ↗Verwicklung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • direkte Demokratie · sachunmittelbare Demokratie · unmittelbare Demokratie
  • politische Beteiligung · politische Partizipation · politische Teilhabe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bekundung Bestürzung Betroffenheit Bevölkerung Hilfsbereitschaft Mitgefühl Mitleid Schicksal Trauer aufrichtig ausdrücken bedanken beerdigen beisetzen bekunden emotional empfunden freudig geheuchelt herzlich heucheln inner innig lebhaft leidenschaftlich menschlich reg Öffentlichkeit übermitteln überwältigend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Anteilnahme‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entwicklung etwa hänge davon ab, die willfährige Anteilnahme an einem Objekt aufzugeben.
Süddeutsche Zeitung, 26.09.1997
Aber in einer Situation wie dieser ist distanzierte Anteilnahme zu wenig.
Der Tagesspiegel, 10.08.1997
Am liebsten hätte er sie angefleht um etwas Beteiligung, Anteilnahme an ihm, die sie ihm aber daraufhin erst recht hätte noch stärker entziehen müssen.
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 26
Es findet nicht die Anteilnahme, die es braucht, um sich in Übereinstimmung mit seinen Anlagen entwickeln zu können.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 13
Nur bei Euch und in den kleinen Ländern kann noch so etwas wie eine Anteilnahme bestehen.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 09.04.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16435
Zitationshilfe
„Anteilnahme“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Anteilnahme>, abgerufen am 25.04.2019.

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